Der Windparkprojektierer PNE Wind verkauft für 330 Millionen Euro sein seit 2014 aufgebautes Windpark-Portfolio an Allianz Global Investors. Mit dem Deal justieren die Cuxhavener ihr Geschäftsmodell.

PNE Wind

12.12.16
Deals

PNE Wind zurrt Mega-Deal fest

PNE Wind verkauft für 330 Millionen Euro ein Windpark-Portfolio an die Allianz. Das größte finanzielle Wagnis der Unternehmensgeschichte nimmt damit ein gutes Ende.

Dem Windparkprojektierer PNE Wind ist der erhoffte Befreiungsschlag gelungen. Wie das Unternehmen mitteilte, wird ein Großteil des 142 MW leistungsstarken Windpark-Portfolios an den von Allianz Global Investors verwalteten Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II verkauft. Der Versicherer bezahlt für 80 Prozent des Windpark-Portfolios 103 Millionen Euro, was in etwa dem Bilanzansatz und damit den von PNE Wind erbrachten Investitionskosten entspricht. Das gesamte Windpark-Portfolio wird inklusive Schulden mit 330 Millionen Euro bewertet. 

PNE Wind hatte Mitte September mit einem Verkaufspreis zwischen 300 und 350 Millionen Euro gerechnet. Der erzielte Verkaufspreis von rund 2,3 Millionen Euro pro Megawatt liegt nach einer Kalkulation der Analysten von Oddo Seydler in der Mitte der Spanne von 2,1 bis 2,7 Millionen Euro, die zuletzt bei ähnlichen Transaktionen erzielt wurden. PNE Wind verkauft aber lediglich 80 Prozent des Portfolios an die Allianz. Zwei noch nicht fertiggestellte Windparks mit einer Leistung von jeweils 6 Megawatt (MW) bleiben zunächst in der Bilanz von PNE Wind. Für einen weiteren Windpark mit einer Leistung von 10 MW, der aktuell noch ein Genehmigungsverfahren durchläuft, hat die Allianz eine Kaufoption.

PNE verdient auch nach dem Verkauf an Allianz an den Windparks

Der lange angestrebte Exit aus dem Großportfolio bringt PNE Wind nicht nur eine erhebliche Bilanzentlastung – das Unternehmen will den Deal auch nutzen, um sein Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Bislang waren die Cuxhavener hauptsächlich auf die Projektierung von Windparks ausgerichtet. Jetzt bauen sie auch ihr Dienstleistungsgeschäft massiv aus, weil sie für alle an die Allianz verkauften Windparks das Betriebsmanagement übernehmen.

Dies verspricht ebenso hohe laufende Erträge wie die verbleibende Restbeteiligung von 20 Prozent an dem Windparkportfolio. PNE Wind beziffert die zusätzlichen jährlichen Erträge auf einen zweistelligen Millionenbereich. Dies dürfte die traditionell enorm hohe Ergebnisvolatilität von PNE Wind dämpfen. Oddo Seydler schätzt, dass der Wert des Servicevertrags den erzielten Verkaufspreis auf 2,4 Millionen Euro pro Megawatt anhebt.

Da sich der Exit in den zurückliegenden Wochen bereits abgezeichnet hatte, reagiert der Kapitalmarkt verhalten auf den Vollzug des M&A-Deals. Die Aktie von PNE Wind legt heute Vormittag um 2 Prozent zu und steht nun leicht über 2 Euro. Die nominal 100 Millionen Euro schwere Anleihe notiert unverändert bei rund 102 Prozent ihres Ausgabekurses.

PNE Wind ging für den M&A-Deal finanziell ins Risiko

Der Verkauf des Windpark-Portfolios ist der wohl wichtigste Deal der Unternehmensgeschichte. Anstatt wie bisher jährlich die fertiggestellten Windparks zu verkaufen, hatte PNE den Großteil seiner Windparks seit 2014 in der als „YieldCo“ bezeichneten Gesellschaft gebündelt. Nur im Bündel wurden die Windparks für einen großen Player wie die Allianz interessant.

Die Kombination aus hohen Baukosten und fehlenden Exit-Erlösen haben tiefe Spuren in der Bilanz von PNE Wind hinterlassen. Zum Halbjahr 2016 gingen die Umsätze von 71,9 Millionen Euro auf 44,8 Millionen Euro zurück, und sowohl beim operativen als auch dem Vorsteuergewinn schrieb PNE Wind rote Zahlen. Die Projektfinanzierungen blähten die Passivseite zudem um 142,8 Millionen Euro auf.

Wird die Transaktion – wie von PNE Wind angestrebt – noch in diesem Jahr abgeschlossen, würde das ausgerufene Gewinnziel mit einem Schlag wieder in greifbare nähe Rücken. PNE Wind rechnet für das Jahr 2016 mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 100 Millionen Euro. Das vergleicht sich mit einem Börsenwert von aktuell rund 160 Millionen Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Jeder gegen jeden: Worum es bei dem erbitterten Machtkampf im vergangenen Jahr ging und wie der Konflikt ausging – die Antworten finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu PNE Wind.