Bei Zukäufen im Bereich E-Commerce setzt ProSiebenSat.1 auch auf die Strategie „Media for Equity“.

ProSiebenSat.1 Media

18.03.15
Deals

ProSiebenSat.1 baut E-Commerce-Portfolio aus

Reiseportale, Preisvergleichsseiten, jetzt die Online-Parfümerie Flaconi und der Erotikshop Amorelie: Über eine Reihe von M&A-Deals und Beteiligungen kauft die Sendergruppe ProSiebenSat.1 im Bereich E-Commerce zu. Dabei bezahlen die Münchener auch mit Werbeminuten.

Die Münchener Senderkette ProSiebenSat.1 baut ihr Beteiligungsportfolio weiter aus: Besonders im Interesse stehen aktuell offenbar ein Online-Erotikshop und eine Parfümeriekette. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Branchenkreise berichtet, soll die Sendergruppe an einer Aufstockung der Anteile am Online-Parfümhandel Flaconi interessiert sein. Mit 47 Prozent ist ProSiebenSat.1 bereits beteiligt, am Markt wird nun über eine Komplettübernahme spekuliert.

Die Beteiligung an einem weiteren Onlineunternehmen wollen die Münchener in jedem Fall ausbauen: Am Erotikhändler Amorelie hält ProSiebenSat.1 bereits rund 23 Prozent. Wie aus einer Meldung beim Bundeskartellamt hervorgeht, möchte der Sender mindestens 75 Prozent an dem Unternehmen Sonoma Internet übernehmen, der Betreibergesellschaft des Portals.

Die M&A-Deals haben mit dem klassischen Fernsehgeschäft wenig zu tun. Doch das Standbein im Fernsehmarkt ermöglicht es den Münchenern, die M&A-Deals liquiditätsschonend umzusetzen. Berichten zufolge setzt ProSiebenSat.1 bei den Start-up-Beteiligungen auf das Modell „Media for Equity“: Ein Teil des Kaufpreises wird in Form von Werbespots im Sendernetz bezahlt. Für die jungen Unternehmen verspricht das die Möglichkeit, ihren Bekanntheitsgrad schnell zu steigern. Die Beteiligung Flaconi soll etwa 20 Prozent ihrer Anteile als Bezahlung für Werbespots abgegeben haben.

ProSiebenSat.1 will Digitalgeschäft zum Umsatztreiber machen

Die Expansion in das Online-Geschäft betont die Sendergruppe auch in ihrem aktuellen Bericht über das Geschäftsjahr 2014: „In den vergangenen Jahren haben wir ein starkes E-Commerce-Portfolio aufgebaut, das heute zu unseren wichtigsten Wachstumstreibern zählt“, heißt es dort.

Als neuestes Projekt preist eine aktuelle Investorenpräsentation den Bereich „Beauty & Accessories“, zu dem neben der Beteiligung an Amorelie auch ein 21-prozentiger Anteil am Brillenversand Brille 24, der 47-prozentige Anteil an Flaconie sowie die 51-prozentige Beteiligung am Schmuckhändler Valmano gehören. Sie könnten künftig als gemeinsame Gruppe vermarktet werden, ähnlich wie es bereits im Reisebereich mit den Konzernbeteiligungen Mydays, Tropo, Weg.de, Billiger-mietwagen.de und wetter.com geschieht.


Die Wachstumspläne der Senderkette, deren Finanzen von April an der neue CFO Gunnar Wiedenfels übernehmen wird, sind ehrgeizig: Bis 2018 will der Konzern den Umsatz im Vergleich zu 2012 um 1 Milliarde Euro steigern. 2012 lag der Umsatz inklusive nicht fortgeführter Aktivitäten bei 2,97 Milliarden Euro, abzüglich der damals zum Verkauf stehenden Einheiten waren es 2,36 Milliarden Euro. Für das Geschäftsjahr 2014 verbuchte ProSiebenSat.1 einen Umsatz von 2,88 Milliarden Euro.

Eine besondere Rolle bei den Wachstumsfantasien spielt das Segment „Digital & Adjacent“: Dem Konzern zufolge soll es bis zum Jahr 2018 immerhin 25 bis 30 Prozent zum Konzernumsatz beitragen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de