Der Start-up-Investor Rocket Internet engagiert sich mit einem Großinvestment im E-Commerce-Sektor für Essenslieferungen.

Rocket Internet

06.02.15
Deals

Rocket Internet pumpt mehr als eine halbe Milliarde Euro in Essenslieferanten

Der Start-up-Investor Rocket Internet hat den Online-Bestellservice für Essenslieferungen als neuen Wachstumsbereich für sich entdeckt. Über mehrere Beteiligungen pumpen die Berliner mehr als eine halbe Milliarde Euro in verschiedene Online-Plattformen.

Mit seinem Engagement beim Online-Modehändler Zalando hat die Start-up-Schmiede Rocket Internet schon einmal ein gutes Gespür bewiesen. Nun hat der seit Oktober 2014 an der Börse notierte PE-Investor einen neuen Bereich für sich entdeckt: Der Bereich Food & Groceries bekommt eine Schlüsselrolle im Rahmen der Unternehmensaktivitäten zugesprochen. Rocket Internet betrachtet den Sektor nach eigenem Bekunden „als den nächsten bedeutenden Markt im Bereich E-Commerce“. Die Strategie hat Rocket Internet bereits mit mehreren Beteiligungen untermauert, die künftig eine gemeinsame Gruppe formen sollen: Heute Vormittag verkündete der Investor die Gründung der Global Online Takeaway Group.

Die Gruppe bündelt künftig die Beteiligungen des Start-up-Investors an verschiedenen Liefer- und Essensdiensten. Dazu zählen der in den Emerging Markets aktive Lieferdienst Foodpanda, an dem Rocket Internet 55,2 Prozent hält, sowie eine heute bekannt gegebene 30-prozentige Beteiligung an Delivery Hero und sämtliche Anteile an den beiden Lieferdiensten La Nevera Roja und Pizzabo aus Spanien und Italien.

Insgesamt ist die neu formierte Gruppe in 64 Ländern aktiv. Basierend auf den Zahlen vom Dezember 2014 kooperiert die Gruppe nach Angaben von Rocket Internet mit 140.000 Restaurants und liefert auf annualisierter Basis 78 Millionen Bestellungen. 

Rocket Internet zahlt allein 496 Millionen Euro für Delivery-Hero-Anteil

Die Investitionen in den Online-Essensbereich haben es in sich und zählen zu den größten in der Unternehmensgeschichte der Berliner Start-up-Schmiede der Brüder Samwer. Für den 30-prozentigen Anteil an Delivery Hero allein zahlt Rocket Internet 496 Millionen Euro. Teil der Transaktion sind sowohl die Übernahme von Anteilen von bestehenden Gesellschaftern als auch eine Kapitalerhöhung.

Weitere Mittel steckt Rocket Internet in das Unternehmen HelloFresh, an dem auch der VC-Investor Insight Venture Partners beteiligt ist. Im Rahmen einer Finanzierungsrunde über 110 Millionen Euro steuert Rocket Internet 100 Millionen Euro bei und kauft zudem Anteile eines Mitgesellschafters im Wert von 30 Millionen Euro. Rocket Internet hält nun eine Mehrheitsposition von rund 51,7 Prozent an HelloFresh. Es ist die größte bislang getätigte Einzelinvestition des Investors. Der auf ein Jahr hoch gerechnete Umsatz soll sich aktuell schon auf 120 Millionen Euro belaufen, mit stark steigender Tendenz.

Nach Angaben des Unternehmens hat sich der „Last Portfolio Value“ von Rocket Internet seit dem Börsengang im Herbst damit schon um 0,8 Milliarden Euro auf 3,4 Milliarden Euro erhöht. Dieser vermeintliche Wertzuwachs beruht aber zum großen Teil auf den jetzt von Rocket Internet bezahlten Unternehmensbewertungen für die zusätzlichen Investments im Food-Bereich.

Zu einzelnen Portfoliounternehmen solle es künftig häufigere Auskünfte über die Geschäftsentwicklung geben, sieben Unternehmen hätten dazu bereits auf ein vierteljährliches IFRS-Reporting umgestellt, versprach Rocket.

Die Pläne für die Zukunft sind ehrgeizig: Die heute gegründete Global Online Takeaway Group soll sich laut CEO Oliver Samwer „zum globalen Marktführer im Bereich der Online- und mobilen Essenlieferdienste“ entwickeln.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de