Zunächst lief der M&A-Prozess bei Senvion nur sehr schleppend an, jetzt scheinen die Luxemburger doch noch fündig geworden zu sein: Die spanische Siemens-Gamesa ist offiziell an Senvions europäischem On-shore-Geschäft interessiert.

Jan Oelker/Senvion

16.09.19
Deals

Senvion verhandelt mit Siemens Gamesa

Senvion verhandelt mit Siemens Gamesa über den Verkauf von Teilen seines Geschäfts. Damit nimmt die erwartete Zerschlagung des Windenergiekonzerns weiter Gestalt an. Was mit den übrigen Geschäftsbereichen geschieht, ist noch unklar.

Die Zerschlagung des insolventen Windkonzerns Senvion nimmt Formen an: Das Unternehmen hat möglicherweise einen Käufer für einen Teil seiner Geschäfte gefunden. Senvion verhandelt mit dem Windkraftanlagenhersteller Siemens Gamesa, wie das Unternehmen am heutigen Montag bekanntgab. Die beiden Unternehmen haben eine nicht-bindende Exklusivitätsvereinbarung über den Erwerb ausgewählter europäischer Service- und Onshore-Assets unterzeichnet.

Der Gläubigerausschuss von Senvion hat der Vereinbarung mit Siemens Gamesa einstimmig zugestimmt. Ob es tatsächlich zu einem Deal kommt, dürfte schon bald feststehen: Die Verhandlungen sollen bereits in einem fortgeschrittenen Stadium sein. Senvion erwartet bereits bis Ende September eine finale Entscheidung. Die finanziellen Mittel zur Sicherstellung der Betriebsfortführung bis zum Abschluss bindender Vereinbarungen lägen vor, betont das Unternehmen.

Mit der Bekanntgabe der Verhandlungen bestätigen sich die Gerüchte über ein Interesse von Siemens Gamesa an Teilen des Senvion-Geschäfts. Neben dem deutsch-spanischen Konzern wurden in den vergangenen Wochen auch die spanische Acciona, die dänische Vestas, die japanische Toshiba und der Finanzinvestor Blackstone als Interessenten gehandelt.

Senvion erzielt Einigung auf Gläubigerversammlung

Senvion-Chef Yves Rannou zeigt sich erleichtert, dass mit Siemens Gamesa ein möglicher Käufer bereitsteht: „Wir stehen kurz davor, einen sicheren Hafen für einen wesentlichen Teil des Unternehmens und seiner Mitarbeiter zu finden. Unter diesen schwierigen Umständen sind das positive Nachrichten.“

Der Verkaufsprozess von Senvion gestaltete sich in den vergangenen Monaten deutlich schwieriger als ursprünglich angenommen. Eigentlich sollte bereits Anfang Juli, zum Beginn des Insolvenzverfahrens, ein Käufer gefunden sein. Es kristallisierte sich allerdings heraus, dass Senvion als Ganzes kein Interesse bei potentiellen Käufern finden konnte. Die Kreditgeber gewährten dem Unternehmen daraufhin mehr Zeit, um die Gespräche mit den Investoren weiterführen zu können.

Eine wichtige Hürde auf dem Weg zum Verkauf der Geschäftsteile hatte Senvion erst vergangene Woche genommen. Nach zwei Tagen intensiver Verhandlungen hatte die Gläubigerversammlung den vorgestellten Insolvenzplänen des Windturbinenbauers zugestimmt und damit den Weg für solche Transaktionen freigeräumt.

Was geschieht mit dem Rest von Senvion?

Offen bleibt noch, was mit dem Rest von Senvions Geschäft geschieht. Für die übrigen Geschäftsfelder prüfe das Unternehmen weiterhin Optionen und setze die Verhandlungen mit Investoren fort, teilte Senvion mit. Zu den Geschäftsbereichen, für die noch keine Lösung gefunden wurde, gehört das außereuropäische Service-Geschäft und das Geschäft mit Offshore-Windanlagen. Ob für Teile des europäischen Service- und Onshore-Geschäfts ebenfalls noch ein Käufer gefunden werden muss, ist unklar. In der Vereinbarung mit Siemens Gamesa ist lediglich von „ausgewählten“ Assets aus diesen Unternehmensbereichen die Rede.

Senvion beschäftigt derzeit noch 1.400 Mitarbeiter. Für 500 Mitarbeiter zeichne sich durch den geplanten Deal mit Siemens Gamesa die Übernahme durch einen Investor ab, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, laut einem Bericht der dpa. Für die 900 weiteren Beschäftigten gibt es demnach noch keinen Hoffnungsschimmer.

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