Die insolvente Senvion hat immer noch keinen Käufer gefunden – nun scheint der M&A-Prozess auf eine Zerschlagung hinauszulaufen.

Senvion

31.07.19
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Senvion droht die Zerschlagung

Eigentlich sollte Senvion als Ganzes verkauft werden – doch nun droht die Zerschlagung des insolventen Windanlagenbauers. Immerhin haben die Kreditgeber dem Unternehmen noch etwas mehr Zeit gewährt.

Nachdem sich die Käufersuche für den insolventen Windananlagenbauer Senvion als schwierig gestaltet, erscheint eine Zerschlagung des Unternehmens immer wahrscheinlicher. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Unternehmens hervor: Man werde „eine Überprüfung aller Geschäftsbereiche zur Sicherung des profitablen Kerngeschäfts von Senvion einleiten, um die fortgeschrittenen Gespräche mit Investoren zeitnah zum Abschluss zu bringen“, lässt sich CEO Yves Rannou zitieren.

„Für den Fall eines Scheiterns der Verkaufsbemühungen für das Gesamtunternehmen oder dessen zentralen Geschäftseinheiten wird Senvion sich auf alle Optionen vorbereiten müssen“, wird der CEO noch deutlicher. Daher werde man kurzfristig Gespräche mit den Arbeitnehmern über einen Sozialplan und Interessensausgleiche für die Mitarbeiter der Geschäftsbereiche führen, für die kein Investor gefunden werden könne.

Senvion bekommt mehr Zeit für M&A-Prozess

Ursprünglich sollte der Windanlagenbauer, der im April in die Insolvenz gerutscht ist, als Ganzes verkauft werden. Bereits bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Juli sollte ein Käufer gefunden werden, die Investmentbank Rothschild wurde mit der Suche beauftragt. Die erste Frist verstrich aber erfolglos. Und auch eine zweite Frist, die wohl bis Ende Juli lief, wurde einem Bericht zufolge schließlich aufgehoben.

Um den M&A-Prozess fortsetzen zu können, hat Senvion sich nun zumindest mehr Zeit gesichert: Der Windanlagenbauer hat sich mit seinen Kreditgebern auf eine finanzielle Unterstützung verständigt, die die Fortführung der Geschäfte bis mindestens Ende August sicherstellt. Laut einem Senvion-Sprecher handelt es sich dabei nicht um einen neuen Kredit, sondern um eine Vereinbarung darüber, dass der operative Cashflow für das operative Geschäft genutzt werden darf. 

In der aktuellen Mitteilung heißt es zudem, dass Senvion eine Finanzierung möglicherweise über Ende August hinaus sicherstellen könnte, „sofern die laufenden Gespräche mit Kreditgebern erfolgreich abgeschlossen werden können“. Dabei soll es sich laut Sprecher um Gespräche zur weiteren finanziellen Unterstützung handeln, sofern Senvion noch mehr Zeit für die Käufersuche brauche.

Will Senvion den Massekredit verlängern?

Vergangene Woche waren Gerüchte aufgekommen, dass Senvion mit seinen Geldgebern über eine Verlängerung des Massekredits über 100 Millionen Euro verhandelt. Auf diese Finanzierung hatte sich Senvion erst im April mit seinen Kreditgebern und Anleihegläubigern geeinigt, um die Geschäfte bis zum Abschluss der Käufersuche fortführen zu können. Senvion wollte diese Gerüchte auf Anfrage nicht kommentieren.

Wann das Unternehmen nun mit einem Abschluss des M&A-Prozesses rechnet, ist unklar, die Rede ist lediglich von „zeitnah“. Die Gespräche mit möglichen Käufern befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, heißt es. In Medienberichten wurden Siemens Gamesa, die spanische Acciona, die dänische Vestas, die japanische Toshiba und der Investor Blackstone als Interessenten gehandelt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Hohe Schulden, Führungswechsel, verpatzte Projekte: Der Windturbinenbauer Senvion ist pleite. Wie es dazu kam und und wie weitergeht, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Senvion.