SGL Carbon

11.05.16
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SGL Carbon: Verkaufsprozess für PP nimmt Fahrt auf

SGL Carbon will seine schwächelnde Sparte „Performance Products“ loswerden. Nun scheint alles auf einen Verkauf hinaus zu laufen: Zwei Investmentbanken sind auf der Suche nach einem Investor.

SGL Carbon macht offenbar Fortschritte bei der geplanten Abspaltung des Graphitelektrodengeschäfts:  Das SDax-Unternehmen spricht derzeit gezielt potentielle Käufer für die schwächelnde Sparte „Performance Products“ an.  Sowohl Private-Equity-Häuser als auch strategische Investoren stehen auf der Liste und haben Teaser erhalten. Das geht aus einer aktuellen Investor-Relations-Präsentation des Unternehmens hervor.

Bereits im März hatte SGL Carbon um CFO Michael Majerus mitgeteilt, zwei Investmentbanken mit dem M&A-Prozess betraut zu haben. Wie FINANCE jetzt erfuhr, handelt es sich dabei um die HSBC und die Deutsche Bank. In vier bis sechs Wochen soll es Neuigkeiten zum M&A-Prozess geben, wie aus dem Unternehmensumfeld zu hören ist. Ein Käufer wird so schnell allerdings wohl noch nicht präsentiert werden können, allerdings ist mit einer Einengung des M&A-Prozesses auf wenige ausgewählte Kaufinteressenten zu rechnen.

SGL Carbon treibt Zerschlagung voran

Im vergangenen Juli hatte SGL Carbon angekündigt, das ehemalige Kerngeschäft, das immer noch für knapp die Hälfte des Konzernumsatzes steht, bis Ende 2016 rechtlich verselbstständigen zu wollen. Im November drückten die Wiesbadener dann auf das Tempo, um die Sparte schon bis Mitte dieses Jahres auf eigene Beine zu stellen. Zuletzt verschärfte CFO Majerus auch den Sparkurs und schloss den Standort in Frankfurt-Griesheim, um das Kostenniveau der Sparte zu senken und die Auslastung der anderen Werke zu verbessern.

Dass das SDax-Unternehmen die Zerschlagung beschleunigt, hat wirtschaftliche Gründe: Das Geschäft mit Graphitelektroden schrumpft wegen der fallenden Stahlpreise immer schneller. Die jüngste Erholung der Stahlpreise dürfte dem Geschäft kurzfristig kaum helfen, da der Preisanstieg nicht ausreicht, damit die Stahlindustrie ihren Ausstoß erhöht und neue Kapazitäten schafft. Das einstige Stammgeschäft  ist damit zum Bremsklotz für die ehemalige Hoechst-Tochter geworden, dessen Bonität die Ratingagenturen Moody’s und S&P mit B2 und B jeweils tief im spekulativen Bereich sehen.

IPO von SGL-Sparte PP scheint ausgeschlossen

Die Zeit drängt also, aber SGL Carbon liegt nach eigenen Angaben gut im Zeitplan für die Abspaltung: Die rechtliche und organisatorische Struktur des neuen Teilkonzerns steht seit Februar. Vor zwei Monaten erfolgte dann die Einigung mit den Arbeitnehmervertretern, um die betroffenen 1.900  Mitarbeiter in die neue Gesellschaft zu überführen.

Die rechtliche Verselbstständigung ist die Voraussetzung für den nun angestoßenen Verkaufsprozess. Ein IPO oder die Fortführung unter dem eigenen Dach – beides hat das SGL-Management offiziell noch nicht ausgeschlossen – scheinen dagegen immer unwahrscheinlicher.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de