Knorr-Bremse

16.08.17
Deals

Showdown für Knorr-Bremse bei Haldex

Bei der morgigen Hauptversammlung von Haldex geht es für Knorr-Bremse um alles: Wahren die Münchener die Chance, den schwedischen LKW-Zulieferer zu übernehmen? Ausgerechnet ihr ärgster Widersacher hält die Fäden in der Hand.

Am morgigen Donnerstag kommt es zum Showdown in Stockholm: Dann entscheiden die Haldex-Aktionäre, ob Knorr-Bremse überhaupt weiter darauf hoffen darf, den schwedischen LKW-Zulieferer übernehmen zu können. Wenden sich die Anteilseigner von den Münchenern ab, ist der Deal so gut wie geplatzt – ein Horror-Szenario für Knorr-Bremse.

Dass es morgen überhaupt zu dieser Situation kommt, liegt daran, dass dem Familienunternehmen die Zeit davon läuft. Am 26. September endet die Angebotsfrist für die Übernahme, und den Münchenern, denen bisher 71,2 Prozent angedient worden sind, fehlen noch immer die nötigen Kartellfreigaben der EU-Kommission. Deshalb will das Unternehmen von Eigentümer Heinz-Hermann Thiele eine abermalige Verlängerung der Angebotsfrist erwirken. Die Haldex-Eigner stimmen morgen darüber ab, ob sie das ebenfalls wollen.

Verhärtete Fronten zwischen Haldex und Knorr-Bremse

Auf der morgigen HV stehen sich Knorr-Bremse und das Haldex-Management erstmals frontal gegenüber. Die Schweden standen der Offerte der Münchener ohnehin stets skeptisch gegenüber, fügten sich dann aber dem Votum ihrer Aktionäre, die sich im Dezember vergangenen Jahres für die Offerte von Knorr-Bremse und gegen das niedrigere Angebot von ZF Friedrichshafen entschieden. 

Ende Juni zogen die Haldex-Manager ihre Unterstützung für den Deal aber zurück, weil der monatelange Schwebezustand das operative Geschäft belaste, wie sie zur Begründung sagten. Bereits im April hatte die schwedische Börsenaufsicht Knorr-Bremse eine Fristverlängerung um zwei Monate gewährt. Jetzt steht der 9. Februar 2018 im Raum.

In der vergangenen Woche hatte der scheidende Knorr-Bremse-CFO Lorenz Zwingmann aber einen kleinen Etappensieg errungen: Das Haldex-Management wollte, dass die Börsenaufsicht bereits vor der morgigen Hauptversammlung über den Verlängerungsantrag von Knorr-Bremse entscheidet. Das lehnte die Behörde jedoch ab. Aber es ist klar: Nur wenn die Haldex-Aktionäre auch für eine Fristverlängerung sind, dürfte die Börsenaufsicht ein weiteres Mal an der Uhr drehen.

ZF Friedrichshafen hat Knorr-Bremse in der Hand

Pikant: Ausgerechnet der größte Konkurrent von Knorr-Bremse, die im Bieterkampf unterlegene ZF Friedrichshafen, entscheidet auf der morgigen HV alles. Denn das Stiftungsunternehmen hält seit dem gescheiterten Übernahmeversuch im vergangenen Oktober 20 Prozent der Haldex-Aktien. Damit stellt ZF morgen voraussichtlich mehr als die Hälfte der anwesenden, stimmberechtigten Anteilsscheine.

Laut Haldex wurden zwar 53 Prozent der Aktien zur Abstimmung registriert. Davon hält jedoch Knorr-Bremse 14,92 Prozent. Aus rechtlichen Gründen dürfen die Münchener nicht abstimmen. Damit bleiben nur rund 38 Prozent, darunter der Anteil von ZF. Die Deadline für die Registrierung ist am Montag ausgelaufen.

Wagt ZF ein Comeback bei Haldex?

Wie ZF Friedrichshafen abstimmen wird, wollte das Unternehmen auf Nachfrage von FINANCE nicht kommentieren. Zuletzt waren widersprüchliche Signale vom Bodensee gekommen. Einerseits hieß es, man werde an Knorr-Bremse verkaufen, wenn das möglich sei. Andererseits betonte der Automobilzulieferer, man halte das Vorgehen des Haldex-Managements für verantwortungsvoll.

Morgen wird man erfahren, auf wessen Seite sich ZF schlagen wird. Selbst ein Comeback des Stiftungskonzerns als Bieter scheint nicht ausgeschlossen: Möglich wäre, dass ZF erneut für Haldex bietet und das Gebot von 120 Kronen je Aktie reaktiviert. ZF hat – anders als Knorr-Bremse – nach eigenen Angaben bereits alle Freigaben der Kartellbehörden in der Tasche.

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