Siemens und Alstom wollen ihre Zugsparten fusionieren. Doch der Deal verzögert sich immer weiter nach hinten.

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12.12.18
Deals

Siemens und Alstom machen nur kleine Zugeständnisse

Um die Bedenken der EU-Kommission über die Fusion zum zweitgrößten Eisenbahnkonzern der Welt aus dem Weg zu räumen, machen Siemens und Alstom Zugeständnisse. Sehr weitreichend sind diese aber nicht.

Siemens und Alstom gehen bei der geplanten Fusion der Siemens-Zugsparte mit dem französischen TGV-Hersteller einen Schritt auf die Kartellbehörden zu. Die beiden Unternehmen haben der EU-Kommission ein Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem sie kartellrechtliche Bedenken zerstreuen wollen. Ursprünglich wollte Brüssel schon im November über den Deal entscheiden, hatte dies aber im Sommer auf Anfang kommenden Jahres verschoben.

Den Deal, bei dem Siemens seine Zugsparte in den Alstom-Konzern einbringt und im Gegenzug 50,5 Prozent der Anteile am französischen TGV-Hersteller erhält, hatten die beiden Unternehmen bereits vor über einem Jahr angekündigt.    

Die von Siemens und Alstom nun vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen in erster Linie den Bereich Signaltechnik, in dem beide Unternehmen hohe Marktanteile haben, aber auch Schienenfahrzeuge, heißt es in einer Siemens-Mitteilung. Insgesamt handelt es sich dabei um 4 Prozent des Umsatzes des künftigen Unternehmens, was rund einer halben Milliarde Euro entsprechen würde. Dabei könnte es sich nicht um Verkäufe von Firmenanteilen, sondern eher um die Vergabe von Lizenzen an Konkurrenten handeln, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. 

Reichen die Siemens-Alstom-Zugeständnisse aus?

Ob diese – gemessen am Umsatz nicht allzu großen – Zugeständnisse den Kartellbehörden reichen, ist fraglich. Der fusionierte Konzern könnte laut dem ursprünglich vorgelegten Plan bei der Signaltechnik und den Hochgeschwindigkeitszügen auf einen Marktanteil kommen, der den des nächstgrößeren Konkurrenten um das Dreifache übersteigen würde. Damit hätte Siemens Alstom ein Quasi-Monopol in Europa. Um solche starken Marktstellungen zu beseitigen, könnte die Kommission Verkäufe vorziehen.

Auch Siemens selbst lässt durchblicken, dass die Zugeständnisse möglicherweise nicht weit genug gehen: „Die Parteien sind der Auffassung, dass das vorgeschlagene Zusagenpaket angemessen ist. Es gibt jedoch keine Gewähr dafür, dass der Inhalt dieses Pakets ausreicht, um die Bedenken der Kommission auszuräumen“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Siemens-Alstom-Fusion ist wichtig für den Umbau

Aber ob die beiden Parteien den Kartellbehörden noch weiter entgegenkommen, ist fraglich. Sie betonen, dass sie mit diesem Maßnahmenpaket „den wirtschaftlichen Wert dieser Transaktion wahren“. Gleichzeitig ist der Deal für Siemens-Chef Joe Kaeser von großer Wichtigkeit, schließlich ist er ein wichtiges Puzzleteil bei dem großen Umbau des Industriekonzerns. Kaeser will Siemens mit der neuen Strategie „Vision 2020+“, die er im Sommer verkündet hat, stärker in Richtung Holding entwickeln und die einzelnen Bereiche eigenständiger machen.

Dass sich die Siemens-Alstom-Fusion nun schon seit Monaten hinzieht, dürfte Kaeser auf eine Geduldsprobe stellen. Ein reibungsloser Zusammenschluss galt im Markt als wichtige Voraussetzung, um die ohnehin schon ambitionierten Synergieeffekte zu erreichen: Vier Jahre nach dem Deal erhoffen sich die Unternehmen jährliche Verbundeffekte von 470 Millionen Euro. Die Kommission will nun bis zum 18. Februar 2019 über die Fusion entscheiden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de