Jirapong Manustrong/iStock/Getty Images Plus

09.01.19
Deals

So lief das M&A-Jahr 2018

Ein zunehmender Protektionismus und politische Unsicherheiten erschwerten 2018 die M&A-Deals, die Transaktionsanzahl ging deutlich zurück. Doch einige Megadeals kompensierten den Rückgang.

Der deutsche M&A-Markt war 2018 geprägt von wenigen, aber dafür spektakulären Deals. Diesen Eindruck belegen auch die Daten der Investmentbank JP Morgan. Demnach gab es im vergangenen Jahr insgesamt 461 Fusionen und Übernahmen. Im Vergleich zu 2017 sind dies zwar 174 Deals weniger, jedoch konnten einige Megadeals die gesunkene Deal-Zahl mehr als kompensieren: Mit einem kombinierten Volumen von 257 Milliarden US-Dollar investierten deutsche Unternehmen rund 76 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr – ein Anstieg um 42 Prozent.

Das Plus war allerdings ganz maßgeblich von nur einem einzigen Deal geprägt: Im Sommer stemmte Bayer die bis dato größte Transaktion eines deutschen Unternehmens überhaupt. Die Leverkusener übernahmen den US-Saatguthersteller Monsanto für umgerechnet 66 Milliarden US-Dollar.

„Im internationalen Vergleich hat das deutsche Geschäft besonders stark angezogen“, erläutert Christoph Seidel, Head of M&A bei JP Morgan in Deutschland und Österreich. Der Investmentbank zufolge konnte das internationale M&A-Geschäft ein Wachstum von 21 Prozent zum Vorjahr verzeichnen.

„Im internationalen Vergleich hat das deutsche Geschäft besonders stark angezogen.“

Christoph Seidel, Head of M&A bei JP Morgan

Konzerne stoßen ihre Randaktivitäten ab

M&A-Experte Seidel glaubt einen Hauptgrund für die letztjährige Deal-Aktivität ausgemacht zu haben. „Spin-offs und Carve-outs waren einer der zentralen Treiber des M&A-Geschäfts“, erklärt er. Dabei würden insbesondere deutsche Großkonzerne sich verstärkt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und Randaktivitäten ausgliedern oder verkaufen.

Diese Vorgehensweise wählten im vergangenen Jahr eine ganze Reihe namhafter Unternehmen, darunter BASF, RWE und Siemens. Sie alle bauen ihre Konzernstrukturen um und stoßen Geschäftsteile ab.

Besonders hohe Aufmerksamkeit erfuhr dabei der angekündigte Verkauf der früheren RWE-Tochter Innogy an den Konkurrenten E.on. 2016 hatte RWE Innogy ausgegliedert, hielt aber nach wie vor die Mehrheit der Anteile. Im März 2018 kündigten die Konzerne dann den 54 Milliarden Dollar schwere Verkauf der Innogy-Energienetze an E.on an. RWE wiederum, die im Gegenzug eine Beteiligung am Wettbewerber erhalten wird, will das Geschäft mit Erneuerbaren Energien zurücknehmen. 

Deals dauern länger und werden komplizierter

Unternehmen stießen bei ihren M&A-Aktivitäten jedoch auch auf einige Hindernisse. Politische Unsicherheiten und die zunehmende Abschottung einzelner Staaten erschwerten vor allem grenzüberschreitende Übernahmen. „Der gestiegene Protektionismus sorgte dafür, dass es 2018 weniger große Deals gab“, erklärt Seidel. Dabei war es vor allem der Bayer-Monsanto-Deal gewesen, der den Markt getragen habe. Den Daten von JP Morgen zufolge machten Transaktionen mit einem Volumen von weniger als 500 Millionen Euro den Großteil der Deals des vergangenen Jahres aus. Von insgesamt 461 Übernahmen und Fusionen waren 402 unter 500 Millionen Euro.

„Seit Anfang 2017 gab es 16 internationale Deals, die länger als ein Jahr bis zum Closing gedauert haben.“

Christoph Seidel, Head of M&A, JP Morgan

Die gestiegene Abschottung gepaart mit komplexeren Kartellverfahren spiegeln sich auch in der Zeitspanne von Transaktionen wider. „Seit Anfang 2017 gab es 16 internationale Deals, bei denen es bis zum Closing länger als ein Jahr gedauert hat“, bemerkt Seidel. Davon betroffen war auch der Bayer-Monsanto-Deal, der erst Mitte des Jahres nach langwierigen internationalen Kartellverfahren abgeschlossen werden konnte. 745 Tage dauerte es von der ersten Ankündigung bis zum Vollzug.

Ähnlich erging es dem Industriegaseproduzenten Linde bei seiner Megafusion mit dem US-Wettbewerber Praxair. 671 Tage mussten die Konzerne um die Freigabe ihres Deals zittern. Seidel zufolge werden die immer längeren Zeitspannen zwischen Ankündigung und Closing sich auch auf die M&A-Aktivität auswirken: „Von diesen ganz großen Transaktionen werden wir vorerst weniger sehen“, prognostiziert er.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de