So lief die Dealsourcing 2026

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Auf der Dealsourcing trafen sich dieses Jahr rund 1.200 M&A-Profis in Oberursel. Foto: FINANCE Think Tank / Targecy GmbH.
Auf der Dealsourcing trafen sich dieses Jahr rund 1.200 M&A-Profis in Oberursel. Foto: FINANCE Think Tank / Targecy GmbH.

Beim Check-in um halb neun Uhr morgens tummeln sich hunderte M&A-Berater, Anwälte und Private-Equity-Manager vor dem Dorint Hotel in Oberursel. Die Spätsommersonne taucht das Luxushotel in ein helles Licht. Lockere Gespräche, leichtes Gelächter, heißer Kaffee, schnelle Business-Calls – die Luft knistert vor Vorfreude auf das M&A-Event des Jahres. Dann geht es hinein ins Hotel und hinunter in den großen Konferenzsaal. 

An diesem 15. September begrüßen Iris Behrens und Bastian Frien vom FINANCE Think Tank die Entscheiderinnen und Entscheider. Mit einem Augenzwinkern laden die beiden zum „anstrengendsten Tag des Jahres“ ein. Wer schon einmal dabei war, weiß: Dahinter steckt mehr Wahrheit, als die idyllische Anfahrt in den Taunus vermuten lässt. Schließlich wird hier jeder viele neue Kontakte knüpfen – auch dank des etablierten Speeddating-Formats, das Bestandteil jedes Workshops ist. 

Beziehungsstatus: kompliziert 

Die Präsentationen zur Eröffnung zeigen: Der deutsche M&A-Markt ist zwar mit Rekordzahlen ins erste Quartal gestartet. Allerdings wurden diese vor allem von wenigen großen Deals getragen. Dann kam der Triple-Schock: Irankrieg, Ölpreisanstieg und Zinsanstieg. Und schon wich Anfangseuphorie der Unsicherheit. Der Markt dahinter wurde eher als „zäh“ bezeichnet. Auf Facebook hätte man dazu früher geschrieben: „Der Beziehungsstatus ist kompliziert“. 

Auch dieses Jahr mussten sich die rund 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was ein neuer Besucherrekord ist, wieder entscheiden zwischen unzähligen Panels zu Buy and Build, Restrukturierung, Value Creation, LBO, Software-meets-Defence, Mergers & „AI-kquisition“, NPL-Backstop, Carve-outs, Transformation und Cash-Management – um nur die Panels des 11-Uhr-Slots zu nennen. Es folgten weitere Workshops zu M&A- und PE-Themen in den Räumen des vierstöckigen Hotels.

In den Panels zog sich ein Thema durch fast alle Diskussionen: Der Markt ist nicht tot, aber extrem selektiv. Strategische Käufer suchen weiterhin hochqualitative, profitable Assets und sind dafür auch bereit, hohe Prämien zu zahlen. Private Equity hingegen steht stärker unter Druck: weniger Leverage, schwierige Exits und ein größerer Fokus auf operativer Wertsteigerung statt Financial Engineering. Zusammenfassen lässt sich das unter dem Satz: „12 is the new 5“ – ein Ebitda-Wachstum von 12 Prozent sei nötig, denn Multiplearbitrage funktioniere nicht mehr. 

Auch bei Restrukturierungen wird das Umfeld anspruchsvoller. Die Fälle nehmen zu, die Schäden werden größer, und gleichzeitig sitzen immer mehr Parteien mit unterschiedlichen Interessen am Tisch. Das macht Lösungen langsamer und komplizierter. Im Finanzierungspanel war der Tenor ähnlich: Banken und Kreditgeber agieren selektiv und unter regulatorischem Druck. Trotzdem gilt: Für gut vorbereitete, transparente Vorhaben ist weiterhin viel Kapital vorhanden. 

Austausch zu Deals und Demokratie 

Zwischen all dem inhaltlichen Input, den Panels, Workshops und den vielen neuen Face-to-Face-Kontakten bleibt auf der Terrasse bei Eis und Kaffee auch Zeit zum Durchatmen. Gerade diese Mischung aus intensiven Fachdebatten und persönlichen Gesprächen macht den Reiz der Veranstaltung aus – eben nicht nur ein neuer Linkedin-Kontakt, bei dem man sich später womöglich nie wieder meldet. 

Der Abend wurde abgerundet mit einem Gespräch der US-Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook mit Co-Gastgeber Frien. Unter dem Titel „Ist die Demokratie in den USA noch zu retten?“ zeichnete Ashbrook das Bild von einer Volkswirtschaft, die sich auf dem Weg von der Demokratie zur Autokratie befindet. Der Blick ging aber zurück nach Deutschland: Denn auch hier seien mit dem Aufstieg der AfD autokratische Tendenzen en vogue. Der Appell: Den Schutz unserer Demokratie müssen wir selbst in die Hand nehmen. 

Bevor sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich in alle Himmelsrichtungen verabschieden, wird beim gemütlichen Barbecue noch einmal über die Themen des Tages diskutiert. Und wer weiß: Vielleicht hat manch einer dort schon den Partner für den nächsten großen Deal gefunden.