Am 16. September war es wieder so weit und die Corporate-Finance-Community traf sich in Oberursel zur DEALSOURCING 2025. In über 60 Workshops wurde über alles gesprochen, was die Community in Sachen Restrukturierungen, Private-Equity und M&A-Markt sowie Finanzierungen bewegt.
Den Start in den Tag läuteten traditionell die Gründer des FINANCE Think Tank, Iris Behrens und Bastian Frien, ein. Mit der Erinnerung an das Motto des Events „Sprich mit keinem, den Du schon kennst“, hießen die beiden die über 1.000 Teilnehmer willkommen.
Restrukturierungen werden komplexer
In der ersten Session des Eröffnungsplenums ging es um die Frage „Erdrücken uns die Sanierungsfälle?“. Die Diskussion zwischen Sebastian Bretag (Keyplayer Interim Management), Britta Hübner (Hübner Management) und Sven Prüfer (A&O Shearman) machte deutlich, dass Insolvenzen seit zwei Jahren zunehmen. Der Anstieg ist jedoch weniger abrupt, vielmehr handelt es sich um eine kontinuierliche Belastung. Auffällig: Die Fälle, die auf den Tischen der Restrukturierungsexperten landen, werden zunehmend komplexer.
Schwieriges Umfeld bietet Chancen auf dem M&A-Markt
Weiter ging es mit einem Einblick in den Corporate-M&A-Markt. Kai Hesselmann (Dealcircle) und Tereza Scheffel (Schott) diskutierten darüber, ob Akteure in dem im Moment unsicheren Umfeld für M&A-Transaktionen lieber handeln oder abwarten sollten.
Der Tenor: Das Deal-Umfeld ist nach Krisen, ausgelöst etwa durch den Ukraine-Krieg oder die Zollpolitik von Donald Trump zwar schwierig, aber für Finanzinvestoren bietet sich gerade jetzt die Möglichkeit, zu guten Preisen einzukaufen. Denn wenn sich die Stimmung am Markt verbessert, kann das auch die Preise wieder in die Höhe treiben.
Ein weiterer Punkt, in dem sich die Panelisten einig sind: Unternehmen und Finanzinvestoren, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und eine klare Equity Story erzählen können, können die derzeitige Situation am Markt für sich ausnutzen.
Private Equity muss sich transformieren
Session Nummer drei stand ganz im Zeichen von Private Equity. Ervin Schellenberg (Investec Advisory) und Matthias Weidner (DPE Deutsche Private Equity) diskutierten darüber, was Finanzinvestoren derzeit bewegt. Wie nahezu alle Bereiche der Wirtschaft ist auch der PE-Markt angespannt. Viele Investoren stehen deshalb derzeit vor der Aufgabe, die Geschäftsmodelle ihrer Portfoliounternehmen umzubauen.
Dennoch waren sich die Referenten sicher, dass Private Equity auch in Zukunft weiterhin gute Geschäfte machen wird – aber nur, wenn es den Finanzinvestoren gelingt, ihre eigene Transformation von Generalisten zu Branchenspezialisten zu meistern.
Hybride Finanzierungsmodelle sind die Zukunft
Das letzte Panel des Eröffnungsplenums stellte abschließend die Frage, welche Deals heute überhaupt noch finanzierbar sind. Bernhard Fiedler (Norton Rose Fulbright), Carina Spitzkopf (Partners Group) und Oliver Wolter (SMBC Bank EU) berichteten darüber, dass das Finanzierungsumfeld zwar herausfordernd ist, aber nicht unüberwindbar.
Während Banken bei bestimmten Branchen – insbesondere Automotive – zunehmend zurückhaltend sind, gewinnen Private-Debt-Fonds weiter an Bedeutung. Sie sind schnell und flexibel, allerdings zu höheren Kosten. Häuser mit hybriden Finanzierungsmodellen, die die Vorteile beider Seiten vereinen, könnten sich langfristig durchsetzen. Insgesamt zeichnet sich ab, dass sich Finanzierungen zwar verteuert haben, Darlehensgeber aber mit neuen Strukturen und Partnern auf die geänderten Rahmenbedingungen reagieren.
Im Anschluss an das Eröffnungspanel ging es in die Workshops. In insgesamt neun parallel laufenden Workshops und sechs Sessions über den Tag verteilt konnten die Teilnehmer tiefer in Themen wie Value Creation, ESG und Transformation einsteigen sowie sich zu aktuellen Deal– und Finanzierungstrends informieren. Neu war in diesem Jahr der Dealtech Dome als Workshop-Location. Die Panels, die dort stattfanden, standen ganz im Zeichen von Technik und KI.
On-Stage-Interview mit Christian Badia
Das Highlight des Tages war auch in diesem Jahr wieder die Abendveranstaltung. Auf der Bühne interviewte Bastian Frien den Vier-Sterne-General Christian Badia. Europa und Deutschland stehen vor der Aufgabe, ihre Verteidigungsfähigkeit grundlegend neu zu denken. Denn „more of the same“ ist keine Lösung, vielmehr braucht es Mut zur Modernisierung, vor allem in Feldern wie Cyber, Weltraum und Quantentechnologie.
Genau hier können Finanzinvestoren eine wichtige Rolle spielen. Investitionen in sogenannte „Dual-Use-Technologien“ wie Drohnen oder Cybersicherheitsanwendungen sind für Investoren höchst interessant und haben das Potential, Europas Verteidigungsfähigkeit zu stärken.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
