Die geplante Übernahme von Swisslog ist Teil von Kukas Strategie, sich vom Automobilmarkt unabhängiger zu machen.

Kuka

26.09.14
Deals

Swisslog: Kuka plant großen M&A-Deal

Der Augsburger Roboterbauer Kuka plant mit der Übernahme der Schweizer Swisslog, einem Anbieter für Automatisierungslösungen in der Logistikbranche, die größte Transaktion seit Jahren – und will sich damit weiter von der Automobilbranche emanzipieren. Leisten kann sich Kuka den hoch bewerteten M&A-Deal wieder.

Kuka will in die Logistik expandieren und den Schweizer Logistikautomatisierer Swisslog kaufen. Dazu macht Kuka den Swisslog-Aktionären ein öffentliches Kaufangebot und bietet 1,35 Schweizer Franken (1,12 Euro) je Aktie an – das entspricht einer Prämie von 8,9 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 24. September 2014 und von 15,4 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs der vergangenen 60 Tage. Das Kaufangebot steht ab dem 21. Oktober für 20 Handelstage offen, der Verwaltungsrat von Swisslog wird die Annahme des Angebots empfehlen.

Das Angebot entspricht damit einem Kaufpreis von 338 Millionen Schweizer Franken (rund 280 Millionen Euro) für das Eigenkapital und einem Firmenwert (Enterprise Value) von 353 Millionen Schweizer Franken (rund 292 Millionen Euro), einschließlich der Nettoliquidität und der Pensionsverbindlichkeiten. Swisslog beschäftigt 2.300 Mitarbeiter und hat im vergangenen Geschäftsjahr rund 523 Millionen Euro umgesetzt. Bei einem Ebitda von rund 25 Millionen Euro errechnet sich ein Ebitda-Multiple von 14,1x. Auf Ebit-Basis liegt der Multiplikator für die Logistik-Branche derzeit bei 9,4x, wie aus den FINANCE-Multiples hervorgeht.

Kuka: Bilanz lässt Transaktion zu

Finanzieren will Kuka den Deal weitgehend mit bestehenden Barmitteln. Zum 30. Juni weist die Bilanz Zahlungsmittel von rund 270 Millionen Euro aus. Die Eigenkapitalquote lag zum Stichtag bei 27 Prozent. Weitere Mittel will sich Kuka im Erfolgsfall aus einer Kapitalerhöhung beschaffen, die Berenberg begleiten soll. Voraussichtlich 80 Millionen Euro will das Unternehmen aus genehmigtem Kapital erlösen. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte Kuka mit 8.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro um.

Durch den Zusammenschluss beider Unternehmen wolle man Synergieeffekte in Höhe von 8,3 Millionen Euro heben, sagte der CEO Till Reuter in einer kurz nach der Ankündigung anberaumten Telefonkonferenz. Ein Stellenabbau könne aber nicht ausgeschlossen werden.

Kuka knüpft sein Angebot freilich an die Bedingung, dass mindestens zwei Drittel aller Swisslog-Aktien angedient werden. Mit dem M&A-Deal will sich das Unternehmen zunehmend vom volatilen Automobilmarkt emanzipieren, mit dem der Roboterbauer in die Krise gerutscht war. Unter dem mit CEO Till Reuter und CFO Peter Mohnen neu besetzten Management hat sich Kuka schon durch mehrere Zukäufe deutlich breiter aufgestellt und beliefert auch die Medizintechnik oder die Solarindustrie.

Durch die vorzeitige Ablösung der Hochzinsanleihe im Januar schloss CFO Mohnen auch die Refinanzierung ab. Mit der Übernahme von Swisslog, die Automatisierungslösungen für Lager- und Verteilerzentren anbietet, käme eine zusätzliche Branche hinzu.

julia.becker[at]finance-magazin.de