Weniger Außenwerbung, mehr Onlinewerbung: Ströer schlägt erneut am M&A-Markt zu.

Ströer

13.08.15
Deals

Telekom bewertet Ströer bei M&A-Deal mit bis zu 20x Ebitda

Ströer übernimmt das Internetportal T-Online und den Onlinevermarkter Interactive Media von der Telekom. Die Telekom lässt sich in Aktien bezahlen – und bewertet das Familienunternehmen enorm hoch.

Der Werbevermarkter Ströer wächst seit zwei Jahren aggressiv im Online-Bereich. Jetzt übernimmt das Unternehmen die Telekom-Töchter T-Online und Interactive Media. Ströer bezahlt die Zukäufe mit Aktien. „Die Transaktion markiert den Beginn einer neuen Ära für unser Unternehmen“, kommentiert Ströer-CEO und Gründer Udo Müller den Deal. Die Aktionäre sind ebenfalls überzeugt: Der Aktienkurs von Ströer verzeichnete heute Vormittag ein Plus von 11 Prozent auf 49,20 Euro.

Telekom bewertet Ströer mit bis 20x Ebitda

Der Kaufpreis für die beiden Portale beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro und wird von Ströer in neuen Aktien gezahlt: Die Deutsche Telekom steigt im Zuge einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage mit 11 bis 13 Prozent bei Ströer ein – die exakte Höhe der Beteiligung ist abhängig vom Aktienkurs.

FINANCE-Berechnungen zufolge bewertet die Telekom den Enterprise Value von Ströer damit mit 2,6 bis 3 Milliarden Euro. Bei einem Ebitda von 148,1 Millionen Euro, das das SDax-Unternehmen 2014 erwirtschaftete, errechnet sich daraus ein Ebitda-Multiple von 17,5x bis 20x. Auf Ebit-Basis ergeben sich Multiples von 26x bis 30x.

Das ist selbst für den Medien- und Telekommunikationsbereich viel: In der Branche sind laut FINANCE-Multiples  derzeit Ebit-Vielfache von 15x bis 16x üblich.

Ströer erhöht Guidance und stellt hohe Dividende in Aussicht

Die Telekom, die bei der Transaktion von BNP Paribas, Noerr, Hogan Lovells und Gleiss Lutz beraten wurde, sucht bereits seit Ende 2014 einen Käufer für T-Online. Im Konzern sahen die Bonner für das Portal mit einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro und einem Gewinn von zehn bis 20 Millionen Euro keine Wachstumschancen. Axel Springer soll kürzlich aber abgewunken haben.

Durch den Verkauf an Ströer, die von Freshfields Bruckhaus Deringer und EY beraten wurden, könnten nicht nur die Potentiale besser genutzt und Synergien mit anderen Bereichen gehoben werden, erklären beide Parteien. Die Telekom, die bereits seit längerem nach neuen Wachstumsfeldern außerhalb des stagnierenden Kerngeschäfts sucht, verspricht sich damit auch am Wachstumspotential von Ströer teilzuhaben.

Die Hoffnungen scheinen berechtigt: Das SDax-Unternehmen hat im Zuge der Übernahme seine Guidance erhöht und stellt den Aktionären, zu denen dann auch die Telekom gehören wird, höhere Dividenden in Aussicht. Für 2016 rechnet CFO Bernd Metzner jetzt mit rund einer Milliarden Euro Umsatz (720 Mio. in 2014) bei einer Ebitda-Marge von 23 bis 24 Prozent (13 Prozent in 2014). „Gleichzeitig erwarten wir in der Digitalsparte ein starkes Wachstum des Operational Ebitda auf einen dreistelligen Millionenbetrag“, sagt Ströer-CEO Müller.

Neue Rechtsform gibt Ströer Flexibilität für weitere M&A-Deals

Der Gründer des Werbevermarkters wird für den Deal allerdings eine Verwässerung seiner Anteile hinnehmen müssen: Müller hält derzeit noch 24,22 Prozent der Anteile, Aufsichtsratschef Dirk Ströer 29,9 Prozent. Die Beiden werden gemeinsam zwar auch nach der Kapitalerhöhung weiterhin die Mehrheit am Unternehmen halten, dennoch schlägt Ströer den Aktionären die Umwandlung der Rechtsform von einer SE in eine KGaA vor. Hier sind Stimmrechte nicht an die Höhe der Kapitalbeteiligung gekoppelt.

Mit diesem Kniff will der Werbevermarkter den Einfluss der Familie sichern und gleichzeitig die Aktie auch künftig als Akquisitionswährung einsetzen können. Auch der derzeit stark am M&A-Markt vertretene Medienkonzern Axel Springer hat diese Option kürzlich gewählt, um den Erben um Friede Springer die Macht zu erhalten.

Es scheint daher nur eine Frage der Zeit, bis Ströer-CFO Metzner erneut am M&A-Markt zuschlägt.

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