Der Handelskonzern Metro muss sich auf einen neuen Großaktionär einstellen: EP Global Commerce um die Geschäftsmänner Patrik Tkáč und Daniel Křetínský wollen sich bis zu 31,5 Prozent der Aktien sichern – zunächst.

Metro

27.08.18
Deals

Tscheche will größter Metro-Aktionär werden

Ein tschechischer Milliardär will sich mit einem Geschäftspartner über 30 Prozent an der Metro sichern. Die Metro-Anleger spekulieren schon auf ein Übernahmeangebot. Dem Konzern dürften unruhige Monate ins Haus stehen.

Der Großhandelskonzern Metro muss sich auf einen neuen Großaktionär einstellen. Das Investmentvehikel EP Global Commerce (EPGC) hat Vereinbarungen getroffen und führt Verhandlungen, die dem Unternehmen knapp ein Drittel der Aktien an dem Konzern zusichern würden.

Hinter EPCG steht der slovakische Geschäftsmann Patrik Tkáč und tschechische Investor Daniel Křetínský. Der Slovake Tkáč ist Mitbegründer und Miteigentümer der J&T Unternehmensgruppe, einem internationalen Finanz- und Private-Banking-Dienstleister und Investorengruppe, die überwiegend in der Tschechischen Republik und in der Slowakei tätig ist. Křetínský ist kontrollierender Gesellschafter, Vorsitzender und CEO des Energiekonzerns Energeticky.

Metro: Haniel will 22,5-Prozent-Anteil verkaufen

Die beiden Unternehmer streben bei Metro nun an die Macht und befinden sich in Verhandlungen mit zwei Großaktionären. Zum einen hat das Familienunternehmen Haniel beschlossen, sich nach 50 Jahren von seinem Anteil an der Metro zu trennen, und diesen an EPCG zu verkaufen. Zunächst verkauft Haniel einer Mitteilung zufolge 7,3 Prozent der ausgegebenen Stammaktien an der Metro AG. Zudem könne EPCG über eine Call-Option bis zu 15,2 Prozent weiterer Aktien erwerben.

Diese Stückelung des Aktienkaufs ist seitens EPCG gewünscht: „Im Hinblick auf unsere Call-Option auf die zweite Tranche der Beteiligung der Haniel-Gruppe an der Metro AG wollen wir die Laufzeit der Call-Option nutzen, um unsere Überzeugung zu bestätigen, dass wir als Aktionäre eine positive Rolle für das Unternehmen spielen und seine zukünftige Entwicklung richtig unterstützen können“, lässt sich Investor Křetínský zu dem Anteilskauf zitieren.

Das bedeutet: EPCG will zunächst abklopfen, wie viel Widerstand seitens des Metro-Managements und -Aufsichtsrats zu erwarten ist, ehe der neue Großaktionär mehr Geld investiert. „Vorbehaltlich bestätigender Ergebnisse beabsichtigen wir, die Call-Option auszuüben“, heißt es weiter.

Einen Kaufpreis wollen die Unternehmen nicht nennen. Der Gesamtwert der Haniel-Beteiligung kam vor der Deal-Ankündigung auf einen Börsenwert von fast 1 Milliarde Euro.

Auch Ceconomy prüft Metro-Beteiligung

Zum anderen hat am heutigen Montagmorgen ein weiterer Metro-Großaktionär verkündet, einen Verkauf seiner Beteiligung zu prüfen: Ceconomy. Die Media-Markt-Saturn-Mutter ist vor anderthalb Jahren aus dem Metro-Konzern hervorgegangen und noch mit rund 10 Prozent beteiligt. Das Paket hatte Ende vergangener Woche einen Börsenwert von 400 Millionen Euro.

Ceconomy sei hinsichtlich einer möglichen Veräußerung ihrer Metro-Beteiligung „in Gesprächen mit der durch Daniel Křetínský vertretenen EP Investment“, heißt es in einer Mitteilung. Ausnahme sei ein 1-Prozent-Anteil, der Gegenstand steuerlicher Sperrfristen ist. Wesentliche Eckpunkte eines potentiellen Anteilskaufvertrags – etwa die mögliche Akquisitionsstruktur oder der Kaufpreis – seien noch in Diskussion.

EPCG könnte öffentliches Übernahmeangebot abgeben

Sollte sich EPCG um die Investoren Patrik Tkáč und Daniel Křetínský die nun offenbar zum Kauf stehenden Aktien sichern, würden die Tschechen bis zu 31,5 Prozent an der Metro halten und zum mit Abstand größten Investor aufsteigen.

EPCG könnte dem Metro-Management dann unbequeme Fragen stellen. Denn die Geschäfte laufen schlecht: Der Umsatz ist in den ersten neun Monaten des ungeraden Geschäftsjahres 2017/18 um 1,4 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro gesunken. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist um ein Viertel auf 547 Millionen Euro eingebrochen.

Die Performance belastet den Aktienkurs: Notierte das Papier nach der Aufspaltung von Metro noch bei über 18 Euro, war ein Wertpapier Ende Juli dieses Jahres nur noch etwas mehr als 10 Euro Wert. Zuletzt notierte die Aktie noch bei unter 12 Euro.

Entwicklung der Metro-Aktie seit der Aufspaltung

Die potentielle Übernahme durch die tschechische EPCG beflügelt nun aber Übernahmefantasien. Die Metro-Aktie stieg am Montagvormittag zwischenzeitlich um über 17 Prozent auf 14 Euro.

Der Grund: Beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle müsste EPCG den restlichen Metro-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten. Darauf lässt vor allem eine Aussage Křetínskýs schließen: „Den Erwerb weiterer Anteile an der Gesellschaft in der Zukunft schließen wir nicht aus.“ Üblicherweise erhalten Aktionäre in solchen Fällen einen Aufschlag auf den durchschnittlich gewichteten Aktienkurs der vergangenen Monate.

Ob EPCG die 30-Prozent-Hürde nimmt, ist derzeit noch offen. In jedem Fall dürften die Tschechen sich aber eine Sperrminorität bei Metro sichern, wenn sie einen Teil der Call-Option auf die Haniel-Beteiligung ziehen.

FINANCE-Podcast zu Metro

Metro-Beteiligung belastet Ceconomy-Geschäft

Speziell für Ceconomy ergibt ein Verkauf der Metro-Beteiligung zum jetzigen Zeitpunkt Sinn. Der Elektronikfachhändler kämpft mit der zunehmenden Konkurrenz durch Online-Riesen wie Amazon und mit dem Preisverfall in der Branche.

Aber auch der sinkende Aktienkurs der Metro bereitet Probleme. Im August dieses Jahres musste Ceconomy deswegen im Zuge des Neunmonatsberichts erneut 138 Millionen Euro abschreiben, was den Konzern tief in die roten Zahlen drückte. Weitere Hiobsbotschaften von dieser Seite will man offenbar in Zukunft lieber vermeiden. Die Aktionäre begrüßten die Meldung um den eventuellen Metro-Verkauf: Die Aktie sprang am Vormittag in der Spitze um knapp 6 Prozent auf 6,80 Euro.

Ceconomy hat neben der Metro-Beteiligung und dem strauchelnden operativen Geschäft noch eine weitere Baustelle: Das Unternehmen befindet sich weiterhin in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit den Erben des Media-Markt-Mitgründers Erich Kellerhals. Sie sollen laut der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ jüngst ein Angebot über rund 1 Milliarde Euro für ihre Aktienpaket an der Media-Saturn-Gruppe ausgeschlagen haben.

jakob.eich[at]finance-magazin.de