Wird Osram bald chinesisch? Offenbar will der Halbleiterkonzern San’an Optoelectronics rund 6,3 Milliarden Euro für den MDax-Konzern bieten.

Osram

06.10.16
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Chinesischer Konzern bietet offenbar 9,8x Ebitda auf Osram

Der chinesische Konzern San’an Optoelectronics bietet laut einem Medienbericht 6,3 Milliarden Euro für Osram. Das wäre eine stolze Prämie auf die gängigen Branchen-Multiples.

Der Leuchtenhersteller Osram steht offenbar vor einem Verkauf nach China. Laut eines Berichts der Wirtschaftswoche vom heutigen Donnerstag plant der chinesische Halbleiterkonzern San’an Optoelectronics, ein Kaufangebot für den MDax-Konzern abzugeben. Demnach wollen die Chinesen 70 Euro je Osram-Aktie bieten. Bei einem Schlusskurs am Mittwoch von 54 Euro entspräche dies einem Aufschlag von rund 30 Prozent. 

Bei einer aktuellen Aktienanzahl von rund 99 Millionen Stück und einer zum 27. Juli ausgewiesenen Nettoliquidität von rund 580 Millionen Euro bewertet San’an Optoelectronics den MDax-Konzern mit rund 6,3 Milliarden Euro.

Analysten rechnen für das im September abgelaufene Geschäftsjahr 2015/2016 mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 640 Millionen Euro. Bei einem Unternehmenswert von 6,3 Milliarden Euro entspräche dies einem Kaufpreismultiple von stolzen 9,8x Ebitda. Das durchschnittliche Multiple in Osrams Peer Group liegt laut einem Analystenbericht der DZ Bank gerade einmal bei 7,5x Ebitda. 

China-Offerte beflügelt Aktienkurs von Osram

In der Nettoliquidität von 580 Millionen Euro – und damit im Enterprise Value – noch nicht enthalten sind die jüngst beschlossenen, aber noch nicht vollzogenen M&A-Transaktionen von Osram. Ende Juli schlossen die Münchner den Verkauf ihres Lichtgeschäfts für rund 400 Millionen Euro an ein chinesisches Konsortium ab

Vor wenigen Tagen gab Osram zudem die Übernahme von Novità Technologies bekannt, ohne einen Kaufpreis für den US-amerikanischen Hersteller von LED-Lichtmodulen zu nennen. Das mögliche Interesse von San’an Optoelectronics wollte Osram nicht kommentieren.

Auch wenn das Angebot nicht bestätigt ist, messen die Investoren der Nachricht ganz offensichtlich eine gewisse Relevanz bei: Die Aktie legte am Donnerstag kräftig zu und kletterte bis zum Mittag rund 10 Prozent auf das Allzeithoch von 60 Euro. Die Börse bewertet Osram damit aktuell mit rund 5,9 Milliarden Euro.

M&A-Gerücht trifft Osram während Konzernumbau

Das Übernahmegerücht trifft Osram inmitten einer strukturellen Neuausrichtung. Osram-Chef Olaf Berlien richtet den Leuchtmittelkonzern verstärkt auf die Massenproduktion von LED-Chips aus und lässt dazu für 1 Milliarde Euro ein Werk in Malaysia bauen.

Siemens – mit 17 Prozent Osrams größter Ankeraktionär – gilt als Gegner der teuren Expansion. Der langjährige Finanzchef Klaus Patzak hatte sich auf die Seite von Siemens-Chef Joe Kaeser gestellt. Es folgte der Bruch mit Berlien. Patzak wechselte zum kriselnden Baudienstleister Bilfinger und wurde bei Osram von Ingo Bank beerbt. Dieser war zuvor Finanzchef beim US-amerikanischen Biopharmazie-Dienstleister Parexel.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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