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Vodafone zahlt 2 Milliarden, um Elliott loszuwerden

Vodafone stockt seine Anteile bei Kabel Deutschland auf.
Vodafone

Vodafone gelingt der Durchbruch im Fall Kabel Deutschland: Nach einem jahrelangen Streit mit Kabel-Deutschland-Aktionär Elliott sowie anderen Minderheitsaktionären haben sich die Parteien nun über den Preis für die Übernahme der Aktienpakete geeinigt.

Vodafone, die 2013 schon rund 77 Prozent für 7,7 Milliarden Euro von Kabel Deutschland übernommen hatte, bietet den ausstehenden Aktionären (darunter Elliott, D.E. Shaw und UBS O’Connor LLC) eine Bargegenleistung von 103 Euro je Aktie. Die Bargegenleistung wird aus den vorhandenen Barmitteln finanziert, heißt es in der Mitteilung.

Diese drei Minderheitsaktionäre halten zusammen 17 Prozent, dem aktivistischen Investor Elliott gehören davon 14 Prozent. Sie haben die Offerte bereits angenommen, was den Konzern 1,56 Milliarden Euro kosten wird. Sofern alle Minderheitsaktionäre das Angebot annehmen, zahlt Vodafone 2,1 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung von Vodafone würde auf Basis der aktuellen 9-Monatszahlen von 44 Milliarden Euro auf 46,1 Milliarden Euro steigen. Das Angebot läuft bis zum 1. Februar 2021.

Elliott und Vodafone seit Jahren im Clinch

Dass Elliott und Co. nun klein beigeben, kommt überraschend. Zwischen den Aktionären und Vodafone herrscht seit Jahren ein Streit um die restlichen Anteile des Kabelnetzbetreibers. Besonders mit Elliott war Vodafone im Clinch.

Elliott hatte sich bei Kabel Deutschland eingekauft, nachdem Vodafone seine Übernahmeofferte bekanntgegeben hatte – und vertrat die Meinung, dass der Kaufpreis viel zu gering wäre. Statt den angebotenen 84,50 Euro sah Elliott den Wert pro Aktie Medienberichten zufolge bei 225 bis 275 Euro. Der Rechtsstreit ging so weit, dass Elliott Sonderprüfungen durchsetzte. Eine Sonderprüfung, die Ende 2019 durchgeführt wurde, hielt den ursprünglichen Preis für angemessen. Eine Reihe von Minderheitsaktionären hatte daraufhin Beschwere eingelegt. Der Preis, den Vodafone jetzt zahlt, ist nun um einiges höher. Für den Hedgefonds Elliott, der einen langen Atem bewiesen hat, dürfte sich das Investment damit gelohnt haben.

Streit belastet Vodafone auch finanziell

Trotz des deutlich höheren Kaufpreises hat die Beendigung des Streits klare Vorteile für Vodafone. Nicht nur ist das Risiko aus einem unkalkulierbaren Rechtsstreit jetzt vom Tisch. Vodafone hatte zudem einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag getroffen, der den Konzern laufend belastete. Laut der Vereinbarung durfte Vodafone die beiden Unternehmen integrieren, musste aber eine Entschädigung an Aktionäre zahlen, die ihre Aktien nicht angedient hatten. So zahlte Vodafone den Aktionären jährlich 3,17 Euro pro Aktie in bar und hatte zugestimmt, die Aktie zu 84,53 Euro zu kaufen, wobei der Angebotspreis jährlich stieg.

Die Transaktion würde sich sofort positiv auf das bereinigte Ergebnis je Aktie und den Free Cash-Flow je Aktie auswirken, betonte Vodafone. Das Rating würde sich trotz der steigenden Verschuldung voraussichtlich nicht verändern.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Wie sich aktivistische Investoren wie Elliott bei anderen Deals verhalten haben, lesen Sie auf der Themenseite aktivistische Investoren

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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