Avaloq will Banken maßgeschneiderte IT-Lösungen bieten. Jetzt steigt der Private-Equity-Investor Warburg Pincus ein.

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23.03.17
Deals

Warburg Pincus steigt mit 330 Millionen Euro bei Avaloq ein

Der Private-Equity-Investor Warburg Pincus übernimmt 35 Prozent des Schweizer Fintechs Avaloq. Der Spezialist für Banksoftware will mittelfristig an die Börse und holt sich dazu auch Hilfe vom früheren Finanzchef der Deutschen Bank.

Der Private-Equity-Investor Warburg Pincus wird von bestehenden Gesellschaftern rund 35 Prozent der Anteile an dem Schweizer Fintech Avaloq übernahmen. Der Private-Equity-Investor bewertet das Fintech mit mehr als 1 Milliarde Schweizer Franken (über 930 Millionen Euro). Der Finanzinvestor bezahlt damit für die 35 Prozent mindestens 330 Millionen Euro.

Durch die Transaktion werden sich sowohl die Gründer und das Management als auch Mitarbeiter von Avaloq-Anteilen trennen. Insgesamt 55 Prozent sollen jedoch im Unternehmen verbleiben. CEO Francisco Fernandez kontrolliert fortan 28 Prozent, andere Manager und Mitarbeiter 27 Prozent. Die restlichen 10 Prozent bleiben bei der Raiffeisen Schweiz, die sich an dem Deal nicht beteiligt hat.

Avaloq will über Warburg Pincus an die Börse

Avaloq entwickelt IT-Systeme für Banken und Asset-Manager, beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 2.000 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in der Schweiz. Warburg Pincus ist in der Finanzdienstleistungsbranche bestens bekannt, da das New Yorker Private-Equity-Haus bereits rund 10 Milliarden US-Dollar in rund 90 Finanzunternehmen, darunter 20 Banken, investiert hat.

Avaloq will nun das Netzwerk des Finanzinvestors nutzen, um weiter zu wachsen. 2016 setzte das Fintech nach eigenen Angaben 533 Millionen Schweizer Franken um (plus 10 Prozent) und erwirtschafte einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 82 Millionen Franken (plus 41 Prozent). Das Geschäft ist hochgradig cash-generativ. Nach Angaben von Warburg Pincus erwirtschaftete Avaloq 2016 aus dem operativen Geschäft Nettokapitalzuflüsse von 62 Millionen Franken.

Mit der Hilfe von Warburg Pincus will CEO Fernandez in dem sich schnell wandelnden Absatzmarkt Marktanteile hinzugewinnen. Ein mögliches Exit-Szenario für Warburg Pincus, um einem möglichen Wertzuwachs zu realisieren, zeichnet sich bereits ab, denn Avaloq bezeichnet die Transaktion „als ersten Schritt hin zu einem möglichen Börsengang in den kommenden Jahren“. Warburg Pincus bezeichnet den geplanten Investmenthorizont bei Avaloq auf sieben Jahre.

Warburg Pincus war auch bei United Internet eingestiegen

Mit einer ähnlichen Struktur hat Warburg Pincus im Herbst auch einen Deal in Deutschland abgeschlossen. Der Finanzinvestor beteiligte sich mit einem Drittel an dem Business-Applications-Geschäft des deutschen Telekomkonzerns United Internet. Dort lag das zugrunde liegende Dealvolumen sogar bei über 2,5 Milliarden Euro.

Auch die United-Internet-Sparte soll zunächst mit Hilfe von Warburg Pincus weiter wachsen und innerhalb der nächsten Jahre an die Börse gehen. Eine erste große Add-on-Akquisition hat Warburg Pincus bei United schon begleitet: Die neue Beteiligung kaufte der Deutschen Telekom für 600 Millionen Euro den Web-Hoster Strato ab. 

Ex-Deutsche-Bank-CFO Stefan Krause mischt bei Avaloq mit

Mit dem Einstieg des neuen Großinvestors wird sich auch personell einiges bei Avaloq ändern. So soll ein neues „European Advisory Board“ geschaffen werden. Dieses soll Avaloq beim „weiteren Wachstum“ und „strategischen Initiativen“ unterstützen. Das Board soll namhaft besetzt werden, unter anderem mit dem früheren Finanzchef der Deutschen Bank, Stefan Krause. Vorsitzen soll dem Gremium der ehemalige Chef der Rückversicherung Swiss RE, Jacques Aigrain. Krause ist seit dem Juni vergangenen Jahres Senior Advisor bei Warburg Pincus.

Ein weiterer Teil der Vereinbarung ist laut Warburg Pincus, dass Avaloq-Gründer und CEO Fernandez auch Verwaltungsratspräsident werden soll. Der Schweizer Verwaltungsrat ist eine deutlich aktivere Variante des in Deutschland bekannten Aufsichtsrats. In den Verwaltungsrat sollen mit dem Abschluss der Transaktion im zweiten Quartal auch zwei Warburg-Manager entsandt werden.

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