Lanxess will zukaufen, und das mitten in der Coronakrise. Doch wie viel Firepower für M&A hat der Chemiekonzern, und welche Targets kommen in Frage?

Lanxess

FINANCE+ 02.09.20
Deals

Was geht am M&A-Markt, Lanxess?

Lanxess-Chef Matthias Zachert will zukaufen, gerne auch groß, und das trotz der Coronakrise. Tatsächlich drängen sich zwei Deals auf. Hält Zachert, was er verspricht?

Die Coronavirus-Krise setzt auch dem Spezialchemiekonzern Lanxess zu: Der Konzernumsatz fiel im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rutschte sogar um über 20 Prozent auf 224 Millionen Euro ab.

Trotzdem tritt das Management offensiv und selbstbewusst auf, zum Beispiel Vorstandschef Matthias Zachert: „Unsere starke finanzielle Situation lässt größere Zukäufe zu, die wir uns in allen Segmenten vorstellen können. Wir sind gerüstet für Übernahmechancen, die sich durch die Corona-Pandemie sicherlich bieten werden.“

Wie groß ist der finanzielle Spielraum von Lanxess tatsächlich, und welche Targets könnten Zachert und sein CFO Michael Pontzen im Blick haben?

Lanxess hat genügend Firepower für M&A

Das Wichtigste vorab: So viel Flexibilität, wie Zachert reklamiert, gibt die Bilanz dem Management auf den ersten Blick nicht. Die Nettoverschuldung der Kölner belief sich – inklusive des Wertpapierbestands und der Pensionsrückstellungen – zum Ende des ersten Halbjahres auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) aus dem vergangenen Jahr von 910 Millionen Euro errechnet sich ein Leverage von 2,3x Ebitda.

Lanxess sieht das Ebitda für 2020 bei 800 bis 900 Millionen Euro, Analysten eher am oberen Rand dieser Spanne. Damit dürfte der Leverage auch am Jahresende in der Nähe von 2x Ebitda liegen. Das ist für einen Chemiekonzern nicht besonders wenig, allerdings entfällt mehr als die Hälfte der Nettoschulden auf die extrem lang laufenden Pensionslasten.

Es ist noch nicht so lange her, da sah die Bilanz von Lanxess noch anders aus. Im Jahr 2017 lag der Leverage bei über 4x Ebitda. Doch die Trennung vom Kautschukgeschäft entspannte die Bilanz, das Joint-Venture Arlanxeo ging 2018 komplett an den Geschäftspartner Saudi-Aramco. Lanxess flossen 1,4 Milliarden Euro zu.

2019 stärkte die Veräußerung der Currenta-Beteiligung die Kasse noch einmal mit rund 780 Millionen Euro. In diesem Jahr gab es weitere kleinere M&A-Deals, zuletzt etwa den Verkauf des Lederchemikaliengeschäfts. Dieser Deal brachte zuerst zwar nur 80 Millionen Euro. Aber über Earn-outs kann Lanxess in den nächsten drei bis fünf Jahren noch auf weitere 115 Millionen Euro hoffen.

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