ZF Friedrichshafen

04.08.16
Deals

ZF Friedrichshafen bietet Ebit-Multiple von 14,7 für Haldex

Überraschende Wende im Bieterwettkampf um Haldex: ZF Friedrichshafen bietet 515 Millionen Euro und bootet SAF Holland aus. ZF bewertet Haldex mit seinem Angebot hoch.

Eigentlich sah es so aus, als würde der fränkische Nutzfahrzeugzulieferer SAF Holland den Kampf um den schwedischen Hersteller für Lastwagenbremsen Haldex gewinnen. Vor wenigen Wochen kündigte SAF an, Haldex übernehmen zu wollen und legte 450 Millionen Euro auf den Tisch. Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet: Kurz nach Beginn der Angebotsfrist hat der drittgrößte, aber nicht börsennotierte, deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen ein eigenes Angebot vorgelegt – und SAF Holland damit ausgebootet.

ZF bietet den Haldex-Aktionären 100 Schwedische Kronen je Aktie, das sind 5,58 Kronen mehr als das Angebot von SAF. Inklusive der konsolidierten Nettoverschuldung von Haldex, die Ende Juni 2016 bei 504 Millionen Kronen (rund 52,73 Millionen Euro), würde ZF damit 515 Millionen Euro für Haldex bezahlen. Die Schweden erwirtschafteten 2015 einen Umsatz von umgerechnet 511 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von umgerechnet 35 Millionen Euro – damit zahlt ZF ein Ebit-Multiple von 14,7x.

ZF Friedrichshafen hofft auf Knowhow-Transfer

Das Multiple liegt deutlich über den branchenüblichen Werten – laut den FINANCE-Multiples vom Juli 2016 liegt das Ebit-Multiple in der Branche Fahrzeugbau und –zubehör derzeit bei 8,6. Doch für ZF scheint dieser Deal von besonders großer Bedeutung zu sein: „Die Expertise von Haldex bei Bremssystemen für Nutzfahrzeuge passt bestens in die ZF-Strategie, da mit dem Zusammenschluss die gesamte Wirkungskette von Nutzfahrzeugen abgedeckt werden kann“, betont das Unternehmen in einer Pressemitteilung. ZF könnte damit seine Technologie von Sicherheitssystemen oder Kraftstoffeinsparung vom Personenwagen auf Nutzfahrzeuge übertragen.

Das Board of Directors von Haldex hat sich einstimmig für eine Empfehlung dieses Angebots ausgesprochen. „Die Leistungsstärke von ZF in den Bereichen Elektronik und Softwareentwicklung, gepaart mit der globalen Präsenz und dem Kundenzugang, bieten Haldex herausragendes Wachstumspotential“, sagt Magnus Johansson, Mitglied und Sprecher des Haldex Boards.

Der Aktienkurs von Haldex hat das ZF-Angebot allerdings bereits übertroffen und liegt bei 105 schwedischen Kronen. ZF fordert eine Annahmequote von 90 Prozent.

Rückschlag für SAF Holland

Für ZF wäre die Übernahme ein weiterer Mega-Deal innerhalb kurzer Zeit. Der Automobilzulieferer hat erst im vergangenen Jahr die Milliardenübernahme von TRW gestemmt und ist so auf einen Umsatz von knapp 30 Milliarden Euro gewachsen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich ZF außerdem mit 40 Prozent an Ibeo beteiligt, die im Bereich Roboterautos tätig ist.

ZF Friedrichshafen kann als Fundament seines Zukaufskurses eine solide Geschäftsentwicklung vorweisen: Im ersten Halbjahr steigerte ZF den Umsatz auf vergleichbarer Basis um fünf Prozent auf 17,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei 1,1 Milliarden Euro.

Für SAF Holland ist die misslungene Übernahme hingegen ein Rückschlag. Der Nutzfahrzeugzulieferer hatte bereits tief in die Tasche gegriffen, um sich Haldex zu sichern. Mit der Übernahme wollten CEO Detlef Borghardt und CFO Wilfried Trepels ihre Wachstumsziele für 2020 vorzeitig erreichen. Bis dahin will der SDax-Konzern seinen Umsatz von derzeit 1 Milliarde Euro auf 1,5 Milliarden Euro steigern. Auch in anderen Regionen wollte SAF Übernahmeziele suchen: „Wir werden höchstwahrscheinlich in den Schwellenländern zukaufen“, hatte CFO Trepels im Interview mit FINANCE-TV angekündigt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de