Investor Advent beteiligt sich an Hermes, das bislang komplett der Otto Group gehörte.

Hermes

11.08.20
Deals

Advent steigt bei Hermes ein

Advent wagt einen komplexen Deal – und erwirbt Anteile an der Otto-Tochter Hermes, die zum Teil noch defizitär ist. Was sind die Herausforderungen dieses Deals?

Das Familienunternehmen Otto hat nach langer Suche endlich einen Investor für die Logistiktochter Hermes gefunden. Überraschung: Statt des präferierten strategischen Partners – zuletzt galt der US-Konzern Fedex als Favorit – beteiligt sich nun der US-Finanzinvestor Advent an dem Paketdienst. Bislang gehören Otto 100 Prozent an Hermes. Advent übernimmt nun einen Anteil von 25 Prozent an Hermes Deutschland und 75 Prozent an der britischen Einheit von Hermes. Die Mittel für den Deal nimmt Advent aus dem aktuellen Flaggschiff-Fonds „Global Private Equity 9“, der 17,5 Milliarden US-Dollar schwer ist.

Nur indirekte Finanzspritze für Hermes

Die genaue Struktur des Deals wurde nicht bekanntgegeben. Aus Marktkreisen hat FINANCE jedoch erfahren, dass Hermes selbst nur indirekt frisches Geld zufließen soll. Eine Kapitalerhöhung gibt es nicht, stattdessen hat Advent den Preis für die Anteile an Otto bezahlt. Otto hat sich allerdings – genauso wie Advent – zu Investitionen in Hermes verpflichtet, wodurch indirekt zumindest ein Teil des Kaufpreises an die Logistiktochter fließen könnte. Wie das „Handelsblatt“ schreibt, soll der Kaufpreis rund 1 Milliarde Euro betragen. Otto wurde juristisch von der Kanzlei Milbank beraten.

Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Gremien sowie der Kartellbehörden. Das Management beider Hermes-Töchter soll an Bord bleiben. Otto hat sich weitgehende Mitspracherechte für die Führung der beiden Hermes-Unternehmen gesichert.

Was wird aus Hermes Frankreich?

Mit der Hilfe von Advent will Otto Hermes für den harten Wettbewerb insbesondere mit der Deutschen Post rüsten. Der Markt der Paketzustellung wächst rasant. Hermes erwirtschafte im vergangenem Geschäftsjahr 3,5 Milliarden Euro – 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwei Drittel davon entfielen auf die Geschäfte in Deutschland und Großbritannien. Das weitere Wachstum erfordert aber hohe Investitionen in Verteilzentren und in die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte.

Hinzu kommt: Die deutsche Hermes-Einheit ist defizitär. Branchenkreisen zufolge sollen die Verluste in Deutschland zuletzt in zweistelliger Millionenhöhe gelegen haben. Bislang plant Otto erst in zwei Jahren mit einer Rückkehr in die Gewinnzone. Aus Transaktionskreisen ist zu hören, dass Otto es zur Bedingung für eine Beteiligung an der starken UK-Tochter gemacht hat, dass der Partner auch im defizitären Deutschlandgeschäft einsteigt.

Offen ist noch die Zukunft des französischen Hermes-Geschäfts. Dieses ist aus dem aktuellen Deal ausgeklammert. Advent soll auch Interesse am Frankreichgeschäft haben, aber die Gespräche sind offenbar auch deshalb nicht einfach, weil der Corona-Lockdown in Frankreich länger und härter war als in Deutschland und Großbritannien. Die Beteiligung eines Dritten am Frankreich-Geschäft könnte das Weiterentwickeln von Hermes aber noch komplexer machen und auch zu Verteilungsfragen führen, etwa bei Overhead-Kosten.

Advent und Otto kennen sich

Advent ist bereits im Logistikbereich aktiv und etwa am polnischen Logistiker Integer beteiligt, der ebenfalls in Großbritannien tätig ist. „Wir bringen neben Wachstumskapital auch tiefes Sektor-Knowhow mit“, sagt Advent-Deutschlandchef Ranjan Sen.

Hinzu kommt, dass es für Advent und Otto nicht die erste Begegnung ist: 2017 kaufte Advent zusammen mit Bain Capital den Hamburgern den Zahlungsdienstleister Ratepay ab. Bereits dort habe man gut mit Otto zusammengearbeitet, betont Sen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de