Der Insolvenzverwalter des Solarunternehmens Q-Cells macht den früheren Beratern und Ex-Vorständen Ärger.

Q-Cells

04.09.13
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Ärger für ehemalige Q-Cells-Berater

Der Insolvenzverwalter des Solarunternehmens Q-Cells macht den früheren Beratern und Ex-Vorständen Ärger. Der Vorwurf: Es flossen noch Gehälter an Berater, als die Insolvenz schon absehbar war. Gegen eine Anwaltskanzlei ist Agenturen zufolge bereits Anklage erhoben worden, weitere Ex-Berater müssen Ähnliches fürchten. Am härtesten aber würde es die früheren Vorstände treffen – darunter einen prominenten Top-Manager.

Ein bekannter Name war Q-Cells-Insolvenzverwalter Henning Schorisch von der Kanzlei hww wienberg wilhelm bislang nicht. Heute hat sich das geändert. Wie die „Welt“ berichtet, prüft Schorisch, die Ex-Vorstände sowie frühere Berater von Q-Cells auf Schadenersatz zu verklagen. Es soll um mehr als 100 Millionen Euro gehen. Q-Cells war im April 2012 in die Insolvenz gegangen. Wenige Monate später wurde das Unternehmen von Hanwha übernommen.

Eine Klage gegen die Kanzlei Hengeler Mueller hat das Büro des Insolvenzverwalters inzwischen bestätigt. „Ob und inwieweit gegen weitere Berater oder Verantwortliche Forderungen gestellt oder Klage erhoben wird, wird noch geprüft“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters gegenüber Agenturen.

Hohe Forderung gegen Ex-Vorstände

Macht Schorisch mit seinen Ankündigungen ernst, wären einige der meistbeschäftigten Berater der Republik betroffen, darunter auch die Wirtschaftsprüfer von KPMG und die Strategieberatung McKinsey. Sie sollen Q-Cells 2012 noch im Kampf gegen die Insolvenz beraten haben, als diese schon unausweichlich war. Die dafür erhaltenen Honorare will der Insolvenzverwalter dem Bericht zufolge zurückfordern, offenbar geht es um „mindestens einen hohen einstelligen Millionenbetrag“.

Noch härter könnte es die beiden früheren Vorstände Nedim Cen und Andreas von Zitzewitz treffen. Der „Welt“ zufolge will Schorisch Geld, das zwischen Januar 2012 und dem Insolvenzantrag am 2. April 2012 aus der Firma abgeflossen ist, von ihnen zurückfordern – es soll der Zeitung zufolge um einen Summe von rund 100 Millionen Euro gehen.

Schorisch wirft dem Management vor, es hätte einen Rechtsstreit um das Schuldverschreibungsgesetz falsch eingeschätzt. Im Herbst 2011 verfolgte die Q-Cells-Führung den Plan, die Forderungen von Anleihegläubigern nach einem Haircut in Aktien des Unternehmens umzuwandeln. Nach dem Schuldverschreibungsgesetz von 2009 hätten dem Plan nicht mehr alle Gläubiger, sondern nur noch 75 Prozent von ihnen zustimmen müssen. Eine Quote, die Q-Cells erreichte. Das Landgericht Frankfurt untersagte Ende 2011jedoch das Vorgehen, im März 2012 bestätigte das Oberlandesgericht Frankfurt das Urteil. Die strittigen Anleihen waren vor 2009 ausgegeben worden, das neue Gesetz war deshalb nach Auffassung des Gerichts nicht anwendbar. Das war der Todesstoß für Q-Cells. Schorisch wirft dem Management dem Bericht zufolge vor, es hätte schon mit dem Urteil des Landgerichts die ausweglose Situation bei Q-Cells erkennen müssen.

Wie profitiert der Insolvenzverwalter?

Kritiker bemängeln, dass Schorischs Vorgehen nicht allein dem Wohl der Gläubiger gilt, sondern auch einen gewissen Eigennutz erkennen lasse. Neben der Publicity, die ihm von heute an gewiss ist, kann der Insolvenzverwalter bei Erfüllung seiner Forderungen auf eine höhere Vergütung hoffen. Diese bemisst sich nach der Insolvenzmasse, die an die Gläubiger verteilt werden kann. Als Unterstützer gegen die Ex-Q-Cells-Vorstände und die ehemaligen Berater hat Schorisch der „Welt“ zufolge die Anwaltskanzlei Taylor Wessing ins Boot geholt.

Q-Cells ist nicht der einzige Konzern, der sich mit Beratern streitet. Auch die Aktionäre des insolventen Baumarktkonzerns Praktiker hatten bemängelt, dass zu viel Geld an Strategieberater geflossen sei. Bei Praktiker waren unter anderem McKinsey, die Boston Consulting Group und Roland Berger mandatiert.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de