„Es gibt einfach Projekte, die sich erst in fünf bis sechs Jahren auszahlen“, sagt Antin-Managerin Angelika Schöchlin.

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07.04.16
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Antin-Partnerin Schöchlin: „Amedes ist soziale Infrastruktur“

Private-Equity-Häuser setzen auf Infrastruktur – und definieren die Asset-Klasse so frei wie nie zuvor. So auch Antin bei der Laborkette Amedes. „Es gibt einfach Projekte, die sich erst in fünf bis sechs Jahren auszahlen“, sagt Antin-Managerin Angelika Schöchlin.

Versicherungen und Pensionskassen stellen Private-Equity-Gesellschaften so viel Geld wie noch nie zur Verfügung. Die Beteiligungsgesellschaften investieren das Geld zusehends auch über Infrastruktur-Fonds.

So lag das in dieser Assetklasse verwaltete Kapital – die so genannten Assets under Management – im vergangenen Juni bei dem Rekordwert von 309 Milliarden Dollar weltweit. Allein seit Dezember 2010 hat sich die Summe, über das Infrastruktur-Fonds entscheiden, damit fast verdoppelt.

Antin-Managerin Schöchlin: „Amedes erbringt grundlegende Dienstleistung“

Mit dem Aufschwung der Asset-Klasse hat sich auch ihre Definition verändert. Vor einigen Jahren noch waren Infrastruktur-Investments vor allem Windparks und Autobahnen. Jetzt investieren die Fonds auch in klassische Buy-out-Geschäfte, solange sie stabile Cashflows bringen und relativ planungssicher sind.

Ein besonders prägnantes Beispiel: Der Investor Antin Infrastructure Partners hat die deutsche Laborkette Amedes von General Atlantic – auch ein PE-Investor – im vergangenen Juni für rund 800 Millionen Euro gekauft. „Den Labormarkt in Deutschland betrachten wir als Teil der sozialen Infrastruktur“, sagt die zuständige Partnerin des Pariser Investors, Angelika Schöchlin, zu FINANCE. „Mit klassischen Infrastruktur-Assets hat Amedes gemeinsam, dass es sich um eine grundlegende Dienstleistung und einen wichtigen Kernbaustein des Alltagslebens handelt. Und der Markt ist stark reguliert.“

Infrastruktur-Fonds versprechen ihren Investoren niedrigere, aber dafür stabilere Renditen als klassische Buy-out-Vehikel. Dazu passt Schöchlins Blick auf die Branche, in der Amedes als viertgrößter Laborbetreiber Deutschlands mitspielt: Auf der einen Seite wachse der Markt „sehr langsam“. Auf der anderen Seite sieht die Investmentmanagerin hohe Eintrittsbarrieren, welche die Stellung von Amedes am Markt sichern – „vor allem Zulassung, Know-how und Größe“.

Antin will bei Amedes „sieben bis acht Jahre“ beteiligt bleiben

Die Investoren von Antin hätten „ein zunehmendes Interesse an Infrastruktur“, solange eine Strategie zur Steigerung des Mehrwerts vorhanden sei. „Es gibt einfach Projekte, die sich erst in fünf bis sechs Jahren auszahlen, aber strategisch enorm sinnvoll sind“, sagt Schöchlin. „Mit unserer Investitionsdauer als Infrastrukturinvestor sind diese Projekte vereinbar.“ Bei Amedes wolle Antin „sieben bis acht Jahre“ beteiligt bleiben.

Amedes ist nicht der einzige Laborbetreiber, der zuletzt von einer Private-Equity-Gesellschaft zur nächsten gewandert ist: Fast zeitgleich im vergangenen Sommer hat BC Partners die deutschlandweite Nummer Zwei der Branche Synlab an den Branchennachbarn Cinven verkauft. Dort liegt Synlab allerdings in einem Buy-out-Fonds, und am Markt wird allgemein angenommen, dass Cinven den scharfen Wachstumskurs, den BC Partners Synlab verordnet hatte, beibehalten wird – zwei ähnliche Unternehmen also, mit denen ihre Gesellschafter ganz unterschiedlich arbeiten.

Cinven hat Synlab bald nach dem Kauf mit seinem französischen Pendant Labco zusammengeführt. Dies deutet auch auf eine andere Exit-Strategie hin, die Finanzinvestoren ja immer schon beim Einstieg im Hinterkopf haben. Es wäre eine Überraschung, wenn Cinven nicht planen würde, Synlab deutlich schneller wieder zu vermarkten, als Antin es bei Amedes vorhat – als klarer europäischer Marktführer in einem demografiebegünstigen Wachstumsmarkt. 

florian.bamberg[at]finance-magazin.de