Fertigung von Pfleiderer in Neumarkt: Der deutsche Holzverarbeiter wird polnisch.

Uwe Mühlhäuser Photography

12.10.15
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Atlantik treibt abenteuerlichen Exit bei Pfleiderer voran

Der Luxemburger Investor Atlantik will beim Holzverarbeiter Pfleiderer aussteigen. Damit das schnell über die Bühne geht, muss die polnische Tochter die deutsche Mutter schlucken. Mit einer Kapitalerhöhung hat das Unternehmen jetzt den ersten Schritt in seinem obskuren Umbau gemacht.

Der bayerische Holzverarbeiter Pfleiderer steht kurz vor der Rückkehr an die Börse – allerdings nicht in Deutschland, sondern in Polen: Die an der Warschauer Börse notierte polnische Tochter Pfleiderer Grajewo hat heute die angekündigte Kapitalerhöhung eingeleitet. Den avisierten Erlös von 900 Millionen polnischen Zloty (213 Millionen Euro) will die Gesellschaft in weiten Teilen zur Finanzierung der Übernahme der deutschen Mutter nutzen. FINANCE hatte bereits Ende Juli über die Pläne für dieses außergewöhnliche Konstrukt berichtet.

Jetzt hat Pfleiderer Grajewo die Details bekannt geben: Die Preisspanne für die neuen Aktien beläuft sich demnach auf 27 bis 31 Zloty. Sie liegt damit über dem aktuellen Börsenkurs von 25,70 Zloty. Von heute bis zum 22. Oktober sollen bis zu 40 Millionen neue Aktien platziert werden.

Gleichzeitig gibt PE-Investor Atlantik zu erkennen, wozu die ganze abenteuerliche Konstruktion dient – nämlich dem schrittweisen Ausstieg der Atlantik-Geldgeber aus Pfleiderer. Im Rahmen einer Privatplatzierung wirft der PE-Investor schon mal 6,1 Millionen Aktien der polnischen Tochter auf den Markt, im Gesamtwert von umgerechnet 39 Millionen bis 45 Millionen Euro – je nach Platzierungspreis.

An Grajewo ist der Investor bislang mit 65 Prozent beteiligt. Die Noch-Mutter Pfleiderer GmbH befindet sich im vollständig im Besitz des Investitions-Vehikels, hinter dem unter anderem der Sanierungsspezialist Michael Keppel und der ehemalige Mannesmann-Vorstand Kurt Kinzius stehen.

Atlantik leitet Exit bei Pfleiderer ein

Nach Abschluss der Transaktion wird Atlantik weniger als 50 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten. Die Mehrheit soll dann in den Händen polnischer Investment- und Pensionsfonds liegen, wie das Unternehmen heute mitteilte. Im kommenden April – nach Auslaufen der  sechsmonatigen Lock-up-Frist – kann Atlantik dann komplett aussteigen. Die Atlantik-Eigner, die den Holzverarbeiter 2012 aus der Insolvenz übernommen hatten, dürften sich dann über eine ansehnliche Rendite freuen.

Die polnische Tochter dürfte für die Übernahme der Mutter 160 Millionen Euro hinlegen müssen. Den verbleibenden Erlös aus der Kapitalerhöhung (50 Millionen Euro) will die Gruppe nutzen, um die Verschuldung des neugeschmiedeten Gesamtkonzerns herunterzufahren. Das Management um CEO Michael Wolff peilt für das Jahresende ein Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zum erwarteten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,5x bis 2x an. Vergleichswerte nennt das Unternehmen nicht.

Die Deutsche Bank agiert bei der Transaktion als Sole Global Coordinator. Das Institut fungiert darüber als Financial Advisor und Joint Bookrunner, ebenso wie BNP Paribas. Weitere Bookrunner sind die Commerzbank und die polnische Bank PKO BP.  Beraten wird Pfleiderer Grajewo darüber hinaus von Lazard.

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