Michael Pye erzählt, was den Finanzinvestor Baillie Gifford an deutschen Tech-Unternehmen reizt.

Baillie Gifford

FINANCE+ 02.07.20
Deals

Baillie Gifford wettet auf Flugtaxis und Corona-Impfstoff

Michael Pye, Investmentmanager bei Baillie Gifford, über den Einstieg des Finanzinvestors bei Lilium, die Investmentstrategie der Schotten – und warum wir große Hoffnungen in Corona-Impfstoffe setzen können.

Vor wenigen Wochen hat Baillie Gifford für Aufsehen in der deutschen Finanzszene gesorgt, indem Sie 35 Millionen US-Dollar in das Flugtaxi-Start-up Lilium gesteckt haben. Damit sind Sie dort einer der größeren Investoren geworden. In Deutschland bekanntgeworden ist Baillie Gifford aber eher durch Investitionen in schnell skalierbare Internetplattformen wie Hello Fresh, Delivery Hero und Zalando. Warum jetzt ausgerechnet Lilium, ein Fahrzeugproduzent?

Wir lieben Unternehmen, die ihren Kunden das Leben einfacher machen, Firmen wie AirBnB zum Beispiel. Lilium hat das Potenzial, den Personentransport einfacher und autonomer zu machen, schlicht deshalb, weil in der Luft viel mehr Platz als am Boden ist. Außerdem können alle Vehikel, die dort unterwegs sind, miteinander kommunizieren.

Die Lufttaxiszene erinnert uns an die Eisenbahn im Industriezeitalter. Das war auch teures Equipment, aber dennoch eine technische Revolution, die das Leben der Menschen von Grund auf verändert hat – eine überragende Lösung. Und Lufttaxientwickler wie Lilium benötigen auch keine teure Infrastruktur wie Gleise, Tunnels oder Brücken. Weil die Lilium-Jets vertikal starten und landen, brauchen sie nicht einmal eine Landebahn. Das lässt es zu, das Geschäft schnell zu skalieren, sobald die Technologie marktfähig ist.

Was für Unternehmen Baillie Gifford mag

Wenig Investitionsbedarf ist eine Sache. Aber gibt es auch ein profitables Geschäftsmodell?

Wir sind überzeugt, dass es die Chance hat, eines zu werden. Allein schon wegen der Technologie: Bei Elektrojets entfallen die Treibstoffkosten, die bei Flugzeugen immens sind. Auch sind Elektromotoren viel weniger wartungsintensiv als die jetzigen Jet-Turbinen. Und Lilium hat zudem Möglichkeiten, ein ganz anderes Geschäftsmodell aufzuziehen als zum Beispiel Airbus oder Boeing. Sie könnten zum Beispiel die Technologie als Lizenzgeschäft vermarkten. Das wäre dann auch noch wenig kapitalintensiv. Aber noch steht das endgültige Geschäftsmodell von Lilium nicht fest.

Lesen Sie weiter und seien Sie immer einen Schritt voraus!

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