Castik will in die Zahnmedizin einsteigen

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18.03.19
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Castik will in die Zahnmedizin einsteigen

Castik will die deutsche Zahnarztgruppe Alldent übernehmen. Es wäre das erste Investment des Finanzinvestors in die Zahnmedizin – zu einem Zeitpunkt, zu dem ein neues Gesetz Private-Equity-Investments dort eigentlich ausbremsen soll.

Der Münchener Private-Equity-Investor Castik will in den deutschen Zahnmedizinmarkt vorstoßen. Angaben des Bundeskartellamts zu laufenden Fusionskontrollen zufolge hat Castik vergangene Woche die Übernahme der Zahnarztzentren Alldent und des Zahnarztzulieferers Dentotrade angemeldet. Nach FINANCE-Informationen hängt das Closing aber nicht nur an den kartellrechtlichen Freigaben, sondern auch an weiteren noch nicht erfüllten Übernahmebedingungen. Der Private-Equity-Investor wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Alldent wurde 2011 von Matthias und Ruben Stelzner sowie Jonas Blinn in München gegründet und betreibt heute vier zahnmedizinische Versorgungszentren in Deutschland: zwei in München, eines in Frankfurt und seit vergangenem Jahr auch eines in Stuttgart. Als zweites Standbein produziert und vertreibt die Gruppe Zahnarztmaterialien wie Kronen, Brücken und Inlays, die nach eigenen Angaben auch an andere zahnärztliche Kliniken geliefert werden.

Was Alldent für Private Equity interessant macht

Da die zahnärztlichen Einrichtungen von Alldent von mehreren Ärzten genutzt und auch Material und Maschinen gemeinsam bezogen werden, kann die Gruppe Skalierungspotentiale nutzen. Dadurch kann Alldent seine Kosten senken – ein Mechanismus, der das Unternehmen für Private Equity interessant macht. Aber auch geographisch könnte die bisher im süddeutschen Raum verankerte Kette noch wachsen.

Beteiligungsgesellschaften kommt zugute, dass der Zahnmedizinmarkt noch einer der fragmentiertesten Subsektoren in der deutschen Healthcare-Branche ist. Das ist Private-Equity-Investoren nicht verborgen geblieben. Daten der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zufolge gibt es in Deutschland rund 700 Zahnmedizinzentren, von denen bereits 75 versorgungsfremden Investoren zuzurechnen seien. Mindestens 10 davon seien Finanzinvestoren, wie beispielsweise Nordic Capital. 

Regierung will Private-Equity ausbremsen

Der Zeitpunkt von Castiks Vorstoß in die Zahnmedizinvorstoß überrascht allerdings, da die Bundesregierung den Vormarsch von Private Equity in dem Segment über das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) ausbremsen möchte: Das vergangene Woche verabschiedete Terminservice- und Versorgungsgesetz soll künftig den Einfluss von „reinen Kapitalinvestoren auf medizinische Versorgungszentren“ beschränken.

Die Regierung möchte die Gründung von Versorgungszentren erschweren, um dem fortschreitenden Konsolidierungstrend in der Branche entgegenzutreten. Bislang kann ein Private-Equity-Investor, der ein Krankenhaus gekauft hat, deutschlandweit Versorgungszentren gründen und damit auch zahnärztliche Behandlungen anbieten. Die Bundesregierung möchte verhindern, dass die Versorgungszentren ausschließlich in einkommensstarken Ballungszentren entstehen. Denn genau darin liegt der Werthebel für Private Equity.

Welche Strategie Castik in Bezug auf Alldent verfolgt, wollte der Investor auf Nachfrage nicht kommentieren.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de