Das Private-Debt-Team von Hauck & Aufhäuser aus dem Büro im Frankfurter „Main Building" hat den ersten Deal gemacht. Im Hintergrund: Die Zwillingstürme der Deutschen Bank, die den Deal eingefädelt hat.

Main Building Taunusanlage

20.02.20
Deals

Deutsche Bank verhilft Hauck & Aufhäuser zum ersten Private-Debt-Deal

Dem jungen Kreditfonds von Hauck & Aufhäuser ist mit Hilfe der Deutschen Bank der erste Deal geglückt – und das sogar ohne Private-Equity-Kontext. Wie es dazu kam und welche Kooperationsmodelle sich jetzt am Markt etablieren.

Der erste Deal ist nie leicht – und schon gar nicht für einen neuen Debt-Fonds, der Mittelständler finanzieren möchte, hinter denen kein Private-Equity-Investor steht. Dem erst Anfang 2019 gestarteten Debt-Fonds der Privatbank Hauck & Aufhäuser ist das mit dem österreichischen Immobilieninvestor Supernova nun aber gelungen – zusammen mit der Deutschen Bank.

Unter dem Dach der H&A Global Investment Management (HAGIM) verwaltet der ehemalige Deutsch-Banker Richard Kuckelkorn mit seinem dreiköpfigen Team derzeit 500 Millionen Euro. Bis zum finalen Closing soll die Summe auf 1 Milliarde steigen. HAGIM ist ein Joint Venture zwischen der Privatbank Hauck & Aufhäuser und der Muttergesellschaft des Versicherers Frankfurter Leben, hinter der der chinesische Investor Fosun steht, dem auch die Bank gehört. Pro Transaktion kann der Kreditfonds zwischen 10 und 100 Millionen Euro bereitstellen.

Deutsche Bank hat Supernova-Deal vorstrukturiert

Bei der Supernova wurde dieser Spielraum fast komplett ausgeschöpft: 75 Millionen Euro stellte HAGIM Ende 2019 als Akquisitionsfinanzierung zur Verfügung. Zustande kam der Deal aber über Umwege und die Deutsche Bank. Die österreichische Supernova startete ursprünglich als Entwickler von Einzelhandelsimmobilien in Slowenien und Kroatien, fokussiert sich seit 2015 aber auf den Kauf und den Betrieb von Bestandsimmobilien. 2019 wollte Supernova dann in Kroatien und Slowenien ein Retail-Immobilienportfolio im Wert von 225 Millionen Euro übernehmen.

Das Problem dabei: Die meisten angelsächsischen Investoren meiden diese Region, und die österreichische Supernova wollte ihren Kreditrahmen mit den Hausbanken nicht komplett ausreizen. Die Finanzierung sollte zudem das weitere Wachstum nicht blockieren. Um dieses Problem zu lösen, wandten sich die Österreicher an die Deutsche Bank, genauer gesagt an den dort für strukturierte Finanzierungen zuständigen Director Andreas Stuppnig und an Konstantin Kraus, Co-Head Private Debt Syndicate der Deutschen Bank. 

Drei Möglichkeiten wurden dem Deutsch-Banker zufolge diskutiert: eine reine lokale Immobilienfinanzierung, eine übergeordnete Holdingfinanzierung und ein Hybridmodell. „Es wurde am Ende die Mischung aus der übergeordneten nachrangigen Holding- und der lokalen vorrangigen Asset-Finanzierung“, berichtet Kraus. 

Deutsche Bank kooperiert nur situativ mit H&A

Für die Asset-Finanzierung seien lokale Banken genutzt worden. Die Finanzierung auf Holding-Ebene habe die Deutsche Bank dagegen zunächst vorgestreckt und auf das eigene Buch genommen, um Zeit zu sparen. „Wir mussten nur noch den richtigen Syndizierungspartner dafür finden“, meint Kraus. Das wurde schließlich der Debt-Fonds von Hauck & Aufhäuser – heute hat die Deutsche Bank von der Finanzierung nichts mehr auf dem eigenen Buch.

Die Syndizierung hätte aber nicht zwangsläufig über diesen Debt-Fonds laufen müssen, wie Kraus betont. Die Deutsche Bank betreibe das Syndizierungsgeschäft schließlich seit zig Jahren und handle dabei immer im Interesse ihrer Firmenkunden. „In diesem speziellen Fall war der Debt-Fonds aber die beste Lösung.“ Unter anderem, weil der Supernova die Investorenstruktur von HAGIM mit einem großen Versicherer dahinter gut vermittelbar gewesen sei. 

Diese Kooperationsmodelle gibt es am Markt

Ein starres Kooperationsmodell besteht zwischen HAGIM und der Deutschen Bank nicht. „Dafür sind unsere Strukturierungsmandate zu heterogen“, meint Kraus. Andere Banken handhaben die Kooperation mit Debt-Fonds durchaus anders. Die Credit Suisse arbeitet beispielsweise mit dem Schweizer Debt-Fonds Patrimonium zusammen. Dieser klinkt sich vereinfacht gesagt in das Kreditbuch der Bank ein. Beide sind bei Rang und Rendite gleichgestellt. Der Teil der Finanzierungssumme, den die Bank nicht mehr aufbringen kann oder will, wandert in den Fonds. 

Ein anderes Modell hat die Bank Berenberg entwickelt. Hier teilen sich Banken und Debt-Fonds eine Unitranche auf. Die Bank übernimmt einen kleineren, vorrangig besicherten und damit günstigeren Teil der Unitranche (Super Senior). Der Kreditfonds nimmt den größeren, nachrangig besicherten und damit riskanteren Teil (Senior). Für das finanzierte Unternehmen ist dieser Mix günstiger als eine reine Kreditfonds-Finanzierung. Dieses Modell wird bisher aber fast ausschließlich im Leveraged-Finance-Kontext genutzt, also wenn Private-Equity-Investoren eine Buy-out-Finanzierung suchen. 

„Für ein starres Kooperationsmodell sind unsere Strukturierungsmandate zu heterogen.“

Konstantin Kraus, Co-Head Private Debt Syndicate, Deutsche Bank

Ohne den Private-Equity-Kontext tun sich die Debt-Fonds in Deutschland weiterhin schwer. Die klassische Mittelstandsfinanzierung ist noch immer fest in der Hand von Banken. Für Richard Kuckelkorn von Hauck & Aufhäuser ist das in Ordnung, da er sich nicht als Gegner der Banken sieht: „Wir sind vielmehr ein Baustein, damit die Banken ihr Kapital sinnvoll einsetzen können“, so der ehemalige Banker. Da die Deutsche Bank etwa von der Supernova-Finanzierung heute nichts mehr auf dem eigenen Buch hat, hat sie mehr Spielraum für weitere Finanzierungen.

Richard Kuckelkorn reicht Banken die Hand

Kuckelkorn glaubt außerdem, dass bei vielen Mittelständlern derzeit ein Umdenken stattfindet. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnten Mittelständler komplexe Struktur- oder ungewöhnliche Wachstumsthemen mit ihren Kernbanken nicht mehr so einfach umsetzen wie in den Boom-Jahren, meint er. „Wir sehen viele neugierige Mittelständler, bei denen wir schnell Gehör finden.“ Unternehmen sollten ihre Finanzierungen jetzt wetterfest machen, rät der Debt-Fonds-Manager. 

„Im Ernstfall ist unser Kredit dann ungefähr so teuer wie Mezzanine-Kapital.“

Richard Kuckelkorn, Head of Private Debt, H&A Global Investment Management

Dabei appelliert er auch an die Banken und reicht diesen die Hand: „Wir bieten beispielsweise auch ein Airbag-Produkt an.“ Debt-Fonds und Bank seien bei diesem Ansatz zunächst gleichrangig und damit für den Firmenkunden auch gleich teuer. Sollten sich in der Krise dessen Geschäftszahlen verschlechtern, würde der Debt-Fonds automatisch in den Nachrang rutschen (Second Lien) und sich der Zins dementsprechend erhöhen. „Im Ernstfall ist unser Kredit dann ungefähr so teuer wie Mezzanine-Kapital“, meint Kuckelkorn. Sobald sich die Lage des Unternehmens wieder verbessere, sprängen Rang und Kosten wieder auf das Ausgangsniveau zurück.

In kriselnden Branchen wie Automotive, Maschinenbau oder dem stationären Handel kämen diese Krisenschutzelemente gut an, meint Kuckelkorn. Es klingt fast schon paradox: Debt-Fonds haben hierzulande noch keinen vollständigen Konjunkturzyklus durchlaufen, aber es könnte ausgerechnet der nächste Abschwung sein, der Private Debt die Tür zum Mittelstand öffnet.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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