Frankfurt am Main lockt nicht nur Banken, sondern auch internationale Private-Equity-Häuser an. Was haben die neuen Deutschlandbüros bisher gebracht?

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25.11.19
Deals

Die Bilanz der Private-Equity-Newcomer

2018 haben viele internationale Private-Equity-Investoren erstmalig deutsche Büros eröffnet – darunter KKR, aber vor allem viele nordeuropäische Häuser. Wie haben sie sich seitdem geschlagen? Teil 1 des FINANCE-Reports.

Ob KKR, FSN Capital, Gilde Healthcare, Via Equity, Verdane oder Naxicap: Vergangenes Jahr haben viele internationale Private-Equity-Investoren ihre Zelte in Deutschland aufgeschlagen und Niederlassungen eröffnet – allerdings mit unterschiedlichen Hintergründen und Schlagkraft. Wir haben nachrecherchiert, wie es den Fonds seitdem ergangen ist und welche Deals die deutschen Stadthalter an Land ziehen konnten.

Den Anfang unserer zweiteiligen Analyse machen die Häuser, die den deutschen Markt aus anderen Ländern heraus schon länger bearbeiten und das deutsche Büro im vergangen Jahr quasi nachgezogen haben. In diese Kategorie fallen der norwegische Finanzinvestor Verdane Capital, die französische Beteiligungsgesellschaft Naxicap Parnters und streng genommen auch der Private-Equity-Gigant KKR. 

KKR schlägt Zelte in Frankfurt auf und hat Medienplan

Den US-Finanzinvestor als Newcomer zu bezeichnen, klingt zwar bizarr – ist KKR doch schon seit 20 Jahren in Deutschland aktiv und hat nach eigener Aussage bereits rund 7 Milliarden Euro Eigenkapital in mehr als 25 deutsche Unternehmen investiert. Tatsächlich hat der weltweit wohl bekannteste Private-Equity-Investor aber erst Anfang 2018 sein erstes Deutschlandbüro in Frankfurt eröffnet. Geleitet wird es von Managing Director Christian Ollig. Insgesamt arbeiten im deutschen Team derzeit 20 Investment-Professionals.

Die Kapazitäten vor Ort braucht KKR auch: Nur wenige Monate nach der Standorteröffnung kündigte der Finanzinvestor ein großangelegtes Investitionsprojekt in der Medienbranche an. Dafür übernahmen die US-Amerikaner die Tele-München-Gruppe und dockten daran Universum Filmverleih, die Filmproduktionsfirma Wiedemann & Berg sowie Günter Jauchs Produktionsfirma i&u TV an. Im Sommer stieg KKR darüber hinaus auch noch für 2,9 Milliarden Euro bei Axel Springer ein, mit dem Ziel, den Medienkonzern außerhalb der Börse umzukrempeln. 

Verdane kommt nach Berlin und kauft Momox

Verdane hat seit August 2018 ein Büro in Berlin, das von dem Partner Staffan Mörndal geleitet wird. Mit Director Hendrik Wildhagen sowie je einem Associate und Principal arbeiten vier Investment-Professionals an deutschen Deals. Ende Oktober gab Verdane die Übernahme des Berliner Onlinehändlers Momox bekannt, an dem die Skandinavier zuvor schon minderheitlich beteiligt waren.

Der deutsche Markt ist für die Norweger jedoch kein Neuland. Auch ohne ein eigenes Deutschlandbüro konnte Verdane bereits vier Beteiligungen an Land ziehen: das Hannoveraner Softwareunternehmen Hornet Security, den Aachener Online-Modehändler für Übergrößen Navabi, die Berliner Internetplattform Search Metrics und das Berliner Fintech Smava. 

Verdane investiert derzeit aus einem europäischen Fonds heraus, der 2018 aufgelegt wurde und umgerechnet rund 550 Millionen Euro schwer ist. Seit 2003 haben die Norweger nach eigener Aussage bereits 1,8 Milliarden Euro bei Investoren eingesammelt. Verdane investiert überwiegend in technologiebasierte Wachstumsunternehmen. 

Naxicap startet in Frankfurt und kauft Teufel

Die französische Beteiligungsgesellschaft Naxicap hat ebenfalls seit vergangenem Jahr ein Deutschlandbüro – allerdings nicht in Berlin, sondern in Frankfurt. Geleitet wird es von Geschäftsführer Peter Pergovacz. Naxicap ist der Private-Equity-Arm des französischen Asset-Managers Natixis, der wiederum den französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken gehört.

Anfang November gab Naxicap die Übernahme des Trierer Dachspezialisten Alwitra bekannt. Verkäufer war der bisherige Eigentümer Joachim Gussner. In Deutschland aktiv ist Naxicap nach eigener Aussage bereits seit 2016. Den ersten Plattformdeal schlossen die Franzosen aber erst im April 2018 ab, als Naxicap den Lautsprecherhersteller Teufel im Rahmen eines Tertiary Buy-outs von dem Londoner Finanzinvestor HG Capital übernahm. Finanziert wurde die Transaktion von dem britischen Debt-Fonds Blue Bay. Zuvor hatte Naxicap mit den beiden Zeitarbeitsfirmen Time Partner und Zaquensis lediglich zwei Add-on-Transaktionen für House of HR getätigt.  

Naxicap verwaltet nach eigenen Angaben 3,4 Milliarden Euro und investiert seit über 25 Jahren in kleinere und mittelständische Unternehmen. Die Equity-Tickets liegen zwischen 30 und 200 Millionen Euro. Einen Branchenfokus hat Naxicap nicht.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

KKR, Verdane und Naxicap kannten den deutschen Markt bereits, als sie ihre Deutschlandbüros eröffnet haben. Mit Blick auf die ersten Transaktionen war das sicherlich von Vorteil. Im zweiten Teil unserer Newcomer-Analyse, erfahren Sie wie sich FSN Capital, Via Equity und Gilde Healthcare geschlagen haben, die mit ihren Büros in Deutschland komplettes Neuland betreten haben.