Mehr Geld für Buy-Outs: EQT sammelt für seinen neuen Debt-Fonds rund 2,3 Milliarden Euro ein.

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10.12.18
Deals

EQT sammelt 2,3 Milliarden für neuen Debt-Fonds ein

Der Finanzinvestor EQT hat für einen neuen Debt-Fonds 2,3 Milliarden Euro eingesammelt. Mit dem Geld sollen in Deutschland jetzt mehr mittelständische Buy-outs wie zuletzt Medifox finanziert werden.

Der Finanzinvestor EQT vervierfacht seine Feuerkraft bei der Finanzierung von europäischen Mittelständlern. Wie EQT am heutigen Montag mitteilte, schloss der neue „Mid-Market Credit Fonds II“ bei Kapitalzusagen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte EQT nach eigener Aussage rund 1 Milliarde angestrebt.

Das neue Fondsvolumen inkludiert laut EQT den „erwarteten Leverage“. Investoren hätten sich also mit Eigen- oder Fremdkapital einbringen können, ergänzte EQT auf Nachfrage ohne Details zur Aufteilung zu nennen.

EQT finanzierte Medifox-Übernahme

Der erst 2016 aufgelegte Vorgänger-Fonds war mit 530 Millionen Euro deutlich kleiner. Er ist laut EQT bereits komplett ausfinanziert. Ein Investment in Deutschland war der Softwareanbieter Medifox, der im Mai diesen Jahres von dem Finanzinvestor ECM an den britischen Branchennachbarn HG Capital weitergereicht wurde. Finanziert wurde der Deal dem Datenanbieter PitchBook zufolge zusammen mit dem Debt-Fonds des Finanzinvestors Ardian.

Details zu den Investmentkriterien für den neuen Fonds nannte EQT auf Nachfrage nicht. Laut eines Sprechers seien sie aber dieselben wie bei dem ersten Fonds. Damals sagte EQT gegenüber FINANCE, dass die Ticketgrößen zwischen 15 und 80 Millionen Euro pro Investment lägen. Laut EQT wurden aus dem neuen Fonds bereits rund 30 Prozent in zwölf Unternehmen investiert, was insgesamt rund 700 Millionen Euro entspricht.

EQT finanziert mittelständische Buy-outs

Debt-Fonds finanzieren hierzulande vor allem Buy-outs von Private-Equity-Investoren, da sie im Vergleich zu vielen Banken mehr Leverage bieten können. Mit dem neuen Midmarket-Fonds verschärft sich der Wettbewerb unter den Finanzierungspartnern noch mehr. Bereits jetzt versuchen neben den klassischen Banken mehr als 50 verschiedene Debt-Fonds mit Private-Equity-Investoren ins Geschäft zu kommen.

Neben reinen Debt-Fonds wie Ares, Hayfin, Bluebay oder Pemberton sind das zunehmend auch Private-Equity-Investoren, die immer größere und bisweilen milliardenschwere Debt-Fonds auflegen. Dazu gehören neben EQT beispielweise Permira, Ardian, CVC, Blackrock oder KKR.

Banken haben durch diesen harten Finanzierungswettbewerb dem Finanzierungsberater GCA Altium zufolge inzwischen über die Hälfte der Marktanteile bei der Buy-out-Finanzierung von mittelständischen Private-Equity-Unternehmen an die Debt-Fonds verloren. Eine von FINANCE im Sommer durchgeführte Umfrage unter deutschen Small- und Midcap-Fonds hat ergeben, dass jedes dritte Private-Equity-Haus bereits Debt-Fonds nutzt.

EQT hat bereits 5,3 Milliarden Euro Debt investiert

Die langfristige Finanzierung mittelständischer Buy-outs und Familienunternehmen ist aber nur eine von drei verschiedenen Kreditstrategien von EQT. Eine wird über die EQT Credit Funds I und II abgebildet. Die Fonds sind zusammen rund 1,2 Milliarden Euro schwer und investieren mittel- bis langfristig in Unternehmen, die operativ zwar gesund, jedoch hoch verschuldet sind. Der erste davon ist bereits ausinvestiert.

Hinzu kommt der 1,3 Milliarden Euro schwere Fonds „EQT Credit Opportunities III“. Er finanziert auch über den Sekundärmarkt Unternehmen in „komplexen“ Situationen und stellt diesen mittelfristige „kreative“ Kapitallösungen zur Verfügung, wenn sich das Unternehmen nicht mehr über den Kapitalmarkt refinanzieren kann.

Seitdem die Kreditplattform im Jahr 2008 aufgelegt wurde, hat EQT nach eigener Aussage bereits rund 5,3 Milliarden Euro in über 170 Unternehmen investiert. Die DNA von EQT liegt jedoch im Private-Equity-Geschäft, was allein der jüngste europäische Buy-out-Fonds verdeutlicht. Im Februar schloss EQT seinen bereits achten Beteiligungsfonds mit dem Rekordvolumen von 10,75 Milliarden Euro – es war der größte Fonds der Firmengeschichte.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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