Hanns Ostmeier beteiligt sich an Halder und übernimmt die Spitze des Verwaltungsrats. Er will Halder-CEO Paul de Ridder bei dessen ehrgeizigen Wachstumsplänen unterstützen.

Halder

09.04.13
Deals

Ex-Blackstone-Chef Ostmeier wird Partner bei Halder

Paukenschlag im deutschen PE-Markt: Der frühere Deutschland-Statthalter des Mega-Fonds Blackstone und Ex-BVK-Chef Hanns Ostmeier wird Partner und Gesellschafter beim Mittelstandsfonds Halder. Dort will er nur dezent im Tagesgeschäft mitmischen – und hat dennoch eine ehrgeizige Agenda im Gepäck.

Mit einer überraschenden Personalentscheidung wirbelt der PE-Investor Halder den deutschen Private-Equity-Markt durcheinander: Hanns Ostmeier, früherer Deutschlandchef des PE-Investors Blackstone, steigt als Partner, Gesellschafter und Chef des Verwaltungsrats bei dem Frankfurter Mittelstandsfonds ein. Der passionierte Segler war von 2007 bis 2012 Chef des Branchenverbands BVK und in dieser Zeit das Gesicht der deutschen Private-Equity-Industrie.

Ostmeiers Einstieg als Teilhaber wurde möglich, nachdem sich vor wenigen Wochen der belgische Finanzinvestor Gimv aus dem Halder-Gesellschafterkreis zurückgezogen hatte. „Wir sind jetzt komplett frei“, kommentierte Halder-CEO Paul de Ridder heute gegenüber FINANCE die aktuelle Entwicklung. „Mit Hanns Ostmeiers Unterstützung wollen wir größer werden.“

Hanns Ostmeier will Halder bei Mittelständlern voranbringen

Ostmeier will vor allem die Fondsstrategie prägen und Impulse für die Weiterentwicklung der Portfoliounternehmen geben, wie er FINANCE gegenüber erklärte. Aus dem Tagesgeschäft will er sich heraushalten, dafür aber die Direktansprache von Mittelständlern forcieren.

Damit adressiert er einen Schwachpunkt von Halder, denn in den vergangenen Jahren hat das PE-Haus nur wenige proprietäre M&A-Deals generieren können. Die meisten Beteiligungen wurden im Rahmen strukturierter Auktionsprozesse als Secondary oder Tertiary Buy-out eingegangen. Ostmeier stärkt auch die Wahrnehmung Halders als deutscher PE-Fonds, die Halder in den zurückliegenden Jahren forciert hat: „Unser Fokus liegt unverändert auf Deutschland“, macht Ostmeier deutlich.

Halder peilt Fondsgröße von 400 bis 500 Millionen Euro an

Die Konzentration auf Deutschland verbindet Halder mit einem ambitionierten Wachstumsplan. Halders aktueller Buy-out-Fonds kommt auf ein Volumen von 325 Millionen Euro. Damit rangiert Halder im Mittelfeld der deutschen PE-Industrie. Hiesige Wettbewerber wie die Deutsche Beteiligungs AG (650 Millionen Euro) oder Quadriga Capital (525 Millionen Euro), aber auch  ausländische PE-Investoren wie Axa Private Equity, Montagu und Silverfleet sind Halder bei der Fondsgröße deutlich voraus.

Die Lücke wollen Ostmeier und Halder-CEO Paul de Ridder so schnell wie möglich schließen, der nächste Fonds soll 400 bis 500 Millionen Euro groß werden. Die Unterstützung beim Fundraising könnte Ostmeiers erste große Aufgaben sein, schließlich ist der aktuelle Halder-Fonds bereits zu 40 Prozent investiert, Ende 2014 läuft die Investitionsperiode aus. 

Doch das Fundraisingumfeld ist hart. Einen größeren Nachfolgefonds haben zuletzt nur wenige deutsche PE-Investoren auf die Beine stellen können, zum Beispiel die DPE Deutsche Private Equity, die vor wenigen Wochen ihr Fundraising bei 350 Millionen Euro abschließen konnte. ECM gelang es im Vorjahr immerhin, das Fondsvolumen bei 230 Millionen Euro konstant zu halten, während der PE-Investor Steadfast Capital einen Rückgang der Fondsgröße von 193 auf 130 Millionen Euro hinnehmen musste. Auch Branchenführer wie Blackstone schrumpfen.

„Das schwierige Umfeld ist aber gut für uns“, meint de Ridder. „Viele Fonds werden kleiner, manche Wettbewerber wie 3i, Granville Baird oder CBR Equivest werden gar keine Nachfolgefonds auflegen. Das verbessert unsere Marktstellung.“

Halder geht mit Net IRR von 20 Prozent ins Fundraising

Halder hat die Weichen für ein wachsendes Fondsvolumen bereits gestellt, Ostmeiers Einstieg ist nur der jüngste von mehreren Schritten, mit denen de Ridder Halders Schlagkraft erhöht hat: Das Investmentteam hat er ebenso aufgestockt wie Support-Funktionen, auch das Netzwerk aus Industrieberatern, auf die Halder so stark wie kaum ein anderer PE-Investor im deutschen Mittelstand setzt, wächst weiter. Kürzlich erst wurde ein Senior Advisor für Asien engagiert, der die Halder-Portfoliounternehmen beim Gang nach Asien unterstützen soll.

Im Gegensatz zum Deal-Sourcing sieht Halders Leistungsnachweis bei der Weiterentwicklung der Portfoliounternehmen gut aus. In den 20 Jahren, die Halder schon im Geschäft ist, hat das PE-Haus laut de Ridder eine jährliche Netto-Rendite (Net IRR) von rund 20 Prozent erzielt, nur 4 Prozent des investierten Kapitals musste später abgeschrieben werden.

Und das Portfolio hat sich als krisenfest erwiesen: Die fünf Investments, die Halder unmittelbar vor dem Lehman-Kollaps getätigt hatte, sind inzwischen alle wieder verkauft worden. „Selbst mit diesen Unternehmen haben wir einen Net IRR von 15 Prozent realisiert“, sagt de Ridder. Für Ostmeier sei es vor allem die Performance des Portfolios in der Wirtschaftskrise, die ihn „letztlich von Halder überzeugt“ habe, wie er FINANCE gegenüber erläuterte.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de