Die Sonne geht über Frankfurt unter – hinter den Wolkenkratzern zu sehen ist das Westend, in dem Sun Capital bis zuletzt sein Büro hatte.

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05.07.17
Deals

Finanzinvestor Sun Capital zieht sich aus Deutschland zurück

Sun Capital hatte vor zwei Jahren eine Deutschland-Offensive ausgerufen. Doch jetzt schließt das Private-Equity-Haus nach Informationen von FINANCE seine Frankfurter Dependance.

Der Finanzinvestor Sun Capital schließt sein Frankfurter Büro. Das hat FINANCE von mehreren mit der Sache vertrauten Personen erfahren. Die einzige deutsche Beteiligung Flabeg wird demnach in Zukunft von London aus gesteuert, ebenso wie mögliche weitere Zukäufe. Sun wollte die Meldung auf FINANCE-Anfrage nicht kommentieren.

Sun European Partners – so der Name der europäischen Dependance des US-Finanzinvestors – hatte vor knapp zwei Jahren unter dem damals neu hinzugekommenen Deutschlandchef Andreas Bösenberg angekündigt, hierzulande wieder mehr Deals machen zu wollen. Teil der ausgerufenen Strategie war, sich anders als in der Vergangenheit nicht auf harte Sanierungsfälle, sondern auf gesunde, aber margenschwache Firmen zu konzentrieren. 

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Flabeg blieb einziges Investment von Sun Capital in Deutschland

Das Investment in den Autospiegelhersteller Flabeg aus dem September 2015 – ein Carve-out aus einer insolventen Holding – sollte nur das erste von vielen Investments nach diesem Muster sein. Doch Flabeg blieb in den zwei Jahren der einzige Zukauf.

Jetzt hat Andreas Bösenberg Sun Capital nach FINANCE-Informationen verlassen. In Frankfurt haben unter ihm zwei Investmentmanager in den Hierarchiestufen Vice President und Associate sowie eine Assistentin gearbeitet. Was mit diesen Mitarbeitern passiert, ist zunächst unklar, während Sun das Büro im Frankfurter Westend schließt. Andreas Bösenberg war von FINANCE für eine Anfrage zum Thema nicht zu erreichen.

„Es liegt nicht in der DNA von Sun, für Unternehmen hohe Bewertungen zu bezahlen“, sagte eine mit der Sache vertraute Person zu FINANCE. „Diese Herangehensweise passt nicht zu den enormen Preisen, die aktuell am M&A-Markt verlangt werden.“ So sei zu erklären, dass Sun in Deutschland abgesehen von Flabeg nicht zum Zuge kam, was wiederum der wesentliche Grund für den Rückzug gewesen sein dürfte.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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