Waterland-Partner Jörg Dreisow kündigt im FINANCE-Interview den Teilumzug von Düsseldorf nach Hamburg an.

Waterland / Gerard1610/iStock/Thinkstock/Getty Images

31.08.17
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Finanzinvestor Waterland sucht nach deutschen Firmen

Das niederländische Private-Equity-Haus Waterland hat mehr Geld eingeworben als je zuvor. Der deutsche Partner Jörg Dreisow spricht über hiesige Beteiligungen – und den Teilumzug von Düsseldorf nach Hamburg.

Der niederländische Finanzinvestor Waterland hat das Fundraising für seinen siebten Fonds beendet. Innerhalb von zwei Monaten hat das auf mittelgroße Buy-outs spezialisierte Private-Equity-Haus 2 Milliarden Euro eingesammelt und damit das Volumen des vorangegangenen Fonds von 1,55 Milliarden Euro übertroffen.

Bislang hat Waterland meist rund ein Drittel des Kapitals in Deutschland investiert. Zwar dürfte diese Zahl eher sinken, weil Waterland anders als noch vor einigen Jahren neben den Niederlanden und Deutschland jetzt auch in Polen und Großbritannien vertreten ist. Dennoch bleibt Deutschland ein wichtiger Markt für Waterland, betont Jörg Dreisow im Interview mit FINANCE. Dreisow leitet das Münchener Waterland-Büro.

Waterland kommt vom Megatrend zur Beteiligung

Die Strategie von Waterland ist gemessen am eher gleichförmigen deutschen Private-Equity-Geschehen recht spezifisch. „Wir haben vier Megatrends definiert“, erklärt Dreisow. „Erstens der demographische Wandel, zweitens Freizeit und Luxus, drittens Outsourcing und Effizienz und viertens Nachhaltigkeit.“

„Diese Megatrends dienen uns als Suchfernrohr“, führt der 50-Jährige aus, der seit 2006 bei Waterland arbeitet. „Wir suchen Subsektoren, die davon profitieren dürften. Innerhalb dieser Subsektoren suchen wir dann nach Übernahmezielen. In den meisten Fällen sprechen wir die Gesellschafter beziehungsweise das Unternehmen direkt an.“

Hanse Orga setzt auf Automatisierung der Finanzabteilung

Kommt es zur Übernahme, ist das meist nur die erste einer Reihe von Transaktionen: „Wir glauben an die Schaffung von stärkeren Einheiten. Wir beteiligen uns an Unternehmen, die sich als Konsolidierungsplattform eignen, und bauen diese Unternehmen dann durch Add-ons aus.“

Als Beispiel nennt Dreisow das Thema Outsourcing und Effizienz. Waterland sucht nach Sektoren, in denen zunehmend ausgelagert wird. „Das ist zum Beispiel der IT-Bereich. In Deutschland hat uns diese Herleitung vor rund einem Jahr zur Beteiligung an dem Hamburger Softwarehaus Hanse Orga geführt.“ Hanse Orga stellt spezialisierte SAP-Software für den Zahlungsverkehr her – „etwas, das Unternehmen immer effizienter und automatisierter erledigen wollen."

Genaue Zahlen zur Performance vorangegangener Fonds nennt Waterland nicht. Doch dass das 1999 gegründete Private-Equity-Haus seinen Investoren in der Vergangenheit überdurchschnittliche Gewinne bot, ist in der Branche bekannt. So landete Waterland bei einem Ranking der Pariser Wirtschaftsuniversität HEC für 2016 auf dem ersten Platz. Die HEC bewertet in der Rangliste die Performance von Private-Equity-Häusern fondsübergreifend über die jeweils letzten zehn Jahre hinweg.

Waterland verlegt Düsseldorf-Büro nach Hamburg

Sein Düsseldorfer Büro wird Waterland Anfang 2018 nach Hamburg verlagern, sagt Dreisow und bestätigt damit Marktgerüchte. Der Düsseldorfer Bürochef Carsten Rahlfs sowie das gesamte Investmentteam würden mit umziehen. Waterland hatte das Düsseldorfer Büro als ersten Deutschland-Standort gegründet, erst acht Jahre später baute Dreisow die Münchener Dépendance auf, von der das Haus Süddeutschland, Österreich und die Schweiz bearbeitet.

„Zum einen ist das mit Blick auf die Portfoliofirmen und Beteiligungsziele sinnvoll, weil wir mit München und Hamburg Deutschland gut abdecken“, begründet Dreisow den baldigen Teilumzug vom Westen in den Norden. „Zum anderen merken wir, dass der Standort Hamburg auch im Recruiting sehr attraktiv ist.“

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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