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16.06.16
Deals

„Fintechs sind reif für Private Equity“

Noch traut sich kaum ein Investor an Fintechs heran. Ein Fehler, sagt der M&A-Berater Andreas Kinsky. Denn für gute Geschäftsmodelle wird es „lukrative Exit-Möglichkeiten geben“.

Jeder redet von Fintechs. Die Finanz-Start-ups würden die Geschäftsmodelle von Banken zerstören, heißt es. Und dass die Investments in Fintechs weltweit stetig steigen. 5,7 Milliarden Dollar waren es im ersten Quartal, 84 Prozent mehr als in den drei Monaten davor, ergibt eine Studie von KPMG und CB Insights.

Doch deutsche Private-Equity-Investoren schleichen um die Finanz-Start-ups noch herum, statt zu investieren. Das belegen Daten des Beratungs- und Analysehauses Barkow Consulting: 1.050 Investments in Fintechs hat der Frankfurter Dienstleister in Deutschland seit 2009 erfasst. Sage und schreibe vier davon kamen von Private-Equity-Investoren.

Die Berührungsangst hat im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens beteiligen die wenigsten Finanzinvestoren sich überhaupt an Finanzunternehmen, weil es in dem Segment schwieriger ist, per Buy-out Geld zu verdienen: Die Branche ist stark reguliert, etwa was das vorgelegte Eigenkapital angeht. Und viele Finanzfirmen haben an sich schon hohe Schulden auf den Büchern, so dass einem Investor bei der Optimierung der Kapitalstruktur enge Grenzen gesetzt sind.

M&A-Berater Andreas Kinsky: “Fintechs haben Kapitalbedarf”

Der zweite Grund: Nur wenige Fintechs haben in Deutschland bisher eine Größe erreicht, die sie interessant für Private-Equity-Investoren macht. Dieser Umstand war bisher das K.O.-Kriterium für viele Investoren. Die Logik: Wozu Kompetenz in einem Bereich aufbauen, der noch jenseits aller relevanten Größenordnungen ist?

Andreas Kinsky ist Partner bei der Corporate-Finance-Beratung Quarton. Er berät seit 2004 Wirecard bei M&A-Deals und am Kapitalmarkt – der Zahlungsdienstleister ist mit einem Börsenwert von knapp 5 Milliarden Euro das mit Abstand erfolgreichste deutsche Ex-Fintech.

Kinsky glaubt, dass der Erfolg von Wirecard kein Einzelfall bleiben muss – und dass Private-Equity-Investoren mitverdienen können. „Die Zeit ist reif, sich die Unternehmen und deren Vorhaben genauer anzuschauen“, rät M&A-Berater Kinsky. „Venture-Capital-Gesellschaften haben viel Geld in Fintechs gesteckt. Jetzt sind einige Unternehmen reif für Private Equity, und sie haben weiteren Kapitalbedarf.“

Andreas Kinsky: „Banken werden gute Fintechs kaufen“

Eines der Fintechs, das in das Blickfeld der Private-Equity-Investoren rücken könnte, ist aus Kinskys Sicht Kreditech. Die Hamburger benutzen Daten, um die Kreditwürdigkeit von privaten Schuldnern zu bewerten, insbesondere in Schwellenländern, und vergeben auf Basis dieser Ratings Kredite. In der vierten Finanzierungsrunde, der so genannten Series C, hat das 2012 gegründete Unternehmen im vergangenen Herbst 82,5 Millionen Euro eingesammelt. Den Großteil des neuen Fundings stellte J.C. Flowers, ein Private-Equity-Investor.

Der Reiz des Segments liegt für Kinsky in der Tatsache, dass Banken und andere Unternehmen der Finanzbranche ihre Geschäftsmodelle zwangsläufig in die digitale Gegenwart holen müssen, um zu überleben. „Das bedeutet oft: Erst die Konkurrenz durch Start-ups ignorieren, dann nachmachen, und dann eben doch kaufen, weil die beiden anderen Lösungen gescheitert sind.“ Hier kommen die Investoren ins Spiel. Haben sie auf das richtige Geschäftsmodell gesetzt, können sie bei den strategischen Käufern hohe Preise verlangen.

So ähnlich lief es bei dem Investment von Brockhaus Private Equity in 360T. Die Devisenhandelsplattform dürfte beim Einstieg im Jahr 2009 sehr günstig für Marco Brockhaus‘ Beteiligungsgesellschaft gewesen sein, weil die Erfolgsgeschichte damals gerade erst Fahrt aufnahm. 2012 stieg mit Summitt Partners ein weiterer Investor ein. Vor einem Jahr schließlich ging das Unternehmen für 725 Millionen Euro an die Deutsche Börse – einer der bisher wenigen Beweise dafür, wie erfolgreich deutsche Investoren mit Fintechs sein können. Zur Rendite will Brockhaus keine Angaben machen. Aber der Beobachter darf davon ausgehen, dass er seinen ursprünglichen Einsatz rasant vervielfacht hat – deutlich stärker, als konventionelle Private-Equity-Investments es erlauben.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de