Der kanadische Pensionsfonds Omers steigt mit 25 Prozent beim Waggonvermieter VTG ein.

VTG

14.06.19
Deals

Neuer VTG-Investor Omers: „Wir haben einen langen Atem“

Der kanadische Pensionsfonds Omers Infrastructure übernimmt 25 Prozent an dem Waggonvermieter VTG – das zweite Deutschland-Investment nach Tank & Rast. Omers-Infrastructure-Chef Ralph Berg erklärt, was die Kanadier genau vorhaben.

Herr Berg, Sie sind Kanadier mit deutschen Wurzeln und als Chef des kanadischen Pensionsfonds Omers Infrastructure verantwortlich für den Erwerb von 25 Prozent an dem Hamburger Waggonvermieter VTG. Willkommen zurück in Deutschland!

Vielen Dank! Tatsächlich bin ich nicht der einzige bei Omers, der gerne in Deutschland aktiv ist. Mit seinen stabilen Finanzen und der klaren Regulierung bietet Deutschland Investoren wie uns ein gutes Umfeld mit hoher Planungssicherheit.

Warum haben Sie als Target ausgerechnet VTG ausgewählt?

VTG betreibt eine Flotte von 94.000 Eisenbahnwaggons und hat über 1.000 Kunden mit sehr langfristigen Verträgen. Diese Diversifikation gefällt uns. Morgan Stanley hatte VTG zuerst als Target identifiziert und eine Beteiligung aufgebaut. Im Rahmen der Partnersuche wurden wir dann eingeladen, uns zu beteiligen, und jetzt sind wir als Partner mit einem Anteil von 25 Prozent dazu gekommen. Nach Tank & Rast ist das unser zweites Unternehmens-Investment in Deutschland.

Omers sieht sich als aktiver Investor

„VTG hat ein ähnliches Investmentprofil wie Tank & Rast.“

Ralph Berg, Global Head of Infrastructure, Omers

Als Juniorpartner von Morgan Stanley?

Omers ist ein aktiver Investor. Ohne eine klar definierte Führungsrolle auf Augenhöhe wären wir die Minderheitsbeteiligung an VTG niemals eingegangen, denn VTG hat ein ähnliches Investmentprofil wie Tank & Rast. Bei beiden Unternehmen muss man sich als Eigentümer wesentlich stärker einbringen als nach dem Kauf einer Pipeline oder eines Gasnetzes.

Das ist – mit Verlaub – nicht das, was man Infrastrukturinvestoren nachsagt. Den meisten ist eher an hohen Dividenden gelegen als an kreativen Wachstumsstrategien, wie man sie von Buy-out-Investoren kennt.

Auf Omers Infrastructure trifft das nicht zu. Das hängt auch mit unserem Auftrag zusammen. Omers verwaltet die Pensionsgelder von Angestellten der Provinz Ontario. Unsere Bilanzsumme beträgt über 100 Milliarden Kanadische Dollar, das sind rund 65 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Der Auftrag von Omers Infrastructure ist, immer rund 20 Prozent dieser riesigen Summe investiert zu halten. Unser Mindest-Investment beträgt 1 Milliarde Kanadische Dollar pro Transaktion. Inklusive Fremdkapital werden daraus Dealvolumina von 2,5 Milliarden Kanadischen Dollar und mehr. Das sind umgerechnet rund 2 Milliarden Euro. So viele Investitionsgelegenheiten, die zu uns passen und diese Größenordnung erreichen, gibt es nicht. Unser Ziel, im Infrastrukturbereich mit der Bilanz von Omers mit zu wachsen, erreichen wir also nur, wenn auch unsere Portfoliounternehmen wachsen.  

VTG-Eigner prüfen Add-on-Akquisitionen

Wie soll VTG denn konkret wachsen? Kartellrechtlich ist das Unternehmen in der Vergangenheit schon einmal an eine Grenze gestoßen. Um die Übernahme der französischen Nacco genehmigt zu bekommen, war VTG gezwungen, nennenswerte Teile von Nacco direkt wieder zu verkaufen.

Das war ein Einzelfall. Kartellrechtliche Grenzen sehe ich eigentlich nur für Zukäufe mit einem klaren Bezug zum deutschen Markt. In anderen europäischen Ländern sehe ich hingegen noch viel Potenzial für Add-on-Akquisitionen. Dort agieren zahlreiche finanzschwache Anbieter, viele davon sind staatsnah. Wenn sich die Anbieterseite weiter konsolidiert, sind diese Player gegenüber Unternehmen wie VTG, die finanzkräftige Eigentümer haben, klar unterlegen. Die Frage nach weiteren Akquisitionen ist aber eine sehr strategische. Was ich gerade dargelegt habe, ist meine Sicht auf die Dinge. Wir arbeiten hier mit Partnern zusammen und werden uns in den kommenden Monaten zusammensetzen, um gemeinsam strategische Fragen im Detail zu diskutieren.

„Wenn wir investieren, dann wollen wir auch dauerhaft im Aktionärskreis bleiben.“

Sie wären also bereit, bei Bedarf noch mehr Geld in VTG zu stecken?


Ja! Wir werden bei VTG einen langen Atem haben, denn wir investieren aus unserer eigenen Bilanz, und unser Kapital hat keine Laufzeitbeschränkung wie solches, das aus Fonds kommt. In aller Regel lautet unsere Devise: Wenn Omers Infrastructure investiert, dann wollen wir bei unseren Unternehmen dauerhaft im Aktionärskreis bleiben.

Noch hat Omers Infrastructure kein deutsches Büro. Ändert sich das jetzt?

Nein, dafür gibt es keine Pläne. Wir haben weltweit nur sechs Büros, weil wir glauben, dass es sich erst ab einer bestimmten Teamgröße effizient arbeiten lässt. Das europäische Büro ist in London. Dort sitzen 26 unserer insgesamt 67 Investment-Professionals, und einige davon sprechen Deutsch. Wir haben das klare Ziel, in Zukunft noch mehr in Deutschland zu machen.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Omers managt die Pensionsgelder für Angestellte der kanadischen Provinz Ontario und zählt mit einem verwalteten Vermögen von gut 100 Milliarden Kanadischen Dollar (über 65 Milliarden Euro) zu den größten Finanzinvestoren der Welt. Die Kanadier übernehmen 25 Prozent an VTG, Mehrheitseigner ist ein Fonds der Investmentbank Morgan Stanley. Zum Kaufpreis machte Omers keine Angaben, zuletzt wurde Europas größter privater Waggonvermieter aber mit rund 1,8 Milliarden Euro bewertet. Für sein zweites Infrastruktur-Investment in Deutschland dürfte der Pensionsfonds demnach rund 450 Millionen Euro investiert haben.