Kühne übergibt bei VTG an Morgan Stanley

VTG

16.07.18
Deals

Kühne übergibt VTG an Morgan Stanley

Klaus-Michael Kühne verkauft nach zwei Jahren sein 20-Prozent-Paket an dem Schienenlogistiker VTG an den Infrastrukturfonds der US-Investmentbank Morgan Stanley. Kühnes Rendite bei VTG lässt sich sehen.

Der deutsche Unternehmer Klaus-Michael Kühne verkauft seinen 20-Prozent-Anteil am Schienenlogistiker VTG an den Infrastrukturfonds der US-Investmentbank Morgan Stanley. Wie die Bank am heutigen Montag mitteilte, habe ihr Tochterunternehmen Warwick Holding mit der Kühne Holding im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebots eine unwiderrufliche Andienungsvereinbarung abgeschlossen.

Morgan Stanley bezahlt Kühne 53 Euro pro VTG-Aktie und bietet diesen Preis auch den übrigen Aktionären an. Das entspricht einem Aufschlag von 10 Prozent gegenüber dem Xetra-Schlusskurs vom Freitag. Trotzdem steigt der Aktienkurs im heutigen Handel auf mehr als 55 Euro und damit über den von Morgan Stanley gebotenen Preis.

Das SDax-Unternehmen wird laut der Nachrichtenagentur Reuters nun mit 1,52 Milliarden Euro bewertet. Hinzu kommen noch Nettofinanzschulden von 1,7 Milliarden Euro. Der von Morgan Stanley gebotene Unternehmenswert entspricht damit dem 9,4-Fachen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des abgelaufenen Geschäftsjahres (343 Millionen Euro). Der Umsatz betrug rund 1 Milliarde Euro. 

Kühne macht mit VTG 175 Millionen Euro Gewinn

Infolge des Deals mit Kühne kontrolliert Morgan Stanley nun 49 Prozent der VTG-Anteile und ist damit der mit Abstand größte Aktionär. Im Oktober 2016 war der Infrastrukturfonds bei VTG eingestiegen. Dem damaligen VTG-Großaktionär Andreas Goer bezahlte sie für die 29 Prozent 29 Euro pro Aktie. 

Kühne war wenige Monate vor Morgan Stanley bei VTG eingestiegen, indem er das Aktienpaket des US-Investors und heutigen US-Handelsministers Wilbur Ross gekauft hatte. Damals notierte die Aktie noch niedriger als beim Morgan-Stanley-Einstieg, in etwa bei 22 Euro. Damit hat Kühne in kaum mehr als zwei Jahren seinen Einsatz mehr als verdoppelt. Sein Gewinn liegt bei über 175 Millionen Euro. Kühne hatte seinen Einstieg im Mai 2016 als „rein finanzielles Investment“ bezeichnet.

Wie so viele Kühne-Beteiligungen hat auch VTG ein besonderes Merkmal: Der Unternehmenssitz befindet sich in Kühnes Heimatstadt Hamburg. Kühne hat auch große Summen in die Containerreederei Hapag-Lloyd und den Fußballklub Hamburger SV investiert, allerdings mit weniger Fortune als bei VTG.

Morgan Stanley will VTG keine neuen Schulden aufladen

Vertraut man den Zusagen der Großinvestoren, soll sich für VTG durch das Übernahmeangebot nicht viel verändern. Auch Morgan Stanley sieht sich als Finanzinvestor, der keinen Einfluss auf das operative Geschäft nehmen will, das unter anderem von Finanzchef Kai Kleeberg geführt wird. 

Morgan Stanley betont, dass man freundliche Absichten hege und keinen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag anstrebe. Auch auf eine Mindestannahmeschwelle verzichtet die Bank bei ihrem Übernahmeangebot. Zudem soll das Verschuldungsprofil von VTG nicht verändert werden.

Die Transaktion unterliegt noch den kartellrechtlichen Freigaben und ist daran geknüpft, dass die geplante Übernahme von CIT Rail in Frankreich durch die VTG-Gruppe vollzogen wird. Auch die US-Behörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de