Die Modekette Bench zählte zu den bekanntesten Marken im Emeram-Portfolio. Nun muss der Münchener Finanzinvestor die Insolvenz des britischen Modehauses verkraften.

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03.05.18
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PE-Investor Emeram verliert Bench

Rückschlag für den Münchener PE-Investor Emeram: Das britische Kult-Label Bench hat Insolvenz angemeldet. Damit verliert Emeram eines seiner ältesten Portfoliounternehmen.

Das Private-Equity-Haus Emeram muss einen Rückschlag verkraften: Das britische Modelabel Bench, eine der bekanntesten Marken im Portfolio der Münchener, hat Insolvenz angemeldet. Emeram war im April 2014 bei dem Bekleidungshersteller Americana International mit der zugehörigen Marke „Bench“ eingestiegen. Aktuell listet Emeram neben Bench noch acht weitere Portfoliounternehmen auf.

Gestellt wurde der Insolvenzantrag für die Konzernmutter Bench Limited in Großbritannien, die die Markenrechte hält. Auch die deutschen Dienstleistungsgesellschaften sind davon betroffen. Bench betreibt derzeit 36 Filialen, die meisten in Großbritannien und Deutschland.

Das Modeunternehmen begründet den Insolvenzantrag mit dem schwierigen Einzelhandelsmarkt in Großbritannien sowie einem nicht näher spezifizierten „größeren“ Logistikproblem im Jahr 2016. Die Abwertung des Britischen Pfunds sowie der harte Wettbewerb hätten die Probleme verstärkt. Das Private-Equity-Haus Emeram hat zu der Entwicklung bei Bench bislang auf FINANCE-Anfrage kein Statement abgegeben.

Eigentümer gaben Bench mehrfach Kapital

Die Pleite des Aushängeschilds im Investmentportfolio kam für Emeram wohl nicht aus heiterem Himmel, Bench hat offenbar mehrfach finanzielle Hilfe erhalten: „Unser Eigentümer hat uns mehrmals mit zusätzlichem Kapital unterstützt, um wichtige Investitionen in neue Filialen und Mitarbeiter zu tätigen“, heißt es von Barry Knight, Direktor von Bench Limited. Trotzdem sei es nicht gelungen, das Unternehmen auf eine wirtschaftlich nachhaltige Basis zu stellen.

Am Ende waren anscheinend sowohl die Geldhähne der Eigentümer als auch die der Banken versiegt: „Letztlich war es uns nicht mehr möglich, zusätzliche Liquidität für das Unternehmen aufzubringen, weder auf Eigenkapital- noch auf Fremdkapitalbasis“, teilt Knight in der Stellungnahme des Modelabels mit.

Emeram folgte auf PE-Investor Hg Capital

Die aus dem „Emeram Fund I“ finanzierte Bench-Transaktion im April 2014 war erst der zweite Deal des jungen Münchener Private-Equity-Investors Emeram. Der erste war der Einstieg bei dem Windsurfausrüster Boards and More Ende 2013. Neben der ebenfalls im April 2014 übernommenen Süßwarenkette Hussel zählte Bench zu den bekanntesten Marken im Portfolio. An beiden Transaktionen hatte Emeram nach eigenem Bekunden zuvor mehr als ein Jahr lang gearbeitet.

Emeram hatte Bench 2014 zu einem nicht genannten Preis von der Private-Equity-Gesellschaft Hg Capital übernommen. Hg Capital wiederum war 2007 eingestiegen, damals kursierte in britischen Medien ein Kaufpreis von rund 190 Millionen Pfund. Beim Weiterverkauf an Emeram wurde jedoch spekuliert, Hg Capital könnte womöglich einen Verlust mit seinem Investment verzeichnet haben.

Das Modeunternehmen wurde auf eine Bewertung von 100 Millionen Pfund geschätzt, die Verschuldung auf 150 Millionen Pfund taxiert. Emeram und Hg Capital hatten Stillschweigen über die Details der Transaktion vereinbart und keine offiziellen Zahlen zu dem Deal genannt.

CEO Bruno Sälzer gibt Bench-Management ab

Kurz nach seinem Einstieg hatte Emeram sich noch prominente Unterstützung für das Modelabel geholt: Der erfahrene Modemanager Bruno Sälzer kam als CEO an Bord und übernahm eine Beteiligung von 15 Prozent an Bench. Erst vor wenigen Wochen hatte Sälzer seinen Rückzug aus dem Bench-Management verkündet.

Bei Sälzers Einstieg im Sommer 2014 klangen die Bench-Zahlen noch vielversprechend: Das Unternehmen erzielte Emeram zufolge damals mit rund 400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro sowie zusätzlichen Umsatz von Lizenzpartnern in Höhe von rund 50 Millionen Euro. Bench arbeite profitabel und habe mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent eine sehr solide Finanzierungsbasis, verkündete Emeram damals stolz. Zuletzt hatte Bench keine konkreten Umsatzzahlen mehr genannt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de