PE-Investor Keensight nimmt Deutschland ins Visier

Keensight Capital

13.03.19
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PE-Investor Keensight nimmt Deutschland ins Visier

Der französische Private-Equity-Investor Keensight Capital hat 1 Milliarde Euro eingesammelt. Ein Teil dieser Gelder soll auch in deutsche Tech- und Healthcare-Unternehmen fließen – über eine eher unübliche Investmentstrategie.

Innerhalb von vier Monaten hat der französische Finanzinvestor Keensight Capital für seinen fünften Wachstumsfonds 1 Milliarde Euro eingeworben. Das gab Keensight vor wenigen Minuten bekannt. Gründer und Managing Partner Jean-Michel Beghin hat die Bücher für weitere mögliche Investoren bereits geschlossen. Ihm zufolge ist das First Closing zugleich das Final Closing, was in der Private-Equity-Welt recht selten vorkommt.

Keensights Investmentkriterien

Keensight Capital versteht sich als europäischer Wachstumsinvestor, der in profitable und organisch stark wachsende Unternehmen aus dem IT- und Healthcare-Sektor investiert. Diese Unternehmen setzen typischerweise jährlich zwischen 15 und 250 Millionen Euro um. Pro Transaktion investiert Keensight Beghin zufolge zwischen 20 und 200 Millionen Euro Eigenkapital, inklusive Co-Investments bis zu 300 Millionen Euro. Der Leverage liegt üblicherweise nicht höher als 3x Ebitda. „Unser Fokus liegt nicht auf dem Leverage, sondern auf profitablem organischem Wachstum der Unternehmen“, sagte Beghin im Gespräch mit FINANCE.

Zwei Punkte machen Unternehmen für Keensight interessant: Ein attraktives Investitionsziel muss internationale Ambitionen hegen, es muss innovative Produkte vertreiben. Dafür zeigt sich Keensight bei der Kapitalstruktur flexibel: Von Minderheitsinvestments über Club-Deals bis hin zur Komplettübernahme zeigt sich Beghin für alles offen. Nationale Buy-and-Build-Strategien verfolgt Keensight dagegen nicht. Add-on-Akquisitionen werden laut Beghin zwar punktuell getätigt, sollen das internationale organische Wachstum aber lediglich ergänzen.

Keensight hat ein zentrales Büro in Paris

Der internationale Ansatz spiegelt sich auch in der für Private Equity eher untypischen Aufstellung von Keensight wider. Der Finanzinvestor betreibt sein europaweites Geschäft von einem zentralen Büro in Paris aus. Auf Länderniederlassungen verzichtet der Private-Equity-Investor, für den insgesamt drei Deutsche arbeiten, genauso wie auf Länderchefs. „Wir sind ein internationales Team, das internationale Unternehmen sucht“, begründet Beghin diesen Ansatz, mit dem er sich gegen den allgemeinen Trend der Branche bewegt. Selbst Branchenschwergewichte wie KKR haben inzwischen eine Deutschlandniederlassung gegründet.

„Wir sind ein internationales Team, das internationale Unternehmen sucht.“

Jean-Michel Beghin, Managing Partner, Keensight Capital

In den vergangenen zwanzig Jahren hat Keensight mit diesem Ansatz nach eigenen Angaben in 52 Unternehmen investiert und 37 Exits realisiert, bei einer annualisierte Rendite (Internal Rate of Return, kurz: IRR) von 39 Prozent und einem durchschnittlichen Money Multiple von 2,8x. Stimmen diese Zahlen, dürfte Keensight eine der erfolgreichsten Beteiligungsgesellschaften Europas sein. Beghin zufolge waren mehr als 80 Prozent aller Transaktionen sogenannte Primaries, also Unternehmen, die zuvor noch keinen institutionellen Investor an Bord hatten.

Keensight hat erst einen Deal in Deutschland gemacht

Bisher kam Keensight allerdings erst bei einem einzigen deutschen Unternehmen zum Zug: 2016 hat der Private-Equity-Investor die Biomaterialsparte des Medizintechnikunternehmens aap Implantate übernommen und mit einem italienischen Anbieter fusioniert.

Das soll sich fortan deutlich ändern, das Gewicht deutscher Unternehmen im Keensight-Portfolio soll zulegen. Vor allem Entwickler von Banken-Software findet Beghin interessant: „Wir mögen zum Beispiel Software, die dort Compliance-Probleme adressiert.“ Aber auch Dienstleistungen im Bereich Cyber Security hält er für interessant.

Von Entwicklern und Implementierern von ERP-Systemen lasse man dagegen die Finger, da dieser IT-Subsektor zu sehr von Weltkonzernen wie SAP oder Oracle dominiert wird. Auch E-Commerce mag Beghin nicht: Die dort tätigen Unternehmen seien in der Regel nicht ausreichend profitabel. Im Healthcare-Markt nimmt Keensight „im Prinzip alles außer Biotech“ ins Visier.