Der Private-Equity-Gigant KKR eröffnet ein neues Büro in Frankfurt. Statthalter wird Managing Director Christian Ollig.

Sean Pavone Foto/iStock/Thinstock/Getty Images

23.01.18
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KKR kommt nach Frankfurt

Der Private-Equity-Gigant KKR eröffnet ein eigenes Büro in Deutschland. Statthalter in Frankfurt wird einer der prominentesten deutschen Manager. Eine große Personaloffensive verbirgt sich dahinter allerdings nicht.

Hochkarätiger Zuwachs für die Private-Equity-Branche in Deutschland: Der US-Private-Equity-Gigant KKR wird erstmals ein eigenes Deutschlandbüro eröffnen. Standort wird Frankfurt am Main, als Büroleiter fungiert der KKR-Manager Christian Ollig, aktuell Managing Director der Beteiligungsgesellschaft. Ollig arbeitet seit 2008 für KKR und hat in dieser Zeit eine Reihe von deutschen Investments verantwortet, darunter die Beteiligungen an WMF, an der früheren Airbus-Elektronik-Tochter Hensoldt sowie an dem Fußballklub Hertha BSC Berlin und an dem 2014 verkauften Aromenhersteller Wild Flavors. Ollig bezeichnet Deutschland als „einen unserer Fokusmärkte in Europa“. 

Deutschland-Standort von KKR kommt spät

Obwohl KKR eigenen Angaben zufolge seit 1999 mehr als 5 Milliarden US-Dollar in deutsche Unternehmen investiert hat und auch noch weitere deutsche Firmen wie Arago und die Deutsche Glasfaser zum aktuellen Portfolio zählt, fällt der erste Aufschlag in Frankfurt eher dezent aus. Wie ein KKR-Sprecher gegenüber FINANCE erklärte, wird neben Ollig zunächst kein weiterer KKR-Manager fest nach Frankfurt kommen. Das neue Büro, das in einigen Wochen offiziell eröffnet wird, soll „als Anlaufstelle für KKR-Manager dienen, die mit oder an deutschen Investments arbeiten“, so der Sprecher weiter. Ein späterer personeller Ausbau des Standorts in Frankfurt sei jedoch geplant.

„Unser Büro in Frankfurt wird alle Investitionsaktivitäten von KKR abdecken.“

Johannes Huth, Europachef von KKR

Angesichts der Bedeutung des deutschen Marktes für KKR ist es bemerkenswert, dass KKR erst jetzt ein eigenes Büro in Deutschland eröffnet. Neben der Europazentrale in London ist KKR schon seit längerem in anderen europäischen Hauptstädten vertreten, namentlich in Dublin, Paris, Madrid und Luxemburg. Auch der Europachef von KKR, Johannes Huth, stammt aus Deutschland. „Unser Büro in Frankfurt wird alle Investitionsaktivitäten von KKR abdecken, mit besonderem Fokus auf Investitionen in den Bereichen Private Equity und Growth Equity“, lässt sich Huth in einer aktuellen Pressemitteilung von KKR zitieren.

„Growth Equity“ verändert Anforderungen an KKR

KKR verfügt über einen eigenen Europa-Fonds mit einem Volumen von 3,3 Milliarden Euro, der allerdings schon weitgehend ausinvestiert ist. In der Branche kursieren Berichte, wonach KKR gerade dabei ist, einen Nachfolgefonds einzuwerben. Von einem Volumen bis zu 5 Milliarden Euro ist die Rede. Für Investments im Bereich „Growth Equity“, zu denen neben anderen das deutsche IT-Unternehmen Arago gehört, kann KKR auf einen eigenen Wachstumskapitalfonds zugreifen, für den Kapitalzusagen über gut 700 Millionen US-Dollar vorliegen.

Der Ausbau des Wachstumskapitalbereichs hat aber auch die Anforderungen an KKR verändert. Das Growth-Equity-Geschäft dreht sich um kleinere, nur Insidern bekannte Unternehmen, die bei ihrer Kapitalbeschaffung oft regional begrenzt mittels limitierter Prozesse nach neuen Investoren suchen. Um solche Deals an Land zu ziehen, kann ein lokales Büro wichtig sein. 

Viele PE-Giganten haben keine Deutschland-Büros

Die klassischen KKR-Transaktionen – Buy-outs von Konzernen oder großen Mittelständlern, häufig im Milliardenbereich – können nach wie vor auch leicht von London aus begleitet werden. Für derartige Deals kommen ohnehin nur wenige Finanzinvestoren infrage. Im Rahmen der M&A-Prozesse wird diese kleine Gruppe regelmäßig angesprochen, unabhängig von einer Präsenz vor Ort.

Dies ist auch der Grund, warum einige der weltweit größten Private-Equity-Häuser wie KKR, Blackstone oder TPG bislang keine oder nur sehr kleine Büros in Deutschland haben. „Unser Londoner Team war schon immer stark deutsch geprägt“, begründet auch der KKR-Sprecher die aktuelle, londonlastige Aufstellung des PE-Investors. Dort beschäftigt KKR aktuell über 40 Mitarbeiter allein im Private-Equity-Bereich.

Auf den deutschen Mittelstand fokussierte Häuser hingegen kommen um eine starke personelle Präsenz in Deutschland kaum herum, wenn sie bei den harten M&A-Prozessen in dem umkämpften Mittelstandsgeschäft zum Zuge kommen wollen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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