Wärmetauscher aus Kupfer: Der PE-Investor Triton scheint Probleme mit dem Investment Kelvion zu haben.

ra3rn/iStock/Getty Images Plus

24.10.18
Deals

Triton hat große Probleme mit Kelvion

Der Wärmetauschspezialist Kelvion hat mit Marcus Mayer den vierten CFO seit 2015 berufen. Es mehren sich die Anzeichen, dass sich die Beteiligung des Finanzinvestors Triton in einer massiven Krise befindet.

Die Krisenzeichen mehren sich: Der Finanzinvestor Triton tauscht bei seinem Portfoliounternehmen Kelvion innerhalb von vier Jahren zum vierten Mal den CFO aus. Wie der Wärmetauschspezialist mitteilt, verlässt Finanzchefin Andrea Teutenberg die Bochumer schon wieder zum Jahresende. Der Schritt erfolge aus „persönlichen Gründen“, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt. 

Kelvion verbrauchte drei CFOs in drei Jahren

Damit entwickelt sich das Triton-Investment zu einer wahren Drehtür für CFOs. Denn Teutenberg war erst Anfang 2018 auf Silke Hartmann gefolgt, die ihrerseits nur etwas mehr als ein Jahr als Finanzchefin amtierte. Auch Hartmanns Vorgänger Volker Walprecht, mittlerweile Finanzvorstand des Explosionsschutzkonzerns R. Stahl, hielt es nur ein Jahr bei den Bochumern.

CFO Nummer vier in ebenso vielen Jahren wird nun Anfang 2019 Marcus Mayer. Er war zuletzt Finanzchef des Ventilherstellers Aventics, der jüngst vom US-Mischkonzern Emerson gekauft wurde. Davor agierte Mayer als Group Vice President Finance bei dem Automatisierungsspezialisten Dematic, seinerzeit auch in der Hand von Finanzinvestoren. Mittlerweile gehört Dematic zum hessischen Gabelstaplerhersteller Kion. Seine Karriere hat der studierte Diplom-Kaufmann beim Corporate-Finance-Team von KPMG begonnen.

Anleihen der Kelvion-Mutter Galapagos unter Druck

Seine Erfahrung mit Private-Equity-Unternehmen wird Mayer in Bochum brauchen. Kelvion ist ein Investment des Finanzinvestors Triton, der 2014 die Sparte Heat Exchangers für den stolzen Kaufpreis von 1,3 Milliarden Euro aus dem Gea-Konzern herausgekauft hat. Triton teilte den Zukauf damals in mehrere Einheiten auf und unterstellte sie der gemeinsamen Holding-Gesellschaft Galapagos.

Aus dieser Aufteilung entstand auch die heutige Kelvion: Kelvion produziert Wärmetauschanlagen, während eine zweite Einheit unter dem Namen Enexio firmiert und auf Nass- und Trockenkühlsysteme spezialisiert ist. Auch der Filterhersteller Denco Happel, heute Fläkt, gehörte bis vor kurzem zum Galapagos-Imperium.

Die anhaltende Unruhe bei Kelvion ist auch für die Holding Galapagos ein schlechtes Zeichen. Die Bochumer sind am Gewinn gemessen bedeutender als die Schwestergesellschaft Enexio: Kelvion steuerte Ende 2017 rund 75 Prozent zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der Holding Galapagos bei, schrieb die Ratingagentur Moody’s im einem Bericht im Dezember vergangenen Jahres. Dem Report zufolge stellten die einbrechenden Margen von Kelvion den Private-Equity-Investor Triton und die Galapagos Holding bereits damals vor Probleme. Der Wärmetauschspezialist kämpfte zuletzt mit einer schwachen Nachfrage, speziell aus der Ölindustrie. 

Eine 250-Millionen-Euro-Anleihe von Galapagos notiert bei 44 Prozent.

Die Galapagos Holding hat zurzeit drei Anleihen über insgesamt mehr als 750 Millionen Euro am Markt. Speziell eine mit 7 Prozent verzinste Anleihe über 250 Millionen Euro steht schwer unter Druck: Der Bond notiert derzeit bei 44 Prozent, nachdem die Papiere vor rund einem Jahr noch bei über 90 Prozent standen.

Die beiden übrigen Galapagos-Bonds notieren bei knapp 90 Prozent zwar deutlich höher, doch auch sie liegen unter Par. Für ein einordnendes Gespräch über die Finanzlage der Holding und des Unternehmens standen auf FINANCE-Anfrage weder Kelvion noch Triton zur Verfügung. 

Moody’s warnte 2017 vor Covenant-Bruch bei Galapagos

Das US-Ratinghaus Moody’s sieht die Kelvion-Mutter Galapagos kritisch und warnte bereits Ende 2017 vor einem Covenant-Bruch. Das Galapagos-Rating stufte die Agentur von Caa2 auf Caa3 tief ins Ramschniveau herab – Ausblick negativ. Seinerzeit notierte die 250 Millionen Euro schwere Anleihe noch bei 80 Prozent. Seither hat Moody’s keinen neuen Report veröffentlicht.

Das Ratinghaus monierte die hohen Finanzschulden von Galapagos. Diese beliefen sich auf das Siebenfache des Ebitda. Moody’s sah zudem eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Galapagos in den folgenden Monaten seine Kredit-Covenants reißen könnte. Ob dieser Fall mittlerweile eingetreten ist, ist öffentlich nicht bekannt.

Moody’s warnte zudem vor potentiell hohen Restrukturierungskosten, die auf die Holding zukommen könnten. Auch die vielen Wechsel im Management der Tochterfirmen sorgten schon damals für Skepsis. Der jüngste CFO-Wechsel bei Kelvion dürfte die Ratingspezialisten nicht beruhigen.

Galapagos verkauft Beteiligung, Kelvion kauft zu

Galapagos‘ Liquiditätsposition war laut Moody’s bereits Ende vergangenen Jahres schwach. Im August dieses Jahres hat das Unternehmen diese jedoch wieder leicht aufstocken können: Galapagos hat eine Beteiligung an dem Investmentvehikel Fusilli Co-Invest, einer Holding-Company der Fläkt Group, für 64 Millionen Euro abgestoßen.

Im gleichen Zug kündigte Galapagos aber an, dass Kelvion den Heizspezialisten Rocore für 34 Millionen kaufen möchte. Unter dem Strich flossen der Holding und ihren Töchtern damit noch 30 Millionen Euro zu – Kapital, das die Holding offenbar gut gebrauchen kann.

jakob.eich[at]finance-magazin.de