Nordic Capital muss bei Alloheim umschwenken

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Die Pflegeheimkette Alloheim bleibt vorerst im Eigentum des Private-Equity-Investors Nordic Capital. Foto: Peter Atkins – stock.adobe.com
Die Pflegeheimkette Alloheim bleibt vorerst im Eigentum des Private-Equity-Investors Nordic Capital. Foto: Peter Atkins – stock.adobe.com

Refinanzierung statt Exit – so lautet offenbar die neue Devise des Private-Equity-Investors Nordic Capital für sein Portfoliounternehmen Alloheim. Wie die FAZ zuerst berichtete, soll der skandinavische Finanzinvestor von seinen Verkaufsplänen abgerückt sein und stattdessen „auf absehbare Zeit“ bei Deutschlands größter Pflegekette an Bord bleiben.

Nordic Capital und Alloheim setzen auf Amend & Extend

Im Zuge dessen musste Nordic Capital nach FAZ-Informationen wohl nun im ersten Schritt die Finanzierung des Unternehmens neu aufstellen: Via Amend & Extend hat Nordic Capital demnach Alloheim-Kredite in einer Größenordnung von 800 bis 900 Millionen Euro zu angepassten Konditionen („Amend“) verlängert („Extend“).

Bei den Darlehensgebern soll es sich um nicht näher bekannte Banken und Private-Debt-Fonds handeln. Während zu den Konditionen nichts nach außen drang, sollen sich die Parteien bezüglich der neuen Laufzeit auf „etwa drei Jahre“ geeinigt haben. Es ist davon auszugehen, dass die Finanzierungskosten für Nordic Capital steigen, üblicherweise werden auch die Covenants bei solchen Transaktionen enger geschnürt. Dafür sind die Kosten geringer als bei einer kompletten Neufinanzierung. Nordic Capital wollte sich auf Anfrage von FINANCE nicht zu dem Thema äußern.

Der Einstieg Nordic Capitals bei Alloheim liegt inzwischen rund sechs Jahre zurück. Die Skandinavier legten für den Deal seinerzeit 1,3 Milliarden US-Dollar auf den Tisch, Verkäufer war der US-Wettbewerber Carlyle. Darüber hinaus stieg Nordic Capital damals unter anderem bei dem Zahnmedizindienstleister Zahnstation, dem Dentallabor DPH Dental sowie dem Augenklinikbetreiber Oberscharrer ein.

Deutscher Healthcare-Sektor ist unter Druck

Doch von dem einstigen Heißhunger internationaler Finanzinvestoren auf den deutschen Healthcare-Sektor ist anno 2024 nicht mehr viel übrig: Viele Unternehmen befinden sich aufgrund stark gestiegener Kosten seit Längerem unter Druck, auch Insolvenzen sind längst keine Seltenheit.

Über dem Sektor schwebt zudem seit Längerem das Damoklesschwert einer verschärften Regulierung: So hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor einem Jahr seine Abneigung gegenüber Private-Equity-Investments im Healthcare-Segment zum Ausdruck gebracht und die Branche damit stark verunsichert. Neu-Investments findet man seitdem kaum noch in dem Sektor. Eine entsprechende Gesetzesreform blieb bislang allerdings aus.

Alloheim soll weiter profitabel sein

Wie sich die wirtschaftliche Lage bei Alloheim derzeit gestaltet, ist schwer zu sagen. Aktuelle Zahlen zur Geschäftsentwicklung sind nicht vorhanden. Laut FAZ-Informationen soll das Unternehmen beim Umsatz inzwischen im Milliardenbereich angekommen sein und zudem „unverändert profitabel sein“.

Fest steht aber auch: Angesichts einer Haltedauer von inzwischen sechs Jahren ist Alloheim aus Private-Equity-Sicht ein klassischer Exit-Kandidat. Dafür spricht auch, dass die Schweizer Bank UBS laut FAZ mit dem Alloheim-Verkauf von Nordic Capital mandatiert gewesen sein soll – allem Anschein nach ohne Erfolg.

Gewissen Anlass zur Spekulation über die (weitere) Entwicklung von Alloheim bietet zudem die nun offensichtlich gewählte Amend & Extend-Transaktion: Die Methode wird nicht zuletzt von in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen genutzt, um sich kurzfristig Luft zu verschaffen.

Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.