Guido Kerkhoff

ThyssenKrupp AG

Name:
Guido Kerkhoff
Unternehmen:
ThyssenKrupp AG
Ressort:
Finanzen, Controlling & Risk, Steuern, M&A, Investor Relations, IT, Materials Management, Shared Services; die Regionen Nordamerika, Südamerika sowie Mittel- und Osteuropa
Position:
CFO seit April 2011, seit Juli 2018 auch CEO
Ausbildung:
Studium der Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Bielefeld und Saarland
Geburtstag:
22.11.1967
Familie:
Keine Angaben
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Keine Angaben

Karriere

Von 1995 bis 1996 arbeitet Kerkhoff im Bereich Konzernbilanzierung bei dem Energieversorger Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). Von 1996 bis 2002 ist er bei Bertelsmann tätig, zuletzt im Bereich Konzernrechnungswesen/-controlling und leitet dort die Abteilung für Projekte und Grundsatzfragen.

Im Jahr 2002 wechselt Kerkhoff zur Deutschen Telekom, wo er verschiedene Führungspositionen im Finanzbereich inne hat. Von 2006 bis 2011 verantwortet er als Zentralbereichsleiter das Konzernrechnungswesen und Konzerncontrolling. 2009 steigt er in den Vorstand der Telekom auf, wo er zunächst die Regionen Süd- und Osteuropa betreut, ab 2010 dann das gesamte Europa.

Seit April 2011 ist Kerkhoff Vorstandsmitglied und CFO bei ThyssenKrupp. Im Mai 2015 hat der Manager seinen Vertrag um fünf weitere Jahre bis 2021 verlängert. Im Juli 2018 springt er nach dem Rückzug von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger als Interims-Chef ein. Ende September wird ihm die CEO-Position dann dauerhaft übertragen.

Karriere-Highlights:

1)  Im Juli 2018 steigt Kerkhoff erst zum Interims-, drei Monate später dann zum dauerhaften CEO von ThyssenKrupp auf.

1)  Im Februar 2017 gelingt ThyssenKrupp der Verkauf des verlustreichen Stahlwerks in Brasilien. Zusammen mit dem Verkauf des Walzwerks im US-Bundesstaat Alabama zwei Jahre zuvor ist das von Kerkhoffs Vorgängern verantwortete Fehlinvestment in den Stahlmarkt Nord- und Südamerikas damit beendet. Analystenschätzungen zufolge hat es ThyssenKrupp über die Jahre rund 8 Milliarden Euro gekostet. Im September 2017 schließt ThyssenKrupp eine Grundsatzvereinbarung mit dem Stahlkonzern Tata Steel zur Zusammenlegung der europäischen Stahlgeschäfte beider Konzerne. Dieser Deal entlastet das Eigenkapital von ThyssenKrupp um mehrere Milliarden Euro.

2)  Im Februar 2013 platziert ThyssenKrupp eine fünfjährige Anleihe über 1,25 Milliarden Euro, die im März um weitere 250 Millionen aufgestockt wird. Mit der Emission nutzt der Konzern das vorteilhafte Marktumfeld und erzielt nach eigenen Angaben trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage des Konzerns einen historisch günstigen Zinscoupon für eine von ThyssenKrupp begebene Anleihe.

3)  Ende 2012 verkauft ThyssenKrupp seine Edelstahltochter Inoxum an die finnische Outokumpu. Der M&A-Deal hat ein Volumen von 2,7 Milliarden Euro. Hierdurch schärft der Industriekonzern sein strategisches Profil und reduziert die hohe Nettoverschuldung. Die Inoxum-Transaktion ist Bestandteil eines Portfolioprogramms, das die Trennung von Geschäften mit einem Umsatz von insgesamt rund 10 Milliarden Euro umfasst. Dieses Programm schließt ThyssenKrupp unter CFO Kerkhoff in dem vorgesehenen Zeitraum von 18 Monaten erfolgreich ab.

MEHR zur Person

Guido Kerkhoff, ThyssenKrupp: Der Ehrgeizige

Guido Kerkhoff gilt als Hoffnungsträger des angeschlagenen Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Gemeinsam mit CEO Heinrich Hiesinger muss der CFO den Scherbenhaufen beseitigen, den ihm seine Vorgänger hinterlassen haben.

Die Karriere von Guido Kerkhoff nimmt Anfang 2009 eine entscheidende Wende: Nicht er, sondern Timotheus Höttges wird Nachfolger von Telekom-CFO Karl-Gerhard Eick. Kerkhoff ist ein ehrgeiziger Manager. Um ihn halten zu können, befördern ihn die Telekom-Bosse zum Vorstand für das Geschäft in Südosteuropa, später für ganz Europa. Mit 42 Jahren wird Kerkhoff das jüngste Mitglied im Vorstand. Doch der Eick-Zögling will mehr, sein Lebenslauf prädestiniert ihn für das Amt des CFOs. Er ahnt, dass er dieses Ziel bei der Telekom nicht erreichen wird und wechselt im April 2011 nach neun Jahren bei der Telekom als Finanzvorstand zu ThyssenKrupp.

Zum Amtsantritt bei dem Stahlkonzern kündigt er selbstbewusst an, sich nicht nur um das Zahlenwerk im Konzern kümmern, sondern die Aufgabe eines Co-CEOs übernehmen zu wollen. Kerkhoff scheint ganz bewusst die Herausforderung gesucht zu haben, auch wenn er das komplette Ausmaß der Misere bei ThyssenKrupp bei seiner Vertragsunterschrift ziemlich sicher nicht kannte.

Mit Neu-CEO Heinrich Hiesinger und CFO Guido Kerkhoff kehrt 2011 ein realistischer Blick auf die Sparte Steel Americas ein, in die 12 Milliarden Euro investiert worden sind. Es wird offensichtlich, dass das Projekt gescheitert ist. Der Finanzvorstand muss Milliarden abschreiben: Im Geschäftsjahr 2010/2011 rund 2,1 Milliarden Euro, 2011/2012 folgen weitere Wertberichtigungen von 3,6 Milliarden Euro, die dem Konzern einen operativen Verlust von 4,4 Milliarden Euro bescheren. Seit Mai 2012 stehen die Stahlwerke in den USA und Brasilien zum Verkauf, doch die Käufersuche verläuft zäh.

CFO Kerkhoff kämpft gleich mehrere Gefechte: Den Schuldenberg von über 5 Milliarden Euro muss er herunterfahren und das nach zahlreichen Korruptions- und Kartellaffären belastete Vertrauen der Banken und Anleger wiedergewinnen. Seine Erfahrungen bei der Telekom, wo er gemeinsam Ex-CFO Eick maßgeblich zur Entschuldung des Unternehmens beigetragen hat, kommen ihm dabei zupass. Auch eine ganz persönliche Qualität dürfte ihm helfen: Mitarbeitern beschreiben ihn als guten Kommunikator mit integrierendem Wesen, der auf unterschiedliche Mentalitäten eingehen kann, aber auch offene Worte findet. Nun hat Kerkhoff die Chance zu beweisen, dass er Co-CEO und vielleicht noch mehr kann.

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