Thomas Schierack

Bastei Lübbe AG

Name:
Thomas Schierack
Unternehmen:
Bastei Lübbe AG
Ressort:
Strategie, Finanzen, IR, Recht, Personal, Herstellung, Entertainment (Digitale Medien), Heftbereich (Romanhefte, Rätselhefte)
Position:
CFO von Januar 2008, CEO von Juni 2013 bis September 2017
Ausbildung:
Volljurist (1. und 2. Staatsexamen), VWL-Studium 
Geburtstag:
04.02.1958
Familie:
Verheiratet, zwei Kinder im schulpflichtigen Alter
Ehrenamt:
Zeugwart beim Betriebssportclub des Unternehmens, TuS Nelda
Hobbies:
Tischtennis, Familie, Fußball, 1. FC Köln

Karriere

Nach dem zweiten Staatsexamen ist Schierack seit 1989 als Rechtsanwalt tätig und seit 1992 Partner in mehreren Rechtsanwaltskanzleien – unter anderem zwischen 2000 und 2004 bei Arcon. Seit 2001 berät er den Verleger Stefan Lübbe und wird Anfang 2008 kaufmännischer Geschäftsführer des Verlags Bastei Lübbe. Seit dem Wechsel der Rechtsform zur AG Mitte 2013 ist er auch CEO und zuständig für Investor Relations. Im September 2017 verlässt Schierack nach neun Jahren den Vorstand von Bastei Lübbe.

Karriere-Highlights:

1) Nach der Neuordnung der Gesellschafterstruktur im Jahr 2006 strukturiert Schierack in der Folgezeit die Refinanzierung von Bastei Lübbe neu. Nachdem mehrere Banken kurzfristig abspringen, sichert Schierack die Finanzierung durch die Platzierung einer Mittelstandsanleihe über 30 Millionen Euro (2011).

2) Schierack schafft neue Strukturen für das weitere internationale und digitale Wachstum des Verlags.

3) Im Oktober 2013 bringt er das Familienunternehmen an die Börse. Der IPO ist verbunden mit einer Kapitalerhöhung um 25 Millionen Euro. Im Vorfeld wird das Berichtswesen des Unternehmens auf IFRS umgestellt.

MEHR zur Person

Der Spätberufene

Schulprobleme, Abbruch des ersten Studiums: Darauf, dass Thomas Schierack einmal ein Unternehmen erfolgreich an die Börse bringen würde, deutet zunächst nicht viel hin. Der Lebenslauf des Juristen folgte keinem erkennbaren Masterplan und führt doch zum Ziel.

Entscheidend ist nicht, wie man anfängt, sondern wie man weitermacht. Die Karriere von Thomas Schierack verläuft anders als bei vielen Managern. Und der gebürtige Bonner bemüht sich gar nicht, dies zu verbergen. Freimütig berichtet er von Problemen in der Schule als 14-Jähriger.  „Versetzung nicht möglich“ stand in seinem Halbjahreszeugnis angesichts von fünf Fünfen und zwei Sechsen. „So habe ich mich als Geburtshelfer für meine Schwester betätigt“, erzählt Schierack schmunzelnd. Sein Vater, der ein Kältetechnikunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern führt, zieht die Konsequenz und schickt ihn auf das Godesberger Jungeninternat der Jesuiten.

Nachdem er später das Abitur doch noch einfährt, beginnt er ein VWL-Studium in Bonn, das er nach fünf Semestern schmeißt, „weil es rein mathematisch angelegt war“. Spaß macht ihm hingegen Jura, das ohnehin zum Curriculum gehört. Nach dem ersten Staatsexamen in Bonn geht er zum Referendariat nach Aachen und für drei Monate nach Washington. Ins Berufsleben steigt Schierack als angestellter Rechtsanwalt ein. Er erlebt wilde Wendejahre als junger Anwalt in Potsdam, über die er in rheinischem Tonfall nette Anekdoten zu berichten weiß – etwa, wie er einen Richter persönlich zu einer Firma und anschließend ins Fußballstadion kutschierte, damit dieser eine einstweilige Verfügung überreichen konnte: „Es gab ja keine Gerichtsvollzieher in der ersten Zeit nach dem Ende der DDR“, berichtet er.

Schierack wird Partner in mehreren mittelständischen Kanzleien, spezialisiert auf Zivilrecht. Doch bald schon möchte er weniger „fremdbestimmt“ arbeiten – auch für die eigene Work-Life-Balance. Nach ein paar Jahren tut sich die Chance auf. Den Verleger Stefan Lübbe begleitet er als Rechtsbeistand seit 2001 durch die Konflikte im Gesellschafterstreit. Als Stefan Lübbe seine Schwester Cornelia schließlich auszahlt, holt der Verleger seinen Vertrauten als kaufmännischen Geschäftsführer in den Konzern.

Dort erwartet ihn gleich Schwerstarbeit: Das operative Geschäft läuft zäh. Zugleich muss Geld freigesetzt werden für die familieninterne Abfindung. Schierack verhandelt damals mit Banken wie auch mit  Private-Equity-Häusern. Am Ende setzt er auf die Bank und auf zwei Beteiligungsverkäufe. Doch gelingt ihm – mitten in der Finanzkrise – zunächst keine nachhaltige Lösung der Finanzierung: „Dreimal kurz nacheinander haben uns Banken im Regen stehen lassen. Die erste Bank wollte nach Abschluss der Finanzierung keine Medien mehr finanzieren, die zweite wurde über Nacht insolvent und hat den unterschriebenen Vertrag nie zurückgeschickt, die dritte fusionierte mit einer weiteren Hausbank – da sind wir plötzlich ein Klumpenrisiko geworden.“ Lebendig stellt er dar, warum die 2011 platzierte Mittelstandsanleihe damals die richtige Lösung für den Verlag gewesen sei. Schierack kann die Geschichte fesselnd erzählen, auf seine Zuhörer stellt er sich blitzschnell ein.

Ab da geht es aufwärts, der Neustart des Traditionsverlags kann beginnen, auch wenn er zum Start die verunsicherte Belegschaft noch nicht hinter sich weiß: „Als Freund von Stefan Lübbe erstmal dreißig Entlassungen durchführen zu müssen, war nicht leicht.“ Doch spätestens der Umzug des Verlags aus einem schmucklosen Gebäude im Industriegebiet von Bergisch Gladbach nach Köln – rechtsrheinisch, was für die Mitarbeiteranfahrt wichtig ist –, ist für das Unternehmen wie eine Befreiung. Verschiedene gelungene Transaktionen wie etwa der per Asset Deal übernommene Eichborn-Verlag und der Aufbau eines Non-Book-Bereichs bringen den Verlag in die Erfolgsspur. Und bei der Autorenauswahl beweist der Verlag mit Kassenschlagern wie Dan Brown ein goldenes Händchen.

Vom Börsengang musste Schierack dann nur noch seinen Verleger überzeugen. Mitte 2013 zieht sich Stefan Lübbe aus der operativen Verantwortung der jungen AG zurück. Er kümmert sich als Verleger um die inhaltlichen Belange – der begeisterte FC-Köln-Fan Schierack übernimmt nun die Position des CEO bei Bastei Lübbe und wird „Teamchef“ des bösennotierten Konzerns, wie er seine Rolle gerne beschreibt.

Nicht nur zu seiner Vita und den Herausforderungen in seinem Unternehmen gibt Schierack offen Auskunft. Auch, warum er erst als Endvierziger Vater geworden ist, beantwortet Schierack unverblümt und direkt: „Man muss erstmal die richtige Frau finden.“ Ähnliches lässt sich wohl auch über die berufliche Allianz des spät berufenen Managers Schierack mit dem Unternehmer Lübbe sagen. Aber wenn es läuft, dann gleich richtig. 

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de