Wirecard muss seinen Geschäftsbericht verschieben, weil die Sonderprüfung durch KPMG mehr Zeit erfordert.

Wirecard AG

13.03.20
Finanzabteilung

Aufklärung bei Wirecard verzögert sich

Die ersten Ergebnisse der KPMG-Sonderprüfung zu Wirecard sind da: Die meisten Vorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister werden darin entkräftet, doch hinter dem wichtigsten Vorwurf bleibt weiter ein Fragezeichen.

Teilerfolg für Wirecard: Die Sonderprüfung von KPMG zu den Bilanzierungspraktiken des Dax-Konzerns entlastet den Münchener Zahlungsdienstleister offenbar in drei von vier Punkten. Wie Wirecard mitteilte, seien die Untersuchungen zu Geschäften von Wirecard in Indien und Singapur sowie hinsichtlich des Geschäftsbereichs „Merchant Cash Advance“ – das ist das Vorfinanzierungsgeschäft der Münchener – weitestgehend abgeschlossen.

Die Sonderprüfung von KPMG hätte hierbei „aus heutiger Sicht keine substanziellen Feststellungen“ ergeben, die bei den Jahresabschlüssen für die Jahre 2016, 2017 und 2018 Korrekturen erfordern würden. Anlass für die Untersuchung war die kritische Berichterstattung der „Financial Times“ (FT), die Wirecard falsche Bilanzierungspraktiken, Geldwäsche und womöglich erfundene Kundenbeziehungen unterstellt hatte. 

Entwarnung für Wirecard in Indien und Singapur

Wirecard wies die Vorwürfe immer entschieden zurück. Dennoch hatten in Singapur die lokalen Aufsichtsbehörden dreimal die Büros von Wirecard durchsucht. Die Münchener engagierten daraufhin die Kanzlei Rajah & Tann, die den Vorwürfen nachgehen sollte. Die Kanzlei fand Ende März in Singapur zwar Verfehlungen. Die betroffenen Fehlbuchungen bewegten sich mit 5,5 Millionen Euro allerdings in keinem substanziellen Rahmen. 

In Indien sah sich Wirecard dem Vorwurf der Geldwäsche ausgesetzt. Auslöser der Diskussion war die Übernahme der beiden Zahlungsdienstleister Hermes i Ticket und GI Technologies. Der wesentliche Teil des Kaufpreises von 340 Millionen Euro floss damals an einen in Mauritius ansässigen Fonds. Glaubt man Wirecard, hat KPMG sowohl in Indien als auch in Singapur keine bilanzrelevanten Fehler festgestellt. Allerdings ist der genaue Prüfauftrag von KPMG nicht bekannt. Ob die Forensiker auch den kriminellen Anschuldigungen nachgegangen sind, weiß die Öffentlichkeit nicht.

KPMG will bei Wirecard in Dubai genauer hinsehen

Entlastet ist Wirecard aber nicht nur deswegen noch nicht, sondern auch, weil es in einem entscheidenden Punkt Verzögerungen gibt. Um die Lage in Dubai zu sichten, braucht KPMG mehr Zeit und umfangreichere Dokumentensichtungen als erwartet. Wirecard verschiebt deshalb die Veröffentlichung des KPMG-Berichts auf den 22. April. Die ursprüngliche Deadline war Ende März. Auch die Veröffentlichung des Jahresabschlusses und damit die Bilanzpressekonferenz müssen verschoben werden – vom 8. Auf den 30. April. 

Im Oktober hatte die FT in einem zehnseitigen Artikel Zahlungsströme von Wirecard über Partner in Dubai und Irland angezweifelt. Dabei ging es vor allem um Al Alam aus Dubai. Das Unternehmen ist für Wirecard ein sogenannter „Third Party Acquirer“. Diesen benötigt Wirecard für die Zahlungsabwicklung in Ländern, wo die Münchener selbst über keine eigenen Lizenzen verfügen.

Der Vorwurf der FT: Wirecard soll 2016 rund die Hälfte des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) über Al Alam erzielt haben. Das Unternehmen sei für einen Ebitda-Effekt von 173 Millionen Euro verantwortlich, schrieb die FT unter Berufung auf interne Dokumente. 

KPMG-Bericht treibt Wirecard-Aktie nach oben

An der Börse kam der neue Zwischenstand trotz des gemischten Bilds, das sich daraus ergibt, gut an. Die Wirecard-Aktie ist heute bisher der größte Gewinner im Dax. Das zuletzt stark gebeutelte Papier legte um über 10 Prozent zu auf rund 96 Euro. Im Zuge der Corona-Panik hatte die Wirecard-Aktie in den Tagen zuvor allerdings auch massiv an Wert verloren. Seit Wochenbeginn war der Kurs zwischenzeitlich um gut ein Viertel auf 85 Euro eingebrochen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de