12.01.15
Finanzabteilung

Bilanzskandal: Intensive Nachforschungen bei Penell

Über einen Monat ist es jetzt her, dass Penell seine Anleger mit einem Bilanzskandal schockte – Erklärungen dafür hat der Kupferkabelhersteller immer noch nicht geliefert. Die sollen jetzt Spezialisten liefern.

Der Bilanzskandal bei Penell geht in die nächste Runde: Der Kupferkabelhersteller, der im Dezember seine Anleihegläubiger damit schockte, dass die als Sicherheit dienenden Kupferbestände viel zu niedrig sind, hat nun die „lückenlose und transparente“ Aufarbeitung der Geschehnisse angekündigt. Gemeinsam mit der Rechtsanwaltskanzlei CMS Hasche Sigle, dem Treuhänder MSW und dem Gläubigervertreter One Square Advisory soll untersucht werden, was schief gelaufen ist und wie es überhaupt so weit kommen konnte.

MSW soll dazu eine Sanierungskonzept vorlegen, um die „wirklichen Werte sowie die Rahmenbedingungen einer etwaigen Fortführungsprognose“ zu untersuchen. Auf dieser Basis will das Unternehmen gemeinsam mit One Square Advisory ein Nachbesicherungskonzept erarbeiten. Die Eigentümerfamilie Penell hat bereits angekündigt, dazu einen „signifikanten Beitrag“ zu leisten. Ursprünglich sollte das Nachbesicherungskonzept bereits Ende Januar den Gläubigern vorgelegt werden – nun bittet das hessische Familienunternehmen um eine Fristverlängerung bis zum 28. Februar, wie es in einer aktuellen Mitteilung heißt.  

Verschwundenes Kupfer: Immer noch keine Erklärung von Penell

Anfang Dezember hatte das Unternehmen aus der Nähe von Darmstadt verkündet, dass der Kupferlagerbestand, der als Besicherung für die Mittelstandsanleihe dient, statt 9 Millionen Euro nur bei 5,5 Millionen Euro liegt. Wenige Wochen später reduzierte Penell diese Schätzung dann noch einmal auf 2,5 Millionen. Bei einer Unterschreitung des Schwellenwerts von 6,25 Millionen Euro ist Penell dazu gezwungen, eine Gläubigerversammlung einzuberufen. Eine Erklärung, wie es zu dieser großen Differenz im Warenlager überhaupt kommen konnte, hat Penell bislang nicht abgegeben.

Die Anleihe mit einem Volumen von 5 Millionen Euro wurde erst im Juni 2014 emittiert, der Kupon liegt bei 7,75 Prozent. Begleitet wurde die Privatplatzierung von dem Corporate-Finance-Haus Dicama. Feri Euro Rating bewertete die Anleihe im Mai vergangenen Jahres mit B+. Die Mittelstandsanleihe verlor seit der Aufdeckung des Bilanzskandals dramatisch an Wert und notiert inzwischen unter 50 Prozent.

Penell: Eigenkapital könnte negativ sein

Wie schlimm die Lage bei Penell tatsächlich ist, ist kaum zu beurteilen. Im Geschäftsjahr 2013/14 setzte Penell 18,3 Millionen Euro um, der Vorsteuergewinn lag bei 37.000 Euro. Die Eigenkapitalquote summierte sich zum Bilanzstichtag auf knapp 3,3 Millionen Euro und betrug knapp 27 Prozent, doch sie beruhte auf einem Bilanzansatz des Lagers von 9,3 Millionen Euro. Wenn das Lager nur noch 2,5 Millionen Euro wert ist, ist es wahrscheinlich, dass Penell inzwischen ein negatives Eigenkapital hat.

Auch, ob es sich bei den fehlenden Lagerbeständen nur um den Bilanzfehler eines an sich gesunden Unternehmens handelt, oder ob die Gläubiger einen Ausfall der Anleihe befürchten müssen, ist unklar. Die Formulierung in der heutigen Mitteilung, wonach die nun hinzu gezogenen Spezialisten „die Rahmenbedingungen einer etwaigen Fortführungsprognose untersuchen“, lässt jedoch nicht viel Gutes erwarten.

julia.becker[at]finance-magazin.de