Bilanzskandal bei dem Kupferkabelhändler Penell: Es fehlen mehr als 300 Tonnen Kupfer, die den Anleihegläubigern eigentlich als Sicherheit dienen sollten.

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04.12.14
Finanzierungen

Bilanzskandal bei Penell

Das Familienunternehmen Penell schockt seine Investoren mit einer peinlichen Entdeckung: Das Warenlager, das den Investoren als Sicherheit dient, ist dramatisch kleiner als gedacht. Nicht mal ein halbes Jahr nach der Emission muss nun schon eine Gläubigerversammlung einberufen werden.

Neue Panne am Mini-Bondmarkt: Das erst im Sommer an den Markt gekommene Familienunternehmen Penell hat „bei einer erneuten Überprüfung der Lagerbestände“ festgestellt, dass die im Wertpapierprospekt zur Mittelstandsanleihe zugesagten Bestände offenbar nicht dem angegeben Lagerwert von rund 9 Millionen Euro entsprechen. Der tatsächliche Wert liegt wohl eher bei 5,5 Millionen Euro, wie das Unternehmen nun herausgefunden haben will.

Da das Kupfer in den Kabeln, die einen wesentlichen Teil des Lagerbestands ausmachen, den Anlegern als Sicherheit dient, ist das Unternehmen gezwungen, bei der Unterschreitung eines Schwellenwerts von 6,25 Millionen Euro eine Gläubigerversammlung einzuberufen. Dies soll nun in Kürze geschehen.

Die Anleihe wurde im Juni 2014 begeben und hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Der Zinssatz beträgt 7,75 Prozent. Begleitet wurde die Privatplatzierung von dem Corporate-Finance-Haus Dicama. Von Feri Euro Rating erhielt Penell ein Emissionsrating von B+. Beide Häuser reagierten auf eine FINANCE-Anfrage, zu den Vorgängen bei Penell Stellung zu beziehen, bis zum späten Nachmittag nicht. Die Anleihe wird im Freiverkehr der Börse Düsseldorf gehandelt und verlor bis zum frühen Nachmittag fast 20 Prozent an Wert.

Bilanz von Penell droht aus dem Lot zu geraten

Der 1981 gegründete Elektrogroßhändler für Industrieprojekte aus der Nähe von Darmstadt gehört mit gut 30 Mitarbeitern laut eigener Aussage „nicht zu den bekanntesten Unternehmen des Rhein-Main-Gebiets“. Im Geschäftsjahr 2013/14 (31. März) erzielte Penell bei einem Umsatz von 18,3 Millionen Euro (minus 13,7 Prozent) einen Vorsteuergewinn von 37.000 Euro – nach 66.000 Euro im Vorjahr. Penell zahlte in diesem Geschäftsjahr rund 263.000 Euro an Zinsen. Allein für die Anleihe wären künftig über 387.000 Euro Zinsen fällig.

Die Eigenkapitalquote betrug zuletzt knapp 27 Prozent. Dieser Wert beruht auf einem Bilanzansatz des Lagers von 9,3 Millionen Euro. Sofern die Lagerbestände tatsächlich nur 5,5 Millionen Euro wert sind, droht das Eigenkapital komplett ausradiert zu werden. Zum jüngsten Bilanzstichtag summierte sich dieses auf weniger als 3,3 Millionen Euro.

Hinweise, dass die Vorräte nicht verschwunden, sondern zu Umsatz gemacht worden sein könnten, gibt Penell nicht – und auch keine andere Erklärung. Auch auf eine FINANCE-Anfrage hin war Penell zu keiner erläuternden Stellungnahme bereit.

Mehr als 300 Tonnen Kupfer verschwunden?

Auf die Entwicklung der Rohstoffpreise dürfte die Entdeckung des geschmälerten Lagerwerts nicht zurückzuführen sein. Per Mitte Mai gab Penell auf Basis eines Kupferpreises von 5.068 Euro je Tonne den Wert des Kupferbestands im Warenlager noch mit 7,3 Millionen Euro an. Aktuell liegt der Preis mit 5.200 Euro je Tonne Kupfer sogar etwas höher als zum damaligen Stichtag.

Folglich muss wohl die Menge des eingelagerten Kupfers falsch eingeschätzt worden sein. Im Mai sollen es 1.436 Tonnen Kupfer gewesen sein. Um den nun reduzierten Wertansatz des Kupferbestands zu erklären, müsste mehr als ein Viertel des Kupfers verschwunden sein. Umgerechnet wären dies weit mehr als 300 Tonnen.

Aktuell wird das Unternehmen von Kurt Penell als Alleingeschäftsführer geleitet. Die Unternehmensgründerin Waldtraut Penell hatte sich Mitte November aus der Unternehmensleitung zurückgezogen. Begründet wurde dies seinerzeit mit dem Alter der Gründerin von fast 80 Jahren.

Penell ist nicht der einzige Emittent einer Mittelstandsanleihe, bei dem dubiose Vorgänge ans Tageslicht gekommen sind. So scheint sich die Pleite des Immobilienentwicklers Golden Gate zu einem Krimi zu entwickeln. Auch bei dem inzwischen insolventen Fahrradproduzenten Mifa begann die Misere mit der Aufdeckung von falschen Wertansätzen im Vorratsvermögen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Penell ist nicht der erste Skandal am Mini-Bondmarkt. Was sich dort bislang schon ereignet hat und wie es um das Marktsegment steht, erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.

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