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27.11.17
Finanzabteilung

DPR nimmt neue IFRS-Regeln ins Visier

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR lässt nicht locker. Weil viele CFOs nach wie vor nur unzulänglich über die Auswirkungen neuer IFRS-Regeln berichten, schaut die Bilanzpolizei bei ihren Sonderprüfungen 2018 dort erneut genau hin.

Wenn sich Unternehmen jetzt an die Erstellung ihrer Jahresabschlüsse machen, sollten sie einige Themen ganz besonders im Fokus haben, denn die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hat ihre Prüfungsschwerpunkte für 2018 veröffentlicht.

Die DPR – auch Bilanzpolizei genannt – sucht sich jedes Jahr einige kapitalmarktorientierte Unternehmen heraus und prüft, ob ihre Rechnungslegung korrekt ist. Dabei legt sie im Vorfeld immer bestimmte Schwerpunktthemen fest, die sie besonders stark unter die Lupe nehmen wird. Wie auch in den vergangenen Jahren hat die DPR für 2018 drei, die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma zwei Themenfelder festgelegt.

DPR schaut bei IFRS 15, IFRS 16 und IFRS 9 genau hin

Der erste Schwerpunkt betrifft ein Thema, mit dem sich aktuell ein Großteil der kapitalmarktorientierten Unternehmen beschäftigt: Die DPR will prüfen, inwieweit die Unternehmen in ihren Anhangangaben zu den erwarteten Auswirkungen neuer IFRS-Bilanzierungsstandards Stellung nehmen. So müssen sie beispielsweise erklären, wie sich die neuen Standards auf die Unternehmenskennzahlen auswirken werden. Die kritischen IFRS-Standards sind IFRS 15 (Umsatzbilanzierung), IFRS 16 (Leasingbilanzierung) und IFRS 9 (Bilanzierung von Finanzinstrumenten).

Das ist vor allem deshalb beachtlich, weil die DPR dieses Thema schon 2017 auf der Agenda hatte. Allerdings ist sie unzufrieden, wie die Unternehmen damit bislang umgehen. So hat ein Großteil der Unternehmen beispielsweise noch fast gar keine konkreten Angaben zu den Auswirkungen von IFRS 15 gemacht. Die meisten präsentieren noch Allgemeinplätze ohne Aussagewert.

Spätestens in den Geschäftsberichten für 2017 erwartet die DPR nun aber quantitative Angaben, betont Bettina Thormann, Vizepräsidentin der DPR. Wer diese dann immer noch nicht macht, wird nicht nur Ärger mit der DPR bekommen. Auch bei den Stakeholdern dürfte für Unmut sorgen, wenn das Management ihres Unternehmens kurz vor der Anwendung  der neuen Standards immer noch nicht weiß, mit welchen Auswirkungen genau zu rechnen ist.

1 DPR

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) wurde im Jahr 2005 im Zuge diverser Bilanzskandale gegründet. Sie soll die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen überwachen. Unternehmen lassen sich zwar freiwillig von ihr prüfen. Sollten sie allerdings eine Prüfung verweigern, wird die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) tätig.

2 Auswahl

Die DPR wählt die zu prüfenden Unternehmen nach verschiedenen Kriterien aus. Zum einen gibt es eine Anlassprüfung, bei der die DPR bei konkretem Verdacht auf Fehler tätig wird. Daneben gibt es eine Stichprobenprüfung. Dabei werden Unternehmen per Zufall ausgewählt, abhängig davon, ob sie laut Prüfungsturnus wieder an der Reihe sind. Unternehmen, die weder in der ersten, noch in der zweiten Stufe gezogen wurden, kommen am Ende in einen Topf, aus dem per Zufall weitere Unternehmen gezogen werden.

Kapitalflussrechnung und M&A-Deals im Fokus

Als zweites schaut die DPR, wie Unternehmen Zusammenschlüsse in der Rechnungslegung abgebildet haben. Auch das ist ein Thema, das sich oft auf der Agenda der DPR findet, weil es hierbei immer wieder zu Bilanzierungsfehlern kommt. Unter anderem geht es darum, in welcher Höhe der Goodwill bilanziert wird oder nach welchen Kriterien der Fair Value des gekauften Unternehmens ermittelt wurde.

Der dritte Prüfungsschwerpunkt betrifft die Kapitalflussrechnung. Hier schaut die DPR vor allem darauf, wie zahlungswirksame und nicht zahlungswirksame Veränderungen dargestellt werden und wie Zahlungsmittel beziehungsweise ihre Äquivalente ausgewiesen werden.

DPR fragt: Wurden Rückstellungen korrekt bilanziert?

Daneben legt die Bilanzpolizei ihren Fokus auch auf die Bilanzierung von Rückstellungen. Unter anderem geht es um folgende Fragen: Wie haben die Unternehme die Höhe der Rückstellungen bestimmt? Ist klar erkennbar, wofür genau Rückstellungen gebildet wurden? Und war die Inanspruchnahme der Schutzklausel wirklich gerechtfertigt? Dabei geht es darum, dass einige Unternehmen bei laufenden Rechtsstreitigkeiten nicht die Höhe der Rückstellungen angeben wollen, um den Prozessgegnern keine Hinweise für den laufenden Rechtsstreit zu geben. Dies ist erlaubt, aber nur in Ausnahmefällen.

Der fünfte Prüfungsschwerpunkt betrifft den Konzernlagebericht und die Konzernerklärungen. Insbesondere will die DPR darauf schauen, wie die Unternehmen adjustrierte Kennzahlen berichten. Wichtig ist unter anderem, dass Unternehmen diese ausreichend erklären, sie im Zeitverlauf konsistent darstellen und eine klare Überleitungsrechnung zu den IFRS-Kennzahlen angeben.

Daneben sieht sich die DPR auch an, wie Unternehmen die möglichen Auswirkungen des Brexits auf ihre Vermögens-, Finanz- und Ertragslage darstellen. Kritische Punkte könnten hier zum Beispiel Wechselkurseffekte, steuerliche Konsequenzen oder Zölle sein.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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