Staramba erstellt digitale Ebenbilder von Stars. Der Wirtschaftsprüfer BDO hat dem Berliner Start-up nun das Bilanztestat verweigert.

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28.05.18
Finanzabteilung

Wirtschaftsprüfer straft Überflieger ab

Die Wirtschaftsprüfer von BDO verweigern dem Börsenüberflieger Staramba das Bilanztestat. Für die Berliner kommt dies zur Unzeit: Sie sind gerade dabei, eine eigene Kryptowährung zu starten.

Schwerer Schlag für das aufstrebende Technologieunternehmen Staramba: Wie die börsennotierten Berliner mitteilen, erlässt der Abschlussprüfer BDO einen Versagungsvermerk für den Jahresabschluss und Lagebericht 2017. Somit kann der Virtual-Reality-Spezialist keine geprüfte Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen.

Offenbar ist es BDO nicht möglich, zentrale Bilanzposten der Berliner nachzuvollziehen. So schreibt Staramba, der Abschlussprüfer könne nicht beurteilen, „ob Anpassungen erforderlich waren in Bezug auf die ausgewiesenen Umsatzerlöse und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen einschließlich der zugehörigen Angaben“. Staramba habe aus Sicht von BDO die notwendigen Nachweise nicht erbracht. Ob es sich bei Staramba um einen Bilanzskandal handelt, dafür gibt es noch keine Belege.

Staramba teilt Einschätzung von BDO nicht

Der Verwaltungsrat teilt diese Einschätzung nicht, nimmt die „vermeintlichen Gründe“ aber ernst, heißt es in der Mitteilung. Das Unternehmen hat nun nach einen Angaben einen zweiten Wirtschaftsprüfer verpflichtet, um den Gründen für den Versagungsvermerk nachzugehen. Den Namen des neuen Wirtschaftsprüfers nennt Staramba allerdings nicht.

Zudem wird versprochen, den Verwaltungsrat zum Teil neu zu besetzen. Ziel ist es, „mehr Finanz- und Wirtschaftsprüfungsexpertise“ im Kontrollgremium zu platzieren. Dann soll auch ein Prüfungsausschuss gebildet werden, der die Abschlussprüfung künftig „fachlich vorbereiten“ und enger begleiten soll. 

Die Finanzierung sei durch die BDO-Entscheidung aber nicht in Gefahr, beschwichtigt Staramba. Man verfüge über Mittel im Wert von 5,5 Millionen Euro, die für das geplante Wachstum ausreichten.

Staramba verliert ein Drittel seines Börsenwerts

Staramba ist eines der aufstrebenden deutschen Start-ups aus der Berliner Gründerszene. Die Firma betreibt 3D-Fotoboxen, durch die täuschend echte Abbilder von Stars wie etwa Usain Bolt generiert werden können, sogenannte Avatare. Diese stellt Staramba zum Beispiel Videospieleentwicklern zur Verfügung. Außerdem baut das Unternehmen gerade eine virtuelle Welt auf, in der Fans mit ihren Vorbildern interagieren können.

Das Geschäftsmodell von Staramba stieß an der Börse auf großes Interesse, die Aktie der Berliner gehörte bis heute zu den absoluten Top-Performern am deutschen Aktienmarkt. Im Winter 2016 begann bei Kursen um 7 Euro ein rasanter Höhenflug: Innerhalb eines halben Jahres versiebenfachte sich die Aktie.

Nach einer kurzen Konsolidierung machte sie in diesem Frühjahr einen weiteren Satz und kletterte weiter bis auf 64 Euro, die in der vorigen Woche erreicht wurden. Die Marktkapitalisierung erreichte 150 Millionen Euro. Der Umsatz ist vorläufigen Zahlen zufolge 2017 von 2 auf 16 Millionen Euro angesprungen – ein Wert, der nun in Zweifel steht.

Die Aktionäre reagieren entsetzt, die Staramba-Papiere stürzte am heutigen Montagmorgen auf zwischenzeitlich kaum noch mehr als 40 Euro ab. Binnen weniger Minuten verlor der Virtual-Reality-Spezialist also ein Drittel seines Börsenwerts.

Staramba hat erst am Freitag einen ICO gestartet

Der Versagensvermerk durch BDO könnte auch die namhaften Partner des Berliner Start-ups verunsichern. Als Kunden nennt Staramba den Deutschen Fußball Bund (DFB) ebenso wie den deutschen Fußballrekordmeister Bayern München sowie die spanischen Traditionsvereine Real Madrid und FC Barcelona. Auf der Website zeigt Staramba Avatare von Star-Kickern wie Cristiano Ronaldo und Manuel Neuer.

Basierend auf den prominenten Avataren baut Staramba gerade ein virtuelles soziales Netzwerk auf, wo Nutzer diesen begegnen können. Hierfür hat Staramba erst am Freitag den Vorverkauf für ein Initial Coin Offering (ICO) gestartet. Dafür hat Staramba die hauseigene Kryptowährung „Staramba.Token“ ins Leben gerufen, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Der Token soll als Zahlungsmittel in dem virtuellen sozialen Netzwerk dienen, die Vorabzahlungen gleichzeitig die Weiterentwicklung der Avatar-Technologie finanzieren.

Das Eingeständnis der schweren Bilanzierungsprobleme könnte den Finanzierungsversuch über den Weg des ICOs bremsen. Zum Start soll die Zahl der Anmeldungen laut Staramba höher als erwartet gewesen sein. Wenn sich nun aber Zweifel an der Substanz des Unternehmens breit machen, könnte dies auch die Resonanz auf das Coin-Offering beeinträchtigen.

Bilanzierungsfehler bei Staramba könnten Appetit der ICO-Investoren dämpfen.

Indirekt betrifft die Situation auch prominente Sportler, in deren Umfeld Staramba entstanden ist. In einem Beratungsgremium des Unternehmens sitzen Staramba-Aussagen zufolge unter anderem die Fußballmanager Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt) und Hasan Salihamidzic (Bayern München) sowie der Ex-Nationalspieler Marko Rehmer. Bobic hat laut Unternehmensangaben auch eigenes Geld in das Unternehmen gesteckt.

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