Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Finanzabteilung Controlling CFO Spitzenpfeil: „Der Eigentümer kümmert sich, der Aktionär verkauft“

CFO Spitzenpfeil: „Der Eigentümer kümmert sich, der Aktionär verkauft“

Carl Zeiss-CFO Thomas Spitzenpfeil auf dem Stuttgarter Controller-Forum.
Horváth & Partners

Mit den richtigen Lösungen Krisen im eigenen Unternehmen frühzeitig zu erkennen und gegensteuern zu können, ist aktuell eines der Hauptthemen in der Welt der Controller. Dabei kommt es aber nicht nur auf den Einsatz der richtigen Tools an – auch die Eigentümerstruktur kann den Umgang mit wirtschaftlichen Schwankungen deutlich erleichtern: „Bei uns ist die Welt mehr als bloß ein einzelnes Quartal. Solange die strategische Richtung stimmt, ist es nicht so schlimm, wenn wir mal ein schlechtes Quartal verbuchen – weil wir einen nachsichtigen Aktionär haben“, sagte Carl-Zeiss-CFO Thomas Spitzenpfeil am Mittwoch auf dem 25. Stuttgarter Controller-Forum von Horváth & Partners. Auch wenn der HighTech-Konzern Carl Zeiss wie viele andere Unternehmen die gestiegene Volatilität der letzten Jahre zu spüren bekommt, profitiert er in wirtschaftlich schwierigen Phasen von seiner Aktionärsstruktur – Alleineigentümer ist seit über 100 Jahren die Carl Zeiss Stiftung.

Ähnliches berichtet auch Lars Grünert, Geschäftsführer beim Familienunternehmen Trumpf: „Es ist natürlich keine Wohlfühlveranstaltung, wir stehen auch unter Ergebnisdruck. Aber unsere Unternehmenskultur ist durch die Familie geprägt, das hilft uns in Krisenzeiten.“ Bei dem schwäbischen Unternehmen, das heute von Nicola Leibinger-Kammüller geleitet wird, setzt man auf Kontinuität – und das in vielen Belangen. Im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern habe man in schwierigen Phasen beispielsweise nichts an den Vertriebs- und Servicestrukturen geändert, erzählt Grünert.

Konsens statt Top-down

Auch die Carl Zeiss AG hat sich in den vergangenen Jahren allen Turbulenzen zum Trotz nicht von ihrer Philosophie – einer konstanten Neuproduktrate von über 50 Prozent – verabschiedet. Möglich ist eine solche Unternehmenskultur aber nur, wenn auch die Finanzenplanung entsprechend konservativ angepackt wird: Carl Zeiss begrenzt die Ausschüttungen und legt den Schwerpunkt stattdessen auf eine stabile Eigenkapitalquote von etwa 30 Prozent. Bei allen Vorteilen zwingt diese Grundhaltung aber auch zu Abstrichen an anderen Stellen. „Unser Führungsstil ist ganz klar auf Respekt und Konsens ausgelegt, auch in Krisenzeiten werden Entscheidungen sorgfältig abgestimmt. Dafür geht es manchmal dann auch etwas weniger schnell“, räumt Grünert ein. Besser als ein reiner Top-down-Ansatz sei dieser Weg aus seiner Sicht trotzdem.

Konstanz im Fokus statt hektischer Reaktionen auf Bewegungen im Markt: Damit fahren die Unternehmen eine Strategie, für die (Fremd-)Aktionäre sie schnell hätten bestrafen können – die bei Carl Zeiss und Trumpf aber vollen Rückhalt findet. Am Ende ist hat sich für die beiden Unternehmen eine Grundregel bewährt – Spitzenpfeil: „Der Eigentümer kümmert sich, der Aktionär verkauft.“

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Newsletter

FINANCE Daily

Mit dem FINANCE Daily erhalten Sie täglich eine redaktionelle Zusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse in der Finanzwelt direkt in Ihr Postfach.

Jetzt anmelden