Jenoptik-CFO Rüdiger A. Günther bei FINANCE-TV: Schonungslose Bestandsaufnahme

FINANCE-TV

11.04.13
Finanzabteilung

Jenoptik steckt über 20 Millionen Euro in ERP-Projekt

Der Hightech-Konzern Jenoptik verschärft seinen Expansionskurs in Asien und Amerika. Doch die Prozesse und IT-Systeme sind dafür veraltet, gibt Rüdiger Günther zu. „Das können wir uns nicht mehr leisten“, meint der Jenoptik-CFO und steckt über 20 Millionen Euro in ein großangelegtes ERP-Projekt – mit einem extrem langen Zeithorizont.

Beim Technologiekonzern Jenoptik hat die Umsetzung des größten IT- und Controlling-Projekts der jüngeren Unternehmensgeschichte begonnen. Damit will der seit einem Jahr amtierende CFO Rüdiger Andreas Günther das TecDAX-Unternehmen für die Expansion nach Asien und Nordamerika fit machen, die das Management gerade forciert.

Der Handlungsbedarf ist groß, wie Jenoptik-CFO Rüdiger Günther im Interview bei FINANCE-TV offenbart. Als Beispiel nennt er den globalen Einkauf: „Heute  haben wir zwar auch schon Transparenz über unsere weltweiten Einkaufspreise, aber die Transparenz wird sehr langwierig über Excel-Tabellen und Definitionsfragen zur Verfügung gestellt. Das können wir uns als ein globalisierendes Unternehmen nicht mehr leisten.“

CFO rechnet mit Gewinnbeitrag erst in fünf Jahren

Aus diesem Grund investiert Jenoptik jetzt hohe Summen in die Aufrüstung seiner SAP-Landschaft. Bei FINANCE-TV beziffert Günther die Projektkosten auf mehr als 20 Millionen Euro – fast halb so viel, wie Jenoptik im abgelaufenen Geschäftsjahr operativ verdient hat (54,8 Millionen Euro). „Aber einen Großteil dieser Summe hätten wir auch in die Pflege des Altsystems investieren müssen“, gibt Günther zu. Wie groß und komplex das ERP-Projekt auch bei Jenoptik ist, zeigt Günthers Zeitplan: Erst in drei bis vier Jahren wird das Projekt abgeschlossen sein, „zwei, spätestens drei Jahre danach“ soll es zum operativen Gewinn beitragen.   

Doch bis dahin wartet noch die große Herausforderung auf den CFO, den hochkomplexen Technologiekonzern unter ein gemeinsames ERP-Dach zu führen. Jenoptik ist nicht nur global aktiv, sondern agiert auch in fünf Geschäftsfeldern, die völlig andere Treiber, Durchlaufzeiten und Cashflowprofile haben.

Im Verteidigungsgeschäft arbeiten die Thüringer langlaufende Großaufträge ab, zum Beispiel als Lieferant von Steuerungselektronik für Kampf- und Schützenpanzer. Am anderen Ende des Geschäftsportfolios steht die Optiksparte, in der Jenoptik auf Zuruf Kleinkomponenten im Wert von ein paar tausend Euro fertigt und verkauft. Daneben produziert Jenoptik unter anderem auch medizinische Laser sowie Blitzgeräte für die Verkehrsüberwachung. Das Wachstum der kommenden Jahre soll vor allem aus dem internationalen Ausbau des Messtechnikgeschäfts kommen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de