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Iran-Sanktionen: Deutsche Forfait auf der schwarzen Liste der USA

Die US-Regierung setzt die Deutsche Forfait auf ihre Sanktionsliste. Für den Außenhandelsfinanzierer ist das ein großes Problem.
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Wenn es um den Iran geht, ist mit den USA nicht zu spaßen. Diese Erfahrung muss nun auch die Deutsche Forfait machen. Das US-Finanzministerium hat den Spezialisten für Außenhandelsfinanzierung auf seine schwarze Liste aufgenommen. Das Unternehmen darf nun bis auf weiteres keine Finanzgeschäfte mehr in den USA tätigen. Auch die US-Tochter in Miami und das Vorstandsmitglied Ulrich Wippermann stehen namentlich auf der Sanktionsliste.

Die Amerikaner werfen der Deutschen Forfait vor, gegen die Iran-Sanktionen verstoßen zu haben. Das Unternehmen soll den Handel mit dem iranischen Staatsbetrieb National Iranian Oil erleichtert haben. Zwar hatten die EU und die USA Mitte Januar einige Sanktionen gegen den Iran vorübergehend gelockert, Öl-Importe in die EU bleiben allerdings weiter verboten. Die Deutsche Forfait weist die Vorwürfe als nicht zutreffend zurück und bemüht sich derzeit diese auszuräumen, heißt es in einer Ad-hoc Mitteilung des Unternehmens.

Für den Außenhandelsfinanzierer hat die Aufnahme auf die schwarze Liste der USA gravierende Folgen: Das Vermögen in den USA wird blockiert, und US-Bürgern ist es verboten, mit der Deutschen Forfait Geschäfte zu machen. Als Folge muss die Deutsche Forfait nun Forderungen in Höhe von 1,6 Millionen Euro ausbuchen, wie das Unternehmen mitteilte. Das Jahresergebnis für 2013 werde so nachträglich stark belastet. Gemeinsam mit Sonderaufwendungen durch Umsatzsteuer-Nachzahlungen rechnet das Unternehmen nun mit einem Konzernverlust nach Steuern von 3 bis 3,3 Millionen Euro.

Mittelstandsanleihe: Kam die Ad-hoc Mitteilung zu spät?

Nach Bekanntgabe der Zahlen verlor die in Frankfurt notierte Mittelstandsanleihe der Deutschen Forfait an Wert: Sie sank am Dienstag von 93 auf 86. Im Laufe des heutigen Nachmittags gab der Bond weiter nach auf 70. Die Deutsche Forfait hatte im Mai 2013 eine siebenjährige Mittelstandsanleihe über 30 Millionen Euro emittiert. Der Kupon beträgt 7,875 Prozent. Die Aktie hat mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.

Fraglich ist, ob die Deutsche Forfait nicht bereits am 6. Februar, als die USA das Unternehmen auf ihre schwarze Liste aufnahm, eine Ad-hoc-Mitteilung hätte herausgeben müssen. Bis zur Mitteilung gestern Nachmittag gab die Anleihe bereits von 100 auf 93 nach, die Nachricht blieb jedoch weitgehend unter dem Radar vieler Anleger. Nur einzelne Profi-Investoren waren auf die US-Sanktion aufmerksam geworden.

Wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Die Deutsche Forfait war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Dort will man nun schnellstmöglich versuchen, die Vorwürfe aus dem Weg zu räumen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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