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CFO-Headhunterin: „Bei Teamviewer lief es sehr, sehr gut“

Nadja Brellochs leitet die CFO Practice bei der Private-Equity-Personalberatung PER.
PER

Frau Brellochs, mit Bezügen von 36 Millionen Euro führt Stefan Gaiser auch 2020 das Gehaltsranking der MDax-CFOs an. Verdienen alle Private-Equity-CFOs so gut?
Teamviewer ist ein spezieller Fall, bei dem es sehr, sehr gut lief: Seit dem Börsengang hat sich das Unternehmen prächtig entwickelt. Davon profitiert oft auch der Vorstand der Firma, der sich in der Regel an dem Unternehmen mitbeteiligt, wenn vor dem IPO ein Finanzinvestor einsteigt.

Wie sehen diese Beteiligungen im Private-Equity-Bereich für gewöhnlich aus?

Meistens investiert ein Private-Equity-CFO beim Einstieg des Investors das 0,5- bis Zweifache des eigenen Jahresgehalts. Oftmals steigen die CFOs zu günstigeren Bewertungen ein und profitieren umso mehr von der Wertsteigerung, wenn sich das Unternehmen positiv entwickelt. Wir beobachten, dass die Vorstände mittelständischer Private-Equity-Beteiligungen das Sechs- bis Zehnfache ihres eingesetzten Kapitals mit diesen Beteiligungen verdienen. Bei größeren oder gelisteten Unternehmen dürfte der Multiplikator ähnlich hoch sein.

Setzen alle Private-Equity-Investoren auf solche Gewinnbeteiligungen für Vorstände?
Meiner Erfahrung nach sind diese Vergütungsmodelle – bis auf wenige Ausnahmen – Standard. Üblich ist auch, dass es keinen „Cap“ gibt, die Vergütungen also nicht gedeckelt werden. Das Investment des CFO ist entkoppelt vom Gehalt und entwickelt sich parallel zu dem des Finanzinvestors. Die Beteiligung soll einen echten Anreiz für den CFO darstellen, das Unternehmen so gut wie möglich zu führen.

„Üblicherweise werden die CFO-Beteiligungen nicht gedeckelt.“ 

Nadja Brellochs, Headhunterin in der CFO-Practice von PER

Private-Equity-Finanzchefinnen verhandeln sehr gut

Halten Sie diese Vergütungsmodelle, die solch extrem hohe Bezüge zulassen, für fair?
Ja, denn die Tätigkeit des CFO bei einem Private-Equity-finanzierten Unternehmen ist eine herausfordernde Rolle mit viel Dynamik, die exzellente Führungs- und Kommunikationsfähigkeiten sowie ein besonderes fachliches Skill Set erfordert. Man kann viel bewegen, trägt aber auch eine hohe Verantwortung. Diese wird entsprechend entlohnt. Und wenn sich das Unternehmen nicht gut entwickelt, fällt die Gewinnbeteiligung geringer aus – oder sogar komplett weg. Darüber hinaus sind die Grundgehälter von Private-Equity-CFOs nicht höher als die derjenigen CFOs, die in einer ähnlichen Branche oder bei einer Firma in einer ähnlichen Größenordnung ohne Private-Equity-Hintergrund arbeiten.

Beobachten Sie, dass Finanzchefinnen bei Private-Equity-finanzierten Unternehmen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen?
Nicht wirklich. Es ist derzeit sogar eher umgekehrt: Private Equity sucht händeringend nach weiblichen Führungskräften – auch bei den Portfoliofirmen. Zusätzlich erleben wir oft, dass Finanzchefinnen über sehr gutes Verhandlungsgeschick verfügen. Das hat einen positiven Einfluss auf die Gehälter.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den Wettbewerb der Finanzinvestoren erfahren Sie auf unserer Themenseite Private Equity.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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